Die Heimatpfleger fordern in einem Schreiben, die Verkaufsverhandlungen für das VHS-Haus zurückzustellen. Es sollte erst geprüft werden, ob das Haus mit Fördermitteln erhalten werden kann.

Kamen

, 12.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Ein durchgängiger Fichtenstamm, der vom Keller bis zum Dachgeschoss als Träger der Wendeltreppe eingebaut wurde. Aufwendig gearbeitete Treppengeländer und fein gemusterte Bodenfliesen, die über mehr als ein Jahrhundert etwas an Strahlkraft verloren haben. Vier Kamener Ortsheimatpfleger haben dem VHS-Haus einen Besuch abgestattet, um das denkmalgeschützte Inventar zu begutachten. Ein Termin, der am 23. Januar wiederholt werden soll. Dann hat sich das Amt für Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen (LWL) angekündigt. „Wir erhoffen uns weitere fachliche Information über den Innenausbau des Hauses“, sagt Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Stoltefuß, an seiner Seite Karl-Ernst Böhm, Edith Sujatta und Wilfrid Loos. Weiterhin, so betonen sie, stünden sie in Kontakt mit der Stadtverwaltung, um den geplanten Verkauf des denkmalgeschützten Hauses zu diskutieren. Die Heimatpfleger halten das Objekt für so bedeutend, dass sie empfehlen, das Haus in städtischem Besitz zu belassen. In einem detaillierten Schreiben, das sie jetzt veröffentlichten, begründen sie ihre Meinung: „Es geht um Grundsätzliches, nämlich um die Haltung der Stadt als Denkmaleigentümer, auch in Zusammenhang mit ihrer Vorbildfunktion als Untere Denkmalbehörde.“

Abkehr vom Verkauf des VHS-Hauses gefordert

Ein Baumstamm, der vom Keller bis zum Dachgeschoss reicht und Träger der Wendeltreppe ist. © Stefan Milk

Stadt als gutes Beispiel

Die Stadt sollte ein Beispiel geben und ein wertvolles Denkmal so herrichten, dass es als herausragendes Bauwerk zum Zeugen der Stadtgeschichte und der zur Zeit der Industrialisierung bestandenen Wohn- und Arbeitsverhältnisse einer Apothekerfamilie wird. „Manche benachbarte Stadt würde glücklich sein, wenn sie im Besitz eines so herausragenden Denkmals wäre“, schreiben die Ortsheimatpfleger weiter. Die eigentliche Misere sei, dass die besondere Bedeutung des Hauses bisher keine Beachtung gefunden habe. „Bevor die Angelegenheit dem Wirtschaftsausschuss vorgelegt wurde, hätte darüber diskutiert werden müssen, dass es sich bei der Alten Apotheke um ein herausragendes Baudenkmal handelt.“ In nichtöffentlicher Sitzung war einstimmig der Verkaufsbeschluss gefällt worden, der Verkaufspreis war auf 243.000 Euro taxiert worden. Die Verhandlungen mit einem privaten Investor, so Stadtsprecher Hanno Peppmeier am Mittwoch, stünden vor dem Abschluss.

Abkehr vom Verkauf des VHS-Hauses gefordert

Die Einrichtung der alten Apotheke im Erdgeschoss mit großen Schubfachschränken. Das Haus wurde 1886 im Stil der französischen Neo-Renaissance errichtet. © Stefan Milk

Ministerin in Kenntnis gesetzt

Im Sinne der Ortsheimatpfleger ist ein Verkauf nicht. Sie fordern in dem Schreiben, dass die Stadt Kamen die Verkaufsbemühungen zunächst zurückstellen sollte. Mit dem Westfälischen Denkmalamt könnte dann geklärt werden, was für Restaurierung und Aufwertung notwendig sei, um Fördermittel beim Land zu beantragen. Das Förderprogramm, auf das die Heimatpfleger zielen, trägt den Titel „Heimat. Zukunft. Nordrhein-Westfalen. Wir fördern, was Menschen verbindet.“ Heimatministerin Ina Scharrenbach, bekanntlich selbst Kamenerin, sei über die Bemühungen in Kenntnis gesetzt worden, so Stoltefuß. „Das so restaurierte Baudenkmal sollte im Eigentum der Stadt Kamen bleiben.

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Das gesamte Haus sollte an einigen Tagen im Jahr für die Öffentlichkeit geöffnet werden“, schließen die Heimatpfleger ihr Schreiben. Wenn die Stadt keine eigenen Nutzungsmöglichkeiten habe, sollten die übrigen Räume zur Vermietung freigegeben werden.“ Erst wenn sich eine öffentliche Förderung nicht realisieren ließe, sollte das Haus, wenn es gar nicht anders ginge, an einen denkmalfreundlichen Interessenten verkauft werden.

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