Abgequält an der Bushaltestelle: Nützliche Tipps gegen die Rollator-Qual

dzVierter Rollatortag am Rathaus

Mit dem Rollator in den Bus einsteigen. Busfahrer Straßl sieht oft, wie sich Senioren dabei abquälen. Er kennt einen einfachen Trick, wie es besser geht. Beim Rollatortag zeigt er diesen.

Kamen

, 02.09.2019, 15:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Hans Nickel ist es immer eine Qual, mit dem Rollator in den Bus einzusteigen. Der Senior aus Bönen weiß nicht so richtig, wie er die unhandliche Gehhilfe heben kann, ohne sich anzustrengen. „Das ist immer eine Quälerei“, sagt er. Doch jetzt geht es plötzlich ganz einfach und der ältere Herr ist außer sich vor Freude. „Man hat mir in drei Minuten erklärt, wie das geht. Und es ist ja ganz einfach“, ruft er. „Bremsen anziehen, Vorräder heben, Hinterräder nachschieben! Warum hat mir das keiner vorher gesagt?“ Beim 4. Rollatortag der Stadt Kamen hat es ihm jemand gesagt. Und der Senior ist glücklich.

Viele wissen nicht, wie sie aus dem Bus aussteigen

Gaby Freudenreich, Projektleiterin des VKU-Projekts „Jederbus“, kennt das Problem der Senioren. „Viele wissen einfach nicht, wie man richtig aus dem Bus ein- und aussteigt.“ Wie ist es richtig? „Rückwärts aussteigen, aber das trauen sich die meisten nicht.“ Bei der Veranstaltung am Montag trauen sich die Senioren. Unter Anleitung auch des Busfahrers Georges Straßl. „Und wir haben heute niemanden gehabt, bei dem es nicht geklappt hat.“ Und Freudenreich ergänzt. „Oh, das ist aber einfach - das haben wir heute ganz oft gehört.“ Seit sechs Jahren gibt es das Projekt „Jederbus“, bei dem das Busfahren jenen erklärt wird, die körperliche Beeinträchtigungen haben.

Abgequält an der Bushaltestelle: Nützliche Tipps gegen die Rollator-Qual

Margot Müller im Parcours der Kreisverkehrswacht, begleitet von Sandra Blach vom Sozialen Dienst des Pertheszentrums. Beim vierten Rollatortag in Kamen gab es wichtige Tipps, um mit dem Rollator sicher umzugehen. © Stefan Milk

Wie mit einem Kinderwagen über den Bordstein

Und so einfach kann es sein. Erst die Bremse ziehen, dann den Rollator ankippen, die Bremse lösen und die Vorräder in den Bus schieben. Dann nachgehen, die Hinterräder heben und den ganzen Rollator in den Bus schieben. „Viele tragen ihn rein, dabei benutzen sie in doch, weil sie nicht gut auf den Beinen sind“, weiß Straßl aus Erfahrung. „Aber man muss den Rollator nur ankippen, als wenn man mit einem Kinderwagen über einen Bordstein will“, gibt Freudenreich einen Vergleich.

Gute Resonanz auf den vierten Rollatortag

Seniorenberater Markus Fallenberg ist zufrieden über den Verlauf des vierten Rollatortags. „Es gibt schon Anfragen, ob wir ihn zweimal im Jahr machen können. Aber das wäre wohl zu viel“, sagt er. Etwa 200 Besucher sind auf dem Rathausplatz, um sich an verschiedenen Stationen beraten zu lassen. „Am Freitag waren wir auf dem Wochenmarkt unterwegs und haben für den Tag geworben. Unglaublich, wie viele Leute mit dem Rollator unterwegs sind“, hat Fallenberg dabei festgestellt. Oft sei dabei zu beobachten, dass die Rollatoren nicht richtig genutzt werden. „Auch als Laie sieht man ganz oft, dass die Gehhilfen falsch eingestellt sind.“

Beim Sanitätshaus Tingelhoff Rollatoren überprüft

Adelheid Kluge ist aus Unna gekommen, um beim Sanitätshaus Tingelhoff ihren Rollator überprüfen zu lassen. „Es ist alles in Ordnung, aber die Räder sind etwas hart“, sagt sie. Jetzt soll geprüft werden, ob die Räder nicht ausgetauscht werden können. Heike Reinemann, Bereichsleiterin für Marketing und Vertrieb, kennt derlei Probleme und steht mit ihren Mitarbeitern parat, um Rollator-Bremsen einzustellen und auch neuartige E-Scooter vorzustellen. Die fahrenden Minimobile haben eine Reichweite von etwa 25 Kilometern und kosten zwischen 1600 und 3200 Euro, wenn die Krankenkassen sich nicht daran beteiligen. Für einen handlichen Leichtgewichtsrollator werden zwischen 250 und 300 Euro fällig. Aber auch hier kann es Zuschüsse durch die Krankenkasse geben.

Nützliche Tipps von der Kreisverkehrswacht

Auch bei Dörte Grod von der Kreisverkehrswacht gibt es nützliche Tipps für den Umgang mit dem Rollator. „Gefährlich wird es für die Senioren, wenn sie das Bergab-Gehen nicht beherrschen“, sagt sie. Dann rolle der Rollator weg und die Senioren verlören den Halt. „Dann fallen sie auf die Nase. Das habe ich heute schon öfter gehört.“ Doch wer beim Rollatortag war, das steht wohl fest, der fällt nicht mehr auf die Nase.

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