„82 West“: Trotz Corona-Sorgen bleibt die gute Stimmung

dzGastronomie in Kamen

Seit Ende Mai hat das „82 West“ wieder geöffnet. Die Sorgen bleiben aber weiterhin bestehen. „Ich weiß nicht, ob ich im Falle eines zweiten Lockdowns das 82 West noch mal aufmachen kann.“

von Antonia Schütter

Kamen

, 29.06.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist 20 Uhr und ein reges Plaudern und Lachen erfüllt die Fußgängerzone in Kamen. Gläser klirren, als die Gäste im „82 West“ anstoßen. Herzhafte Gerüche dringen aus der Küche bis vor die Tür. Auf den schwarzen Tafeln im Außenbereich werden Getränke und Speisen angezeigt. Alle fünf Tische sind besetzt, die Gäste in tiefen Gesprächen versunken. Ein tiefer Kontrast zum Lokal: Denn dort ist es bis auf das Personal leer.

Direkt am Eingang des 82 West sitzt Anke Kuhle mit ihren drei Freunden und ihrem Ehemann. Sie feiert heute ihren Geburtstag nach. Der Tisch ist mit Cocktails bestückt. „Am liebsten trinke ich hier einen Erdbeer-Caipi“, gibt Anke Kuhle lachend zu. Das Ehepaar Kuhle ist jeden Freitagabend im „82 West“. „Hier ist es klein und gemütlich, wir kommen mit jedem ins Gespräch und das ist einfach schön“, ist sich das Ehepaar einig. Der Hauptgrund für den regelmäßigen Besuch ist allerdings Inhaberin Alexandra Rabe. Ihre Gäste nennen sie Alex. „Sie ist ein Unikum“, beschreibt Thomas Kuhle die Wirtin. Seit 2018, als Alex Rabe das „82 West“ übernahm, sind Anke und Thomas Kuhle Stammkunden in dem Lokal in der Weststraße.

Armin und Susanne Morch (v.l.), Sigrid Milcarek und Anke und Thomas Kuhle feiern zusammen einen Geburtstag nach.

Armin und Susanne Morch (v.l.), Sigrid Milcarek und Anke und Thomas Kuhle feiern zusammen einen Geburtstag nach. © Antonia Schütter

Wirtin mit Herzblut

Während die Geburtstagsrunde weiter den Abend genießt, ist Alex in der Küche und kümmert sich um die Speisen. Sie ist in der Gastronomie groß geworden und hat schon als kleines Kind bei den Großeltern im Restaurant mitgeholfen. Heute ist sie selbst Inhaberin zweier Lokale. In ihrem Beruf als Wirtin geht die 49-Jährige voll und ganz auf: „Ich liebe den Kontakt zu meinen Gästen und ich möchte auch nichts anderes mehr machen“.

Das „82 West“ wird sowohl von jungen als auch älteren Gästen besucht. Darauf ist auch die Inhaberin stolz. „Diese Mischung sorgt für eine ganz besondere Stimmung“, weiß Alex. Klatschen, Tanzen, Singen, Feiern – das macht das „82 West“ aus. Aufgrund des Corona-Virus ist das aber in diesem Jahr nur bedingt möglich.

Zusammenhalt in der Corona-Krise

Etwa neun Wochen lang musste das Lokal geschlossen bleiben. Trotz der Schließung war Alex Rabe jeden Tag vor Ort und hat nach dem Rechten gesehen. Mit dem To-Go-Verkauf hat sich das „82 West“ in dieser Zeit über Wasser gehalten. Einige Gäste haben Alex persönlich kontaktiert und ihre Unterstützung angeboten. Die Inhaberin weiß aber nicht nur die Unterstützung ihrer Gäste zu schätzen, sondern auch den Zusammenhalt der Gastronomen in Kamen.

„Es geht nicht nur um das 82 West, sondern um uns alle.“
Alexandra Rabe

„Es geht nicht nur um das 82 West, sondern um uns alle", sagt Alex mit Tränen in den Augen. Auch die Aktion „Lokalheld“ eines Kamener T-Shirt-Unternehmens mit entsprechend gekennzeichneten T-Shirts hat die 49-Jährige zu Tränen gerührt. „Das war wirklich die beste Aktion aller Zeiten“.

Alexandra Rabe blickt positiv in die Zukunft

In dem Lokal hat sich nach dem Lockdown viel geändert: Die Theke gleicht einem kleinen Apothekenschrank. Statt Getränke und Bierdeckel sind dort Desinfektionsvorräte zu sehen. Bedient werden darf hier nicht. Genauso wie in den Restaurants müssen die Gäste bei einem Besuch ihre Kontaktdaten hinterlassen. Trotz der vielen Regelungen bleibt die lockere Stimmung erhalten, so Alex.

Die Wiedereröffnung bringt neue Hoffnung. Mehr und mehr Gäste besuchen wieder das Lokal. Die Angst vor einer erneuten Schließung ist bei Alexandra Rabe allerdings noch nicht überwunden: „Ich weiß nicht, ob ich im Falle eines zweiten Lockdowns noch mal aufmachen kann.“

Um 20 Uhr sind alle Tische im 82 West besetzt.

Um 20 Uhr sind alle Tische im 82 West besetzt. © Antonia Schütter

Mit positiven Gedanken dreht Alexandra Rabe die Musik etwas auf und lässt den Abend draußen mit ihren Gästen zusammen ausklingen. Ihr Plan ist weiterhin, die nächsten zwanzig Jahre genauso weiterzumachen.

GASTRONOMIE IN CORONA-ZEITEN
  • Restaurants, Kneipen, Eisdielen dürfen wieder öffnen – aber unter strengen Auflagen.
  • Wir nehmen das zum Anlass, uns vor Ort ein Bild zu machen, wie der Betrieb in Corona-Zeiten läuft.
  • In loser Folge stellen wir unsere heimischen Lokale vor.
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