600 Zuschauer in der Konzertaula: Vorurteile und Schwarz-Weiß-Denken einfach weggelacht

dzAnti-Rassismus-Komödie

Grandioser Erfolg für „Wer hat Angst vorm weißen Mann“ in der Konzertaula: Hans Stadlbauer („Forsthaus Falkenau“) spielt einen vorurteilsbehafteten Metzger – eine Rolle, die der verstorbene Joseph Hannesschläger („Rosenheim-Cops“) übernehmen sollte.

von Sebastian Pähler

Kamen

, 15.02.2020, 11:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alle Menschen sind gleich, manche fühlen offenbar gleicher, jedenfalls im Umfeld der Münchener Metzgerei, in der Metzgermeister Franz Maisacher (Hans Stadlbauer) seit eh und je hinter der Theke steht. Daher ist der erzkonservative Bayer auch nicht begeistert, als er nach einem Krankenhausaufenthalt einen Veränderung in seiner weiß gekachelten Lebenswelt entdeckt. Seine Tochter Zita (Johanna Semmelrogge), die das Geschäft einmal übernehmen soll, hat sich während seiner Abwesenheit unerwünschte Hilfe gesucht. „Ein Neger in meiner Metzgerei?“, stellt Franz politisch unkorrekt fest.

Alltäglicher Rassismus aufgegriffen

So beginnt die Komödie „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“, die am Freitagabend in der Konzertaula Kamen den alltäglichen Rassismus zum Thema macht. Alpha Kitenge (Dimitri Abold) kommt aus dem Kongo und ist eigentlich Ingenieur. Nach seiner Flucht vor politischer Verfolgung ist er in München auf der Suche nach Arbeit und davon hat MetzgertochterSchwarz Zita nach dem Schlaganfall ihres Vaters mehr als genug.

Vater Franz hingegen ist wenig begeistert und versucht den Afrikaner, der sein Bestes versucht, um von dem Metzger und dessen wenig aufgeschlosseneren Kunden akzeptiert zu werden, zu vertreiben. Dabei passiert ein schrecklicher Unfall und Franz stirbt. Da Alpha in der Lage ist, seinen Geist zu sehen, beginnt damit erst eine Geschichte um offenen und versteckten Rassismus, Streit unter den Erben und das Suchen und Finden der Liebe. Wären da nicht die rasanten Schlagabtausche der Darsteller und ein versöhnliches Happy End, wäre „Wer hat Angst vorm weißen Mann“ wohl ein berührendes Sozialdrama, aber auch viel weniger unterhaltsam.

Förster statt Cop

Was in Amerika Dallas, Denver-Clan oder Falcon Crest war, war in Deutschland von 1988 bis 2013 „Forsthaus Falkenau“ um einen Förster im Bayrischen Wald. Und als einziger Schauspieler hat Hans Stadlbauer in jeder Staffel der Familienserie mitgewirkt. Als Verkörperung des Ur-Bayern in der Anti-Rassismus-Komödie auf der Konzertaula-Bühne macht sich Stadlbauer außerordentlich gut. Wobei eigentlich ein anderer Bajuware Maisacher hätte spielen sollen.

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Statt dem Gesicht aus Forsthaus Falkenau war die Rolle eigentlich für Joseph Hannesschläger vorgesehen, der in der TV-Krimiserie „Die Rosenheim-Cops“ als Kommissar Korbinian Hofer den Archetyp des Alpenbewohners verkörperte. Hannesschlägers Tod im Januar hinterließ eine Lücke, auch in diesem Stück. Kleine Details, wie etwa eine Anspielung, das für Metzger Franz ja selbst Leute aus Rosenheim Ausländer gewesen wären, ließen den Wissenden merken, wer hier hätte stehen sollen.

Stadlbauer weiß zu überzeugen und begeistert die rund 600 Zuschauer in der Konzertaula. Er, Dimitri Abold und das restliche Ensemble des Münchner Tourneetheaters ernten dafür reichlich Applaus.

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