50-Euro-Schein löst Ärger um Tickets für Schalke-Schlagerparty

dzStrafprozess

Ein Mann besorgt Tickets für die Schlagerparty auf Schalke, kassiert Geld dafür, doch zum gemeinsamen Besuch mit einer Freundin kommt es nicht. Er verkauft die Eintrittskarten weiter, was ihn auf die Anklagebank führt.

von Jana Peuckert

Kamen

, 06.02.2020, 16:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hatte ein Angeklagter im Amtsgericht Kamen einen, wie von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, Betrug begangen, oder hatte sich der 23-Jährige wegen einer Veruntreuung strafbar gemacht? Eine Problematik, mit der die Prozessbeteiligten zu Beginn der Verhandlung am Mittwoch nicht gerechnet hatten.

Der Kamener musste sich verantworten, weil er drei Karten für die Party „Olé auf Schalke“ an eine Freundin für 63 Euro verkauft, ihr die Karten aber nie ausgehändigt hatte. Es habe Streit zwischen ihnen gegeben, erklärte der Angeklagte. Er habe erst einmal abwarten wollen, wie sich die Situation so entwickelt. Er sei davon ausgegangen, so die Verteidigerin des Mannes, alles würde sich klären und sie würden, wie geplant, gemeinsam zu der Veranstaltung gehen. Ihr Mandant sei dann bockig geworden: „Es ist wie im Kindergarten, Herr Vorsitzender.“

Eintrittskarten sorgfältig aufbewahren

Einen Vorsatz für einen Betrug sehe sie jedenfalls nicht, erklärte die Anwältin. Für einen Betrug hätte der Angeklagte von Anfang an vorhaben müssen, die Karten nicht herauszugeben. Der Richter stimmte der Verteidigerin zu. Auch er sah keinen Betrug. Allerdings stellte er eine Veruntreuung in den Raum. Wer sich bereit erkläre, für andere Karten zu besorgen, habe die Pflicht, diese sorgfältig zu behandeln und dafür Sorge zu tragen, dass die Personen, für die die Karten bestimmt seien, auch zur Veranstaltung gelangen. Das sei im vorliegenden Fall nicht geschehen.

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Schuld mit 50-Euro-Schein im Gerichtssaal beglichen

Der Kamener hatte die Tickets nämlich eine Woche vor der Veranstaltung weiterverkauft. Um eine Veruntreuung tatsächlich nachzuweisen, hätte es einer Aussetzung des Verfahrens und damit eines neuen Termins bedurft. Das, so der Richter, stehe aber in keinem Verhältnis zu den 63 Euro. Da der Angeklagte nach Erhalt eines Strafbefehls von 900 Euro, gegen den er Einspruch eingelegt hatte, der Geschädigten die 63 Euro zurücküberwiesen hatte und weil der 23-Jährige keine Vorstrafen mitbrachte, stellte der Vorsitzende das Verfahren vorläufig gegen eine Zahlung von 50 Euro an die Geschädigte ein.

Die Mutter des Angeklagten, die während des gesamten Prozesses im Zuhörerbereich gesessen hatte, zückte sofort ihr Portemonnaie und holte einen 50-Euro-Schein heraus. Diesen übergab der Angeklagte der einstigen Freundin. Sodann stellte der Richter das Verfahren endgültig ein.

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