Das 3M-Werk in Kamen befindet sich weiterhin auf Wachstumskurs. Mit dem neuen Leiter Jens Milde wird die Produktion der neuen Anlagen, die 120 Millionen Euro kosteten, jetzt hochgefahren.

Kamen

, 22.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Wachstum von 3M spielt sich auf 6.000 Quadratmetern in der neu gebauten Halle 4 ab. Das Mega-Invest von 120 Millionen Euro bringt jetzt Ertrag: Die Filmherstellungsanlage „25J“ und die Klebstoffbeschichtungsanlage „M8“ haben ihren mehrmonatigen Testlauf erfolgreich abgeschlossen und den Betrieb aufgenommen.

Auf den zwölf Meter breiten und ca. 60 Meter langen Anlagen werden nun unter Volldampf Rohmaterialien verarbeitet, die bisher aus dem US-amerikanischen 3M-Werk in Brookings, South Dakota, angeliefert wurden. Volldampf ist dabei sprichwörtlich zu verstehen - dort, wo Dampf entsteht, wird er sofort in die riesigen Lüftungsschächte gesaugt.

Alles ist klinisch rein - denn die Produkte sind für die Medizin vorgesehen. Für täglich Millionen von Pflastern und Wärmedecken, die das Werk verlassen.

3M unter neuem Kommando: Neuer Werksleiter fährt nach Millionen-Invest die Produktion hoch

Das Spezialpflaster Tegaderm wird vor allem in Krankenhäusern eingesetzt. Durch den atmungsaktiven Film lässt sich die Wunde besser beobachten als durch undurchsichtige Pflaster. Das Spezialpflaster wird seit einigen Jahren in Kamen produziert. © Stefan Milk

140 Mitarbeiter mehr, den Umsatz seit 2012 verdoppelt

Jens Milde, 56 Jahre alt, ist seit 1. August neuer Werksleiter an der Edisonstraße. Der Dormagener hat den bisherigen Chef Bruno Wiesmann abgelöst, der in den Ruhestand gegangen ist.

Milde, zuvor Werksleiter in Österreich und Frankreich, blickt hochzufrieden auf die Entwicklung des Kamener Werks, das in den vergangenen acht Jahren die Belegschaft um über 140 Mitarbeiter gesteigert hat.

Seitdem hat sich der Umsatz in Kamen, über dessen Höhe der Konzern keine Auskunft gibt, verdoppelt. Seit 2002 ist die Produktionsleistung um das Zehnfache gestiegen, wobei sich auch die Produktpalette stark verändert hat.

Wo früher Innenraumfilter für die Autoindustrie gefertigt wurden, werden jetzt medizinische Produkte für Krankenhäuser und medizinische Dienstleister hergestellt. Wie das Hochleistungs-Pflaster „Tegaderm“ oder das hautverträgliche Pflaster „Micropore S Surgical Tape“.

3M unter neuem Kommando: Neuer Werksleiter fährt nach Millionen-Invest die Produktion hoch

Millionen von Klebebandrollen werden in dem Kamener Werk von 3M beschäftigt, in dem zurzeit 440 Mitarbeiter tätig sind. © 3M

Millionenschwere Mega-Maschinen schieben Produktion an

Die neue Halle, die im Winkel der A1-Brücke und der Unnaer Straße liegt, ist mit der 6.000 Quadratmeter großen Produktionsfläche über 100 Meter lang und 45 Meter breit.

Darin stehen die beiden neuen Anlagen, die jetzt für den zusätzlichen Produktionsschub sorgen. Die Filmherstellungsanlage „25J“ und die Klebstoffbeschichtungsanlage „M8“ sind millionenschwere Mega-Maschinen, mit denen das Kamener Werk den 3M-Standort Europa unabhängiger vom Mutterkonzern machen will. Milde: „Wir können schneller auf Bedarfsschwankungen reagieren und individueller auf Kundenwünsche eingehen.“

Mehrere Tausend Tonnen an Lösemitteln können jährlich zusätzlich für die Produktion verarbeitet werden. Die Endprodukte landen nicht unbedingt immer in Deutschland, wo es starke Mitbewerber durch deutsche Konzerne gibt. So geht die Ware aus dem Zentrallager im rheinischen Jüchen auch nach Frankreich, Australien, China oder Japan.

Immerhin: Der 3M-Marktanteil an Medizinprodukten für Krankenhäuser liegt in Deutschland bei etwa 50 Prozent, in Frankreich bei etwa 80 Prozent.

3M unter neuem Kommando: Neuer Werksleiter fährt nach Millionen-Invest die Produktion hoch

Die neue Fertigungsanlage in der über einhundert Meter langen Halle, die auf dem 3M-Werksgelände neu gebaut worden ist. © 3M

Kamener Werk erhält neue Position in der 3M-Hierarchie

Milde hat immer davon geträumt, einmal das Werk in Kamen leiten zu können, wie er im Gespräch mit der Redaktion sagt. Der Dormagener, der jetzt innerhalb der Woche in einem Appartement in Bergkamen lebt, schätzt das Potenzial des Kamener Werks, das mit den neuen Fertigungsanlagen eine neue Position in der 3M-Hierarchie erhält.

Kamen wird mit seinen Produkten künftig einen erheblichen Teil des Weltmarkts an Medizinprodukten bedienen. Was bisher aus den USA gesteuert wurde, das wird nun in Kamen geleistet. „Die US-Werke konzentrieren sich in unserer neuen Strategie auf den Heimatmarkt, wir beliefern Europa und Asien“, so Milde, der zuvor das Werk im österreichischen Villach geleitet hat.

Dort stellt 3M Schleifmittel her - eines der Traditionsprodukte, die auch in Kamen noch hergestellt werden. Villach, so sagt Milde, sei zwar auch industriell geprägt. Er hätte trotzdem das Gefühl gehabt, dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen. Seit 28 Jahren ist der Maschinenbau-Ingenieur bei 3M beschäftigt.

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Die Wundpflaster Tegaderm und Micropore S

Etwa eine Million der speziellen Wundpflaster mit dem Namen „Tegaderm“ verlassen als eines von mehreren medizinischen Produkten zurzeit täglich das Werk.

Die Filme werden von 1,50 Meter breiten Rollen abgespult, bevor sie unter Reinraumbedingungen weiterverarbeitet und als Endprodukt gleich im Karton mit Beipackzettel verpackt werden.

Besonderheit des Pflasters: Es hat eine durchsichtige, atmungsaktive Membran. „Sie atmet wie Goretex“, erläutert Jörn Stute, Leiter der Medizinproduktfertigung, und zieht ein Pflaster ab. „Es ist dampfdurchlässig, wasserdicht - Bakterien und Keime können nicht an die Wunde kommen.“

Neu ist die Entwicklung des Pflasters Tegaderm I.V (intravenös), das über Einstichstellen mit Kanüle gelegt werden kann. „Man kann die Stelle durch den durchsichtigen Film jederzeit beobachten und muss es sieben Tage nicht wechseln.“

Pflaster-Hightech made in Kamen - Produkte für Kranke aus einem kerngesunden Werk.

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