32 Tonnen so leicht wie ein Zuckerwürfel: Ein Bauwerk schwebt vom Himmel - jetzt mit Video

dzFür Kanalisation am Nordring

Federleicht wie ein Zuckerwürfel hebt sich das Schachtbauwerk in die Luft, obwohl es tonnenschwer ist. Der Koloss hängt am Haken eines Riesenkrans. Auf der Nordring-Baustelle geht´s voran.

Kamen

, 26.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Frank Kulage hat es rechtzeitig geschafft. Der Kraftfahrer der Firma „Landwehr Transporte“ aus Unna-Lünern hat den Schwertransport bis 6 Uhr morgens zum Nordring gelotst. Ein halbe Stunde zuvor war er mit dem 54 Tonner, der ein großes Schachtbauwerk für die Kanalisation trägt, am Dortmunder Betonwerk Caspar Hessel losgefahren. Eine Fahrt nur auf für Schwertransporte zugelassenen Routen, wie er betont. Denn der Transport ist 17,5 Meter lang und etwa drei Meter breit.

32 Tonnen so leicht wie ein Zuckerwürfel: Ein Bauwerk schwebt vom Himmel - jetzt mit Video

Das Schachtbauwerk wird mit aller Kraft in Position geschoben, damit es Anschluss an den Kanal erhält. Noch hängt es einige Zentimeter über dem geschotterten Boden. © Stefan Milk

32 Tonnen schweres Schachtbauwerk

32 Tonnen schwer ist der riesige Würfel, der noch auf seiner Ladefläche steht, daneben liegt ein zwei Tonnen schwerer Deckel aus Beton. Die beiden Bauteile sollen gleich in die vier Meter tiefe Baugrube eingelassen werden, damit die Kanalisation an der Stelle für mindestens weitere 80 Jahre gut in Schuss und Fluss bleibt - buchstäblich. Doch zuvor muss noch der Autokran der Franz Bracht KG aus Unna ausgefahren werden, der den klobigen Quader gleich an den Haken nehmen wird. Gerade werden die Gewichte auf die Kranstützen gelegt, damit er auch unter größter Belastung standsicher bleibt.

32 Tonnen so leicht wie ein Zuckerwürfel: Ein Bauwerk schwebt vom Himmel - jetzt mit Video

Frank Kulage hat es rechtzeitig geschafft. Der Kraftfahrer der Firma „Landwehr Transporte“ aus Unna-Lünern hat den Schwertransport bis 6 Uhr morgens zum Nordring gelotst. © Stefan Milk

Mit Backstein gemauerte Wände, rund geformt

Uwe Pamp ist Geschäftsführer der Bauunternehmung „Märkische Tiefbau“ aus Lünen, die den Zuschlag für die Nordring-Arbeiten erhalten hat. Er ist auf die Ladefläche gesprungen und kniet vor einem Einlass des Betonquaders. Als er Bilder mit seinem Smartphone vom Inneren des Bauwerks macht, sagt er: „Handwerklich sehr hochwertig! Es sieht fast aus wie die rustikale Architektur der Fassade eines modernen Gebäudes. Das hat man heute oft wieder so.“ In der Tat. Wer in das Kanalbauwerk blickt, hat fast den Eindruck, er blicke in eine kleine Wohnung. Mit Backstein gemauerte Wände, rund geformt, als handele es sich um eine gemütliche Kaminecke. Gemütlich machen wird es sich hier aber künftig freilich keiner.

32 Tonnen so leicht wie ein Zuckerwürfel: Ein Bauwerk schwebt vom Himmel - jetzt mit Video

Kunstvoll gemauert ist das Schachtbauwerk, das aussieht wie ein kleines Apartment. Nur einziehen will hier freilich niemand. © Stefan Milk

Aus gutem Grund ein festes Mauerwerk

Dass an dieser Stelle ein hochwertig angefertigtes Bauwerk platziert wird, hat seinen Grund. „Das Mauerwerk ist notwendig, weil es im Gegensatz zu Beton säure- und laugenresistent ist. Während Beton angefressen wird, passiert bei den Steinen gar nichts“, führt der Tiefbau-Chef aus. Er macht sein letztes Bild, bevor der Koloss an den Haken genommen wird. Der Nordring muss kurz gesperrt werden, damit Frank Kulage beim Schwertransporter den Rückwärtsgang einlegen kann, um an die Baugrube heranzurollen. Dann heben sich die 32 Tonnen, als wären sie ein Zuckerwürfel. Der Koloss schwebt für kurze Zeit über dem Nordring, bevor er über der Baugrube vorsichtig heruntergelassen wird. Bauarbeiter, die in die Grube klettern, müssen alle Kraft aufbringen, um ihn auszurichten. Dabei sind sie maximal vorsichtig, damit sie nicht an der Spundwand zerquetscht werden. Der Würfel dreht sich noch schwerfällig an den Tragseilen, bevor er dann ganz hinabgelassen wird.

Video
Das Schachtbauwerk am Nordring

Bestellung fürs Betonbauwerk schon Monate zuvor

Für Projektleiter Altay Süleymann ist die Arbeit am frühen Morgen zwar Großbaustellen-Alltag. „Aber es ist jeden Morgen wieder spannend. Kommt alles rechtzeitig an? Passt alles? Immer ein mulmiges Gefühl, das sich jetzt erst auflöst“, sagt er. Baustellen betreut er in der ganzen Region, in Dortmund, Essen, Selm und auch Bergkamen. Der neue Schacht verbindet die Stormstraße und Nordring mit Ab- und Zuläufen im Durchmesser von 80 bis 100 Zentimetern. Auf etwa 150 Metern wird der Kanal in der Stormstraße erneuert, etwa 550 Meter sind es auf dem Nordring. In offener Bauweise. Süleymann sorgt dafür, dass auch vor der eigentlichen Arbeit alles wie am Schnürchen läuft. „Eine Woche vorher muss man noch einmal alle Arbeitsschritte durchgehen. Schon etwa drei Monate zuvor muss die Bestellung aufgegeben sein.“ Und die tonnenschwere Bestellung am Freitagmorgen ist rechtzeitig angekommen. Frank Kulage vom „Paketdienst“ kann jetzt die nächste Fuhre fahren.

Lesen Sie jetzt
Meistgelesen