14-zügig, 2500 Schüler und Schlagzeilen, die vom „Kiss-In“ bis zur „Porno-Schule“ reichten. Die Gesamtschule feiert im September 50. Geburtstag. Die Schule war eine der ersten ihrer Art.

Kamen

, 07.08.2019, 16:57 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Jahr 1969 begann in Kamen eine neue bildungspolitische Ära. Mit der Einführung der Gesamtschule erweiterte die Stadt nicht nur das schulische Angebot, sondern gründete auch eine der ersten Gesamtschulen des Landes. Erster Schulleiter war Gerhard Müller. Jetzt heißt der Schulleiter Frank Stewen. Und der lädt für Samstag, 21. September, zur 50-Jahr-Feier der Bildungseinrichtung. Eine Jubiläumsgala, die um 18 Uhr beginnt, soll das Ereignis unterhaltsam in Szene setzen.

Schon vor zehn Jahren, als die Schule 40 wurde, wurde an kuriose Dinge erinnert: An Kamens erste Schülerdemo und ein „Kiss-In“, das die Gesamtschule dann gleich in die „Bild“-Zeitung brachte. Die berichtete später auch über die Kamener „Porno-Schule“ – als die Moralvorstellungen noch anders waren wegen damals ungewöhnlicher Praktiken im Sexualkunde-Unterricht. Und der nordrhein-westfälische Landtag sah sich 1977 genötigt, über „kommunistische Umtriebe“ an der Gesamtschule zu debattieren, die sich später aber als wenig substanziell erwiesen.

Kamen rutschte als letzte Schule ins neuartige Programm

Die Kamener Gesamtschule war eine von lediglich sechs Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen, die im Jahr 1969 gegründet wurden. Eigentlich sollte es nur fünf geben, die Kamener rutschte als letzte in das neuartige Schulausbauprogramm. Mit Erfolg: Die Schule erhielt in den Folgejahren so viel Zuspruch, dass sie vier Jahre später, im Jahr 1973, in zwei Gesamtschulen, beide an der Gutenbergstraße, aufgeteilt wurde.

Gerhard Müller führte fortan die Carlo-Schmid-Schule, direkt neben der neuen Gesamtschule, der Hermann-Ehlers-Schule. Beide Gesamtschulen verschmolzen erst wieder im Jahr 2000 - sozusagen zu einer „Gesamt-Gesamtschule“.

Eine 14-zügige Schule mit 2500 Schülern

Doch von Anfang an: „Im Jahr 1968 - zur Zeit der Bildungsreform - stand auch Kamen vor der Frage, wie das Schulwesen zu verbessern sei, zumal die Stadt durch die kommunale Neuordnung 1968 erheblich angewachsen war“, heißt es auf der Webseite der Gesamtschule Kamen unter dem Stichwort „Geschichtliches“. Die neue Schule habe 1969 „bei überwältigender Zustimmung durch die Bevölkerung“ den Betrieb aufgenommen. Zügig wurde der Bau eines neuen Schulgebäudes in Angriff genommen. Es sollte Raum geben für eine etwa 14-zügige Schule samt Oberstufe, also für mehr als 2500 Schüler.

So entstand bis 1975 eine der größten weiterführenden Schulen in Deutschland, in einem weitgestreckten und gegliederten Gebäude samt zwei Sporthallen und Hallenbad, außerhalb der Innenstadt auf einem 140.000 Quadratmeter großen Gelände.

25 bis 30 neue Lehrer - jährlich!

Der Ausbau der Schule führte zu der Notwendigkeit, Jahr für Jahr 25 bis 30 neue Lehrkräfte einzustellen. Das junge Kollegium zeichnete sich durch viel Engagement aus. Wegen der Größe der Schule entschloss sich die Stadt 1973, die Schule zu teilen.

Die beiden Gesamtschulen wurden auf die Namen der vormaligen Bundestagspräsidenten Carlo Schmid und Hermann Ehlers getauft. 1978 konnten sich die Vertreter des ersten Abiturjahrgangs in das Goldene Buch der Stadt Kamen eintragen; die Zahl der Abiturienten in Kamen hatte sich dank der Gesamtschule schlagartig verdoppelt.

Seit 1998 der Titel „Schule ohne Rassismus“

„Beide Gesamtschulen begannen, ihr Schulprofil zu entwickeln“, heißt es auf der Schul-Webseite. Sie machten sich vor allem im Bereich der Schulkultur einen Namen, etwa durch Theateraufführungen und Chorkonzerte. Es gab auch ökologische Initiativen, sichtbar an Schulteich, Schulgarten und Tierhaltung. 1999 wurde die Auszeichnung als Umweltschule in Europa verliehen.

Immer wieder beteiligten sich die Schulen auch an gesellschaftspolitischen Projekten, engagierten sich für Frieden und Toleranz, gegen Krieg und Rassismus. 1998 gab es daher den Titel „Schule ohne Rassismus“. Partnerschaftsprojekte in Zusammenarbeit mit der Albert-Schweitzer-Gesamtschule in Beeskow (Brandenburg) und dem Liceum in Sulecin (Polen) wurden mehrfach vom Bundespräsidenten ausgezeichnet.

Lernort für ein Drittel der Kamener Schüler

30 Jahre lang war die Gesamtschule neben dem Gymnasium die einzige weiterführende Schule am Ort. Ende der 90er Jahre begann die Zahl der zu benachbarten Realschulen auspendelnden Schüler zu steigen. Der Rat beschloss, eine Realschule und Hauptschule zu gründen. Auch wenn die Gesamtschule dadurch schrumpfte: Sie ist immer noch Lernort für mehr als ein Drittel der Kamener Schülerinnen und Schüler.

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Die 50-Jahr-Feier beginnt am Samstag, 21. September, um 18 Uhr in der Sporthalle I der Schule. Der offizielle Empfang beginnt bereits um 17.30 Uhr. Im Anschluss an die Jubiläumsgala startet in der Pausenhalle eine große Jubiläumsparty, die gegen 20.30 Uhr beginnt. Für diese können Eintrittskarten über das Sekretariat unter Tel. (02307) 974310 oder verwaltung@gesamtschule-kamen.de erworben werden. Der Eintritt für die Jubiläumsgala ist frei.
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