Christian Droste (l.) und Helmut Voß planen die Wiederauferstehung eines traditionsreichen Männerchors. © Marcel Drawe
Musikszene und Kultur

100 Jahre alter Chor ohne Sänger plant Comeback

Einem 100 Jahre alten Chor ohne Sänger und Dirigenten wollen zwei Kamener zu einem Comeback verhelfen. Ein Anfang ist gemacht – mit einer schicken neuen Internetseite. Ein wichtiges Requisit gibt es auch.

Der letzte Auftritt dürfte über 25 Jahre her sein, und seitdem hat man nichts mehr vom Männergesangverein in Westick gehört. Man könnte auch sagen, dass der MGV dem Chorsterben zum Opfer gefallen ist, wie so viele Chöre schon, doch das lassen Helmut Voss und Christian Droste nicht gelten.

Es gibt keine Chorproben, keinen Dirigenten und keine Sänger, aber dennoch wagt es niemand, den MGV Westick 1921 zu Grabe zu tragen. Schon gar nicht 100 Jahre nach der Gründung der einstigen dörflichen Institution. Im Vereinsregister existiert der Männergesangverein noch ruhend weiter – und nun haben Helmut Voß und Christian Droste dem Chor zum 100. Jubiläum die Internetseite mgv1921westick.de geschenkt.

„Leider sind wir aktuell nicht mehr mit dem aktiven Gesang beschäftigt, da die Pflege des deutschen Liedguts immer weniger Freunde findet“, räumt Voss ein. „Dennoch halten wir an der Tradition unseres Dorfes fest und führen den Verein, wie bisher fort.“ Ein kleiner Kreis von noch vier Mitgliedern (davon eines in einem Seniorenstift in Schwaben) halten die Fahne hoch. „So verlangt es die Satzung, die im Januar 1921 erstellt wurde.“

Im Brauhaus zur kupfernen Nase

25 Sänger, der größte Teil war noch keine 20 Jahre alt, trafen sich einst zum Proben im Alten Gasthaus „Schulze-Beckinghausen“. Überliefert ist die erste Generalprobe am 18. Februar 1921, als für ein Ständchen bei einer Hochzeit zwei Lieder im Repertoire standen: „Im Brauhaus zur kupfernen Nase“ und „Mein Mütterl, das war gut“.

Voß und Droste betrachten sich nicht bloß als Nachlass-Verwalter der blauen Chorfahne. „Wenn wir noch ein paar Sänger finden, können wir den Chor wieder aufleben lassen“, sagt Voß. Denn tot ist der MGV noch lange nicht, er schläft nur einen Dornröschenschlaf. Und Droste bekräftigt: „Wir wollen noch mal in die Akquise gehen.“

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer

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