Kreativ gegen den Leerstand: Was nach dem Einzelhandel kommt

dzIm Einkaufszentrum „Kamen Quadrat“

Der Einzelhandel leidet, und das nicht erst seit gestern. Die neue Wanderausstellung „Gute Geschäfte“ im Kamen Quadrat thematisiert das Problem und wird selbst zur Alternative zum Leerstand.

von Niklas Mallitzky

Kamen

, 07.07.2019 / Lesedauer: 3 min

„Gute Geschäfte. Was kommt nach dem Einzelhandel?“ In großen Lettern prangt diese Frage bei der Ausstellungseröffnung auf der langen Wand aus kunstvoll arrangierten Pappwürfeln. Mitten im Einkaufszentrum „Kamen Quadrat“ präsentiert der gemeinnützige Verein „StadtBauKultur NRW“ die Ausstellung, die sich mit dem in vielen Städten immer weiter voran schreitenden Leerstand von Ladenlokalen auseinander setzt. Und der Ort ist passend gewählt: Im leerstehenden Ladenlokal des Textilwarenhandels Chisu.

„Amazon ist keine Stadt: Die Kunden verschwinden“

Wie wichtig der Einzelhandel sei, würden viele Menschen erst dann bemerken, wenn er immer mehr verschwindet, erklärt Projektmanager Florian Heinkel, zuständig für die Wanderausstellung. Oft ginge es dabei gar nicht so sehr um die fehlenden Einkaufsmöglichkeiten, so Heinkel. „An Orten, wo der Einzelhandel wegbricht, verschwinden auch die Kunden. Wo einst viele Menschen zusammen kamen und dekorierte Schaufenster optisch etwas hermachten, ist es plötzlich verlassen und trist.“ Warum der Einzelhandel leidet, dafür gibt es in der Ausstellung eine klare Antwort. So ist der Online-Handel stark gewachsen und wird dies wohl auch weiter tun. Doch eine der großen Überschriften formuliert es treffend: „Amazon ist keine Stadt.“ Je stärker das Geschäft online boomt, desto weniger stationäre Läden können sich halten und noch mehr Paketdienste sind auf den Straßen unterwegs. Während große Einzelhändler längst reagiert haben und eigene Online-Dienste anbieten, ist das bei kleineren Geschäften nicht immer möglich. Bürgermeisterin Elke Kappen plädiert am Samstag deshalb auch dafür, die Dinge, die es noch vor Ort gibt, auch dort zu kaufen.

Die Lage ist nicht aussichtslos: Handel(n) von Ort entscheidet
Öffnungszeiten der Ausstellung

Den Leerstand im Blick

Die Ausstellung zieht bereits am 1. August weiter und wird auch in dem ehemaligen Edeka-Markt an der Adenauerstraße Halt machen. Bis dahin steht sie Besuchern dienstags und freitags im Einkaufszentrum „Kamen Quadrat“ an der Kampstraße von 10 bis 17 Uhr offen.

Doch ganz so aussichtslos, wie die Lage scheint, muss sie nicht sein, findet Heinkel. Denn die Wanderausstellung bietet auch Alternativen an. „Diese sind immer sehr individuell“, erklärt der Projektmanager. „Was man tun kann, hängt von den Faktoren vor Ort ab.“ Eine Lösung, glaubt er, könne nur gefunden werden, wenn Politik, Verwaltung und Bürger an einem Strick ziehen und gemeinsam Ideen entwickeln. Sogar die Ausstellung ist eine dieser Alternativen, findet sie doch in einem Ladenlokal statt, das schon kurze Zet nach der Neueröffnung des Quadrates leer steht. „Solche Ideen begrüßen wir;“ so Xenia Walter von der Greenman-Investment-Gruppe, die auch das Kamen Quadrat besitzt. „Natürlich müssen wir auch auf Wirtschaftlichkeit achten. Am liebsten wäre uns da natürlich eine langfristige Lösung.“

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