Die Verkehrssituation am Schulzentrum Kamen gilt als chaotisch, wenn sich morgens Radler, Fußgänger, Busse und Autos in die Quere kommen. Doch wie schlimm ist das Elterntaxi-Chaos wirklich?

Kamen

, 18.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Ein Scheinwerferpaar nach dem anderen biegt im Dunkeln um die Kurve am Schulzentrum Kamen. Was aussieht, wie der dichte Verkehrsfluss vor einem Innenstadt-Parkhaus an einem Adventssamstag, ist der allmorgendliche Schülerbringverkehr auf der Gutenbergstraße.

„Hier drubbelt es sich morgens mit Eltern, Lehrern, Fahrradfahrern und Bussen“, sagt Polizeihauptkommissarin Sonja Wundrock. Sie steht an der Einmündung des Schulparkplatzes, wo sich zwei Zebrastreifen treffen. Schüler kommen hier zu Fuß oder mit dem Fahrrad aus Richtung der Kamener Innenstadt an.

Auf der anderen Straßenseite, rund 30 Meter entfernt, fährt ein Opel Corsa rechts ran. Gleich wird vermutlich ein Schüler von seinem Vater oder seiner Mutter aus dem Auto gelassen. PHK Wundrock schaut hin in die Richtung und sagt. „Da gehe ich jetzt mal hin.“ Die Polizistin hat den ersten Verkehrssünder entdeckt.

Nein, es ist eine Verkehrssünderin. Die Fahrerin hat angeblich nicht gesehen, dass sie gar nicht an dieser Stelle stehen oder fahren darf, und wird von der Polizistin freundlich ermahnt. Denn auf der Gutenbergstraße gilt ab Schulparkplatz von 6 bis 16 Uhr ein Durchfahrtverbot, um Autos von den dortigen Bushaltestellen fernzuhalten. „Die Schulbusse sind voll, und wenn die Schüler aussteigen, spritzen sie in alle Richtungen“, sagt Wundrock. Wenn die Polizei nicht kontrolliert, halten morgens zahlreiche Autos auf den Busspuren, wie Mitarbeiter des Ordnungsamts bestätigen.

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Polizeikontrolle vor dem Schulzentrum Kamen

Die Polizei hat am Dienstagmorgen (18. Dezember 2018) den Verkehr vor dem Schulzentrum Kamen kontrolliert. Im Visier hatten die Autofahrer Radler ohne Licht und rücksichtslose Elterntaxis.
18.12.2018
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„Hier drubbelt es sich morgens mit Eltern, Lehrern, Fahrradfahrern und Bussen“, sagt Polizeihauptkommissarin Sonja Wundrock (mit Hauptkommissar Michael Jahn).© Stefan Milk
Was aussieht, wie der dichte Verkehrsfluss vor einem Innenstadt-Parkhaus an einem Adventssamstag, ist der allmorgendliche Schülerbringverkehr auf der Gutenbergstraße.© Stefan Milk
Andreas Otto bringt die elfjährige Hauptschülerin Christina zum Schwimmunterricht im Hallenbad neben dem Schulzentrum. „Bei dieser Jahreszeit ist die Warnweste gut“, sagt er. © Stefan Milk
Michael Jahn kontrolliert ein Fahrrad auf Verkehrssicherheit. "Alles prima", sagt der Polizist.© Stefan Milk
Ein Hintergrund der Verkehrskontrolle: Eltern, die ihre Kinder per Auto bringen, blockieren immer wieder die Bushaltestellen. Die Polizei kontrolliert die Einhaltung eines Durchfahrtverbots.© Stefan Milk

Sicherheit von 1800 Leuten

Während ein Schulbus nach dem anderen vorfährt, kommt ein Mann mit Lehrertasche vom Schulparkplatz her. Es ist Frank Stewen, Schulleiter der Gesamtschule, und er kann bestätigen, dass es hier morgens oft chaotisch zugeht. Vor einigen Wochen habe es schon einmal eine Kontrolle gegeben. Er finde es gut, dass die Polizei jetzt noch einmal da sei. „Wissen ist gut. Kontrolle ist besser“, sagt er. „Das meine ich todernst.“ Immerhin gehe es um die Sicherheit von 1800 Leuten. Das ist die ungefähre Schüler- und Lehrerzahl der Gesamtschule und Fridtjof-Nansen-Realschule, die sich den Schulkomplex teilen.

Hauptkommissar Michael Jahn war auch schon bei der letzten Kontrolle dabei. „Hey, absteigen!“ ruft er einem jungen Radler entgegen, der gerade über den Zebrastreifen fährt. Der vielleicht elfjährige Junge stoppt und bekommt vom Polizisten die Verkehrsregel erklärt. Etliche Radler werden an diesem Morgen von den Polizisten angesprochen. Manchen Schülern ruft Jahn ein „Alles prima!“ hinterher, wenn nichts zu beanstanden ist.

20 Euro Verwarnungsgeld

Zwei Neuntklässler sind scheinbar vorschriftsmäßig unterwegs, sie schieben ihre Fahrräder über den Zebrastreifen. Hauptkommissar Jahn weist einen der Schüler darauf hin, dass sein Fahrradlicht zwar hell leuchtet, aber nicht zugelassen sei. Ein anderer junger Radler wird wegen seines unbeleuchteten Rads gestoppt. Der 16-Jährige ist schon strafmündig und muss 20 Euro Verwarnungsgeld wegen des Regelverstoßes bezahlen. Hauptkommissar Jahn zückt ein mobiles Kartenlesegerät und druckt eine Quittung aus. Der Schüler nimmt sie entgegen, während seine umstehenden Schulkameraden breit grinsen. Bei Fahrrädern ohne Licht ist mit den Beamten nicht zu spaßen.

Weniger Radler ohne Licht

Die Strafzettel von der Polizei sind an diesem Morgen die Ausnahme, meist belassen es die Beamten bei einer Ermahnung. Fallen Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren wegen nicht verkehrssicherer Fahrräder auf, ist ein Verwarnungsgeld gesetzlich ausgeschlossen, sodass die Polizei den Ertappten einen Elternbrief mitgibt. Hauptkommissarin Wundrock hat schon erlebt, dass dann Tränen fließen. Der Polizei will durch ihre Kontrollen erreichen, dass die Eltern auf die Verkehrssicherheit der Fahrräder achten. Hauptkommissar Jahn vom Verkehrsdienst der Kreispolizeibehörde Unna hat den Eindruck, dass heute schon weniger Fahrräder ohne Licht unterwegs gewesen sind als bei der Kontrolle vor einigen Wochen. Er wertet die Kontrolle deshalb – vorbehaltlich einer noch folgenden Abschlussbilanz – als Erfolg.

Viele Fußgänger sind an diesem Morgen dunkel gekleidet unterwegs, deshalb sticht ein Mann mit oranger Warnweste heraus. Andreas Otto bringt die elfjährige Hauptschülerin Christina zum Schwimmunterricht im Hallenbad neben dem Schulzentrum. „Bei dieser Jahreszeit ist die Warnweste gut“, sagt er. Der Kamener ist einer der wenigen Erwachsenen, die Kinder an diesem Morgen nicht mit dem Auto zur Schule bringen, sondern zu Fuß.

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