Nach dem Gottesdienst ist vor dem Gottesdienst: Auch abseits der Verpflichtungen in der Gemeinde haben die Kirchenvertreter in Holzwickede alle Hände voll zu tun.

Holzwickede

, 22.12.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für die Pfarrer in Holzwickede steht eine arbeitsreiche Woche an. Während die Kirchgänger unter den Katholiken und Protestanten nach den Gottesdiensten in der Regel nach Hause oder zur Familie gehen, steht für die Geistlichen in vielen Fällen noch Arbeit an. Fürs Abschalten bleibt an Weihnachten nicht viel Zeit.

Für die meisten von ihnen geht das Weihnachtsfest in privater Hinsicht daher erst am ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag richtig los. Sie alle sind sich einig: Neben der Arbeit in der Kirche ist es wichtig, sich zwischendurch auch mal Ruhe zu gönnen. Das, so raten sie, sollte im Übrigen jeder machen, der über die Feiertage sein „System“ mal etwas runterfahren möchte.

„Weihnachten soll eine Zeit der Entlastung sein“

„Die Weihnachtszeit soll eine Zeit der Entlastung sein“, sagt die evangelische Pfarrerin Claudia Brühl-Vonhoff. Viele Menschen setzten sich aber stattdessen einer zusätzlichen Belastung aus.

Das reicht vom Stress durch Geschenkebesorgungen bis hin zu aufwendig zubereiteten Weihnachtsmenüs. Viele Menschen neigen dabei zu Perfektionismus. Das ist für die Geistlichen in Holzwickede nicht unbedingt ein Muss, doch auch sie wissen: Wenn es um Weihnachten geht, läuft das bei jeder Familie anders.

Pfarrer Middelanis genießt vor allem weihnachtliche Ruhe

Der katholische Pfarrer Bernhard Middelanis ist wie seine Kollegen über die Feiertage voll im Einsatz. Für ihn bedeutet Weihnachten vor allem die Gemeinschaft mit der Gemeinde. „Wenn die Gottesdienste gut verlaufen“, ist Middelanis schon zufrieden.

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Privat wird das Fest für ihn erst am zweiten Weihnachtsfeiertag beginnen. Er fährt nach Rheda-Wiedenbrück, wo er gemeinsam mit seinen Geschwistern und dessen Nachwuchs feiert: Eine typische Feier einer Großfamilie“, sagt er. Eine Änderung wird es im Hause Middelanis aber geben, die vor allem die Kinder seiner Geschwister betrifft.

Dieses Jahr keine Geschenke, dafür großer Wichtelspaß

„Die waren in den letzten Jahren völlig überfordert mit der Fülle an Geschenken. Daher werden wir diesmal wichteln.“ Abseits von der Arbeit in der Kirche und der Familienfeier genießt er vor allem die Ruhe.

Brühl-Vonnhoff: „Nicht viel Raum für private Feiern“

Ähnlich geht es auch bei Claudia Brühl-Vonhoff zu. Die evangelische Pfarrerin leitet an den Feiertagen drei Gottesdienste und hat damit reichlich in der Kirche zu tun. „Da bleibt nicht viel Raum für private Feiern“, erzählt sie. Sie nutzt die Zeit dazu, „ein Verhältnis zu dem zu bekommen, wofür das Weihnachtsfest steht.“

„Die eigentliche Feier findet bei den meisten Menschen inzwischen eher an Heiligabend statt. Wir sind da gesellschaftlich etwas rückläufig und feiern am ersten Feiertag“, sagt Brühl-Vonhoff. An diesem Tag haben sie und ihr Mann die Familie zu Besuch. Sie freuen sich auf einen besinnlichen Abend.

Pfarrer Reis: „Haben den Rotkohl schon eingefroren“

Der evangelische Pfarrer Philipp Reis nutzt die Zeit nach den Gottesdiensten vor allem, um etwas runter zu kommen: „Ich bin an Heiligabend gegen 18.30 Uhr mit allem durch und fahre dann nach Hause zu meiner Frau“, sagt Reis. Dann begeben sie sich gemeinsam in die Küche und bereiten sich ein traditionelles Weihnachtsessen zu.

„Zwischen Küche und Kirche“: So feiern die Pfarrer in Holzwickede Weihnachten

Kommt auch bei den Pfarrern in Holzwickede nicht mehr allzu häufig auf den Tisch: Ein saftiger Gänsebraten. © picture alliance / dpa

Reis überlässt dabei aber nichts dem Zufall: „Der Rotkohl ist schon eingefroren“, sagt er. Am zweiten Feiertag geht´s auch für ihn nach Rheda-Wiedenbrück: Dort lebt nämlich auch ein Teil seiner Familie. Dort steht, ebenso wie bei der Familie von Middelanis, Wichteln auf dem Programm.

Bei Anja Josefowitz, die seit kurzem eine halbe Pfarrerstelle in der Evangelischen Gemeinde in Holzwickede übernommen hat, kommen an Heiligabend Bockwürstchen und Kartoffelsalat auf den Tisch. Sie besucht erst gemeinsam mit Mann und Kind die Kirche, ehe sie im kleinen Kreis zuhause feiern.

Am ersten Weihnachtsfeiertag reisen sie dann nach Gelsenkirchen, wo sie zusammen mit der Verwandtschaft in größerer Runde gemütlich beisammen sitzen. Dort freut sich Josefowitz besonders auf´s Essen: Auf sie wartet dann ein Weihnachtsbraten mit selbst gemachten Klößen.

Klassisches Weihnachtsfest einer Patchwork-Familie

Und auch für Silke Klute, Gemeindereferentin der katholischen Liebfrauen-Gemeinde, steht ein straffes Programm auf dem weihnachtlichen Fahrplan. Sie leitet nämlich nicht nur einige Gottesdienste in der Emscherquellgemeinde, sondern hat auch in den eigenen vier Wänden wieder alle Hände voll zu tun: „Ein klassisches Weihnachtsfest einer Patchwork-Familie“, erklärt sie.

An Heiligabend empfangen sie und ihr Lebensgefährte ihre Eltern. Die Kinder besuchen in diesem Jahr zuerst ihren Vater. Am Folgetag empfängt sie dann ihre Kinder und die übrige Verwandtschaft.

Zu Essen gibt es „traditionelle deutsche Küche“. Auch sie freut sich auf die besinnliche Zeit, auch wenn es manchmal etwas hektisch werden kann: „Ich verbringe Weihnachten quasi zwischen Küche und Kirche“, sagt sie.

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