Mehr als zwei Drittel aller Knöllchen verteilen sich auf nur elf Straßen am Flughafen

Statistik der Gemeinde

Flughafenparker bleiben ein Ärgernis im Norden der Gemeinde. Nun hat die Gemeinde erstmals Zahlen zu Falschparkern und auch zu drastischen Maßnahmen veröffentlicht. Die werden aber nur dosiert eingesetzt.

Holzwickede

, 11.07.2019, 17:14 Uhr / Lesedauer: 3 min
Mehr als zwei Drittel aller Knöllchen verteilen sich auf nur elf Straßen am Flughafen

Steigende Passagierzahlen und mehr Unternehmen im Eco Port: Was aus wirtschaftlicher Sicht positiv zu werten ist, bringt auch Probleme mit sich: Verstopfte Straßen und fehlender Parkraum ärgern die Holzwickeder. © www.blossey.eu

5931 kostenpflichtige Verwarnungen hat der Ordnungsdienst der Gemeinde Holzwickede in den vergangenen anderthalb Jahren ausgesprochen. Rund 68 Prozent und damit mehr als zwei Drittel dieser Verwarnungen entfallen dabei lediglich auf elf Straßen im Gemeindegebiet.

Das Gros der Falschparker erwischten die zwei ordnungsdienstlichen Mitarbeiter in Diensten der Gemeinde auf der Ost-West-Achse parallel zum Flughafen: 1839 Falschparker auf der Gottlieb-Daimler-Straße und 1486 auf der Wilhelmstraße bekamen zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 30. Juni 2019 mindestens ein Verwarngeld von 10 Euro aufgedrückt.

Zwar verteilt die Gemeinde nach Ermessen auch die umgangssprachlich „Dudu-Zettel“ genannten Ermahnungen, in der Regel ist ein Verwarngeld aber der erste Schritt, um den Parkraum vor Dauerparkern zu schützen.

Vier Schritte bis der Abschleppdienst kommt

Hilft das nicht, folgt ein zweites Verwarngeld. In einem dritten Schritt ermittelt der Ordnungsdienst den Halter eines betroffenen Fahrzeuges. „Telefon, E-Mail – eben die Mittel, die uns zur Verfügung stehen“, sagt Torsten Doennges, stellvertretender Fachbereichsleiter für Ordnung, Bürgerservice und Soziales bei der Gemeinde.

Sollte auch dann ein Halter sein Fahrzeug nicht entfernen, wird ein Abschleppdienst kontaktiert und die Polizei darüber informiert. „Das ist für uns das letzte Mittel. Dabei müssen wir jeden Fall einzeln bewerten und entscheiden“, sagt Doennges.

So werde ein Fahrzeug in einem Kreuzungsbereich eher abgeschleppt als ein Fahrzeug, dass „zwar störend, aber relativ unbehelligt an einem Feldweg steht“, verdeutlicht Doennges.

Wer südlich des Flughafens und nördlich der B1 wohnt oder arbeitet, für den darf sicherlich nicht oft genug abgeschleppt werden. Allein: Ohne die vorherigen Schritte geht das in der Regel nicht.

So wirkt die Zahl der abgeschleppten Fahrzeuge im Vergleich zu den erteilten Verwarngeldern mickrig: 4040 Verwarngeldern im Bereich des Flughafens stehen in anderthalb Jahren 25 abgeschleppte Fahrzeuge gegenüber. Rein rechnerisch ist das weniger als ein Prozent, wobei ein Großteil der Falschparker sicher nicht als Dauerparker einzuschätzen ist und die meisten Fahrzeuge im Rahmen eines ersten Verwarngeldes ihren unerlaubten Parkplatz geräumt haben dürften.

Kontrollen sollen nicht zusätzliches Geld in die Gemeindekasse spülen

Torsten Doennges stellt an der Stelle auch klar: „Uns geht es nicht darum, mit Falschparkern zusätzliche Einnahmen zu generieren. Unser Fokus liegt darauf, dass die Parkordnung eingehalten wird.“

Die nun im Verkehrsausschuss veröffentlichten Zahlen müsse man immer vor dem Hintergrund einer Entwicklung sehen. „Wichtig ist uns, dass sich nicht das Vorurteil durchsetzt: Es sei günstiger am Flughafen falsch zu parken, als die regelkonformen Parkmöglichkeiten zu nutzen“, sagt Doennges.

Zahl der Knöllchen in 2019 dürfte das Vorjahresniveau übersteigen

Bleiben die nun veröffentlichten Zahlen auf ihrem jetzigen Niveau, ist dennoch damit zu rechnen, dass die Zahl der Falschparker rund um den Flughafen am Jahresende höher sein wird als noch 2018. Das mag zum einen daran liegen, dass die Zahl der Unternehmen im Eco Port stetig zunimmt. Zum anderen ist es naheliegend, dass auch die Passagierzahlen des Flughafens hier eine Rolle spielen: In der ersten Jahreshälfte 2019 verbuchte der Airport bereits 1,27 Millionen Passagiere – ein Rekord noch vor Beginn der Sommerferien.

„Es ist ja auch im Interesse des Flughafens, die Autos auf die eigenen Parkplätze zu holen. Wir wissen aus Gesprächen mit dem Airport, dass man hier mit entsprechenden Angeboten, beispielsweise für Frühbucher, versucht gegenzuwirken. Aber manche Menschen verstehen es einfach nicht. Wir tun im Rahmen unserer Möglichkeiten, was wir können“, sagt Bürgermeisterin Ulrike Drossel.

Wer mal eben über die Internetseite des Flughafens einen Parkplatz für sieben Tage bucht, der zahlt übrigens zwischen 45 und 84 Euro. In Internet finden sich aber auch diverse externe Anbieter, die Parkplätze am Flughafen vermitteln. Hier liegen die Preise je nach Lage der Parkfläche im Vergleichszeitraum zwischen 33 und 45 Euro.

Auslösesumme beim Abschlepper mindestens im dreistelligen Bereich

Sollte das eigene Auto abgeschleppt werden, dann ist die Parkgebühr allemal günstiger: Holzwickede lässt über die Firma Widliczek abschleppen – und wenn das passiert, wird es teuer. Die Auslösesumme ist dabei von verschiedenen Faktoren abhängig: Anfahrt- und Abfahrt des Abschleppdienste, jeweilige Verwarngebühren der Gemeinde bei öffentlichen Flächen bzw. fällige Gebühren bei privaten Flächen – zum Beispiel Supermarkt – und die Dauer der Standzeit auf dem Gelände des Abschleppunternehmens. „Für Holzwickede werden Fahrzeuge von uns nach Dortmund gebracht. Die zu zahlende Summe ist am Ende definitiv mindestens dreistellig“, sagt Geschäftsführer Ralf Widliczek auf Anfrage.

Wird ein Fahrzeug übrigens nicht abgeholt, so tritt im letzten Schritt ein Gutachter auf den Plan, um den Wert zu ermitteln. Danach wird es entweder versteigert oder anderweitig verwertet – sprich: verschrottet.

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