Bombardierung Holzwickedes: Zumindest die Kirchenglocken werden als Erinnerung läuten

dzAbgesagte Gedenkveranstaltung

Es war vor dem Wochenende absehbar und wurde am Montag durch die Verwaltung bestätigt. Auch die Gedenkveranstaltung zur Bombardierung der Gemeinde vor 75 Jahren entfällt.

Holzwickede

, 16.03.2020, 16:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Herbert Reckwitz hätte nicht zum ersten Mal erzählt, wie er die knappe Stunde erlebte, die er als Zehnjähriger in einem Bunker im Osten der Gemeinde verbringen musste. Die knappe Stunde zwischen 13 und 14 Uhr am 23. März 1945, als ein großer Teil Holzwickedes zerstört wurde und – die Angaben hierüber sind unterschiedlich, mindestens 54 Menschen getötet wurden.

Alliierte Bomberverbände hatten den Holzwickeder Güterbahnhof ins Ziel gefasst und deckten die Gemeinde mit Spreng- und Brandbomben ein. Die Streuung war immens, von der Sölder Straße bis ins Alte Dorf war die Zerstörung verheerend. Herbert Reckwitz verlor an diesem sonnigen und warmen 23. März seine Großeltern.

Heute ist er 85 Jahre alt und einer der wenigen Zeitzeugen, die noch leben. „Deshalb hatte ich mich nochmal überreden lassen. Inzwischen gibt es ja kaum noch Zeitzeugen“, sagt Reckwitz.

Offizielle Aussage für zu erwartende Absage

Reckwitz‘ Rede hätte im Mittelpunkt der geplanten Gedenkveranstaltung gestanden, die einen Tag vor dem eigentlichen Angriff am Sonntag, 22. März, in der Rausinger Halle geplant war.

Am Montag hat die Gemeindeverwaltung offiziell bestätigt, was absehbar war: Wie alle Veranstaltungen in den kommenden Wochen, fällt auch die Gedenkveranstaltung aus.

Neben kurzen Wortbeiträgen von Bürgermeisterin Ulrike Drossel, Wilhelm Hochgräber als Leiter der VHS-Gruppe Spurensucher sowie des Kulturausschussvorsitzenden Michael Klimziak waren auch Worte des Gedenkens durch die Geistlichen Bernhard Middelanis sowie Philipp Reis und Eindrücke aus dem Deutsch-Britischen-Partnerschaftsverein geplant.

Ausstellung sollte die Wortbeiträge begleiten

Dokumente, Fotos, Opferlisten sowie eine Auflistung der Schäden im Gemeindegebiet wurden im Vorfeld in vielen ehrenamtlichen Stunden zusammengetragen und sollten begleitend ausgestellt werden.

Zumindest werden am Tag der Bombardierung zwischen 13.10 und 13.15 Uhr sowie 13.45 und 13.50 Uhr die Glocken der Kirchen in Gedenken läuten.

Hätte er seine Rede halten können, wäre Herbert Reckwitz wichtig gewesen, den Angriff bei allen Verlusten ins Verhältnis zu anderen Ereignissen im Jahr 1945 zu setzen – Auschwitz-Befreiung, Bombardierung Dresdens, Kriegsende. Noch vor der Absage sagte er: „Ich habe einen Bombenangriff erlebt. Mir hat das gereicht. Und doch war es im Gesamten betrachtet, letztlich nur eine Randerscheinung des Zweiten Weltkrieges.“

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