Sechs Hauptschulen wurden im Kreis Unna seit 2008 geschlossen. Die Josef-Reding-Schule stand einst auch auf der Kippe, gehörte aber nicht dazu. Heute ist sie wichtiger Teil der Schullandschaft – nicht nur für Holzwickeder.

Holzwickede

, 23.09.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Fünf Hauptschulen gibt es im Kreis Unna, je eine in Bönen und Kamen, zwei in Lünen und eben die Josef-Reding-Schule in Holzwickede. Ihr Bestand ist gesichert, wie die Bezirksregierung Arnsberg auf Anfrage mitteilt. Die fünf Schulen erfüllen auch in den kommenden Jahren die gesetzlichen Vorgaben zu Mindestgrößen von Klassen sowie an Lehrpersonal und Unterrichtsstunden.

Das Modell Hauptschule, dem allgemein gerne das Aussterben attestiert wird, hat also im Kreis Unna noch eine Zukunft – das hat nicht zuletzt auch der aktuelle Schulentwicklungsplan aufgezeigt, der der JRS das Prädikat „gut aufgestellt“ attestiert. Zwar müsse künftig allgemein in allen vier Grundschulen sowie den beiden weiterführenden Schulen mit mehr Raumbedarf gerechnet werden – an der JRS sieht Schulgutachter Heinfried Habeck aber Potenzial, um Räume an das Clara-Schumann-Gymnasium abzutreten. Die Rückkehr zu G9 sowie die Anforderungen als Schule des Gemeinsamen Lernens an Räumen für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf machen das auf Sicht nötig.

Schüler steigen während des laufenden Schuljahres in Unterricht ein

Darum hat die Hauptschule in Holzwickede auch in den nächsten Jahren eine Zukunft

Klaus Helmig Josef Reding Schulleiter © Greis

„Was es bei uns nicht gibt, sind irgendwelche Clans aus Schülern eines Landes.“
JRS-Schulleiter Klaus Helmig

Gegen die Prognose hat JRS-Schulleiter Klaus Helmig keine Einwände, wohl aber gegen die Vorschläge, künftig weitere Räume ans CSG abzutreten oder mehrfach zu nutzen. Vor diesem Schuljahr hat die JRS einen Raum abgetreten. Da stand die Anmeldezahl für eine Eingangsklasse noch bei 21. Mittlerweile ist das Schuljahr fast einen Monat alt und die einzige 5. Klasse der Schule ist mit 25 Kindern voll. Weil auch die JRS eine Schule des Gemeinsamen Lernens ist, liegt hier das Limit für einzelne Klassen. „Hier musste ich schon einen Schüler, der uns zugewiesen wurde, ablehnen“, sagt Helmig.

Neuankömmlinge während des Schuljahres sind nicht die Regel aber auch keine Seltenheit. Bei einem Besuch dieser Redaktion vor Ort vertröstet Helmig: „Bin sofort da, ich muss erst einen Dolmetscher organisieren, der Arabisch spricht“, sagt er nach der Begrüßung im Schulflur. Ein Vater ist aus Schwerte mit seiner Tochter zur Anmeldung gekommen. Die Zuweisung solcher Unterrichtseinsteiger läuft über das Kommunale Integrationszentrum im Kreis Unna. Eigentlich gehört dann auch ein Dolmetscher dazu. Der fehlt aber plötzlich.

Fast jeder zweite der rund 330 Schüler an der Schule hat laut Schulgutachten einen Migrationshintergrund. Klaus Helmig legt jedoch keinen Wert auf diese Statistik: Wichtig sind für ihn die Schüler, die ein Anrecht auf Sprachförderung haben: Das sind über alle Jahrgänge verteilt gerade mal 33. „Und was es bei uns nicht gibt, sind irgendwelche Clans aus Schülern eines Landes. Da achten wir auf eine ausgewogene Verteilung“, sagt Helmig.

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Mittlerweile ist die JRS die einzig verbliebene Hauptschule im südlichen Kreis Unna. Entsprechend hoch ist der Zulauf aus Unna, Schwerte oder Dortmund – auch ein Umstand, der den Bestand sichert. „Für die Schüler würde ich mir natürlich wünschen, dass sie nach der 7. oder 8. Klasse nicht von den Realschulen wechseln müssen. Was wir aber oft hören: Wenn schon wechseln, dann bitte nach Holzwickede. Wir hatten schon einen jungen Mann hier, der aus Hagen pendelte“, sagt Helmig.

An der Hauptschule weiß man sich zu helfen

Den Arabisch sprechenden Vater und seine Tochter muss der Schulleiter am Ende nicht unverrichteter Dinge wieder nach Hause schicken. „Das wäre für alle Beteiligten unbefriedigend.“ Helmig weiß sich zu helfen und kann sich auf die Hilfe eines Achtklässlers verlassen, der kurzfristig als Übersetzer einspringt.

Reagieren muss Klaus Helmig als Schulleiter nicht nur auf kleiner Ebene. Einen Tisch in seinem Büro nimmt ein Grundriss der Schule ein, auf dem alle Räume und ihr Zweck vermerkt sind. Klassenräume, Differenzierungsräume, Förderräume. Eine Klasse, ein Raum: Das war einmal an den Schulen.

Ein Klassenraum alleine reicht heutzutage nicht aus

Zur Sache

Geschlossene Hauptschulen im Kreis Unna

  • Im südlichen Kreis Unna ist die JRS in Holzwickede die einzig verbliebene Hauptschule.
  • In den vergangenen zehn Jahren wurden im Kreis Unna folgende Hauptschulen geschlossen: Hellweg- und Heideschule in Bergkamen, die Hauptschule in Wethmar, die Eintrachtschule in Schwerte, die Erich-Kästner-Schule in Selm und die Schule am Windmühlenberg in Werne

In den Fächern Mathe und Englisch wird ein Jahrgang nach Leistung aufgeteilt. So entstehen aus zwei Klassen drei Kurse. Je ein Grundkurs benötigt zwei Klassenräume. Ein Leistungskurs braucht einen Differenzierungsraum. Hinzu kommen kleinere Förderräume, in denen Kinder mit Förderbedarf von ihren Förderlehrern betreut werden können.

Gibt die Schule dann einen Raum an das CSG ab, muss Helmig den Raumplan anpassen. „In dem Fall hätte ein Klassenraum mit einer 5. Klasse von uns gegenüber einer 9. Klasse des CSG gelegen“, sagt Helmig. Der Altersunterschied und verschiedene Pausenzeiten – das wäre nicht optimal gewesen. Also muss Helmig seinen Plan anpassen und Räume umwidmen. Weil zueinandergehörende Klassen- und Differenzierungsräume auf einem Geschoss liegen sollten, wird daraus ein komplexes Puzzlespiel. Mittelfristig sieht Helmig keine Chance, dem CSG weitere Räume zuzugestehen.

Die große Lösung im Schulgutachten beschreibt Gutachter Habeck in einem Erweiterungsbau auf dem Gelände des Schulzentrums. Das würde auch Helmig befürworten. „Ich kann aber verstehen, wenn der Schulträger sagt: Wir versuchen das anders. Ich kann aber auch sagen: Ich kann nicht mehr Räume abgeben. Und ich kann es auch begründen.“

Kursleiter gesucht

Schul-AGs brauchen Verstärkung

Als Ganztagsschule bietet die JRS den Schülern verschiedene Arbeitsgemeinschaften – von der Origami- über die Schulgarten- bis zur Theater-AG. Aktuell werden in den Bereichen Robotik mit speziellen Lego-Sets und Kunst neue Kursleiter gesucht. Interessenten für alle AG-Bereiche der Schule können grundsätzlich per Tel. (02301) 91 20 30 oder per E-Mail an die Schule wenden: funke.jrs@gmx.de

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