Die Hilfsbereitschaft in Holzwickede ist groß. Und das gilt für jene, die sich aktiv Tag für Tag engagieren und das gilt auch für die, die mit Spenden Gutes tun. Das gemeinsame Ziel: Not lindern.

Holzwickede

, 12.12.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Not gibt es überall auf der Welt. Da bildet die kleine Gemeinde Holzwickede keine Ausnahme. Während aber in Großstädten eher die Anonymität vorherrscht, das Wegschauen praktiziert wird, zeichnen sich die Holzwickeder durch ihren Zusammenhalt, durch ihre Empathie aus. Da wird niemand allein gelassen, werden Spendenaufrufe nicht überhört, sondern gehört. Was aber auch daran liegen mag, dass die Holzwickeder, die sich zum Beispiel für die Unnaer Tafel, für den Verein „Wir für Holzwickede“ oder für Kolping International engagieren, nicht einfach nur die Spendendose hinhalten, um Euro zu sammeln. Da werden von „Wir für Holzwickede“ Bücher verkauft bei ganz verschiedenen Anlässen, da baut der gelernte Schreiner Klaus Dahl ein Vogelhäuschen nach dem anderen, da fährt er beinahe ständig mit seinem Fahrzeug durch die Gemeinde, um Schrott zu sammeln. Und da ist auch der Gastronom Jens Reckermann, der Essen vorbereitet, zum Frühschoppen einlädt und den Erlös spendet.

Weihnachten bei der Tafel

Für die Mitglieder der Gruppe „Mit Rat und Tat“ war die Tafel-Ausgabe am Mittwoch im Evangelischen Gemeindehaus auch ein besonderes Ereignis. Sie standen umgeben von weit über 100 Weihnachtspäckchen. Die Pakete haben die Holzwickeder liebevoll gepackt und verpackt, mit Zetteln versehen, für wen sich der Inhalt eignet (Kinder oder Erwachsener) und im Gemeindebüro abgegeben. Ulrich Siepmann, Wilfried Knoke und ihre Mitstreiter konnten gar nicht oft genug betonen, wie dankbar sie den Spendern sind. „Wir möchten der Holzwickeder Bevölkerung Danke sagen und sind so froh, dass wir das wieder machen konnten“, lobte Wilfried Knoke wenige Minuten vor dem Beginn der Ausgabe. Da saßen die ersten Tafelkunden schon vor der Tür in Obergeschoss des Gemeindehauses. Als Schwerbehinderte, so erklärte Knoke, haben sie Vorrang vor den anderen, die immer dem Alphabet nach aufgerufen werden. Mal beginnt das vorne bei A, mal hinten bei Z. 35 Personen sind es in der Regel, die mittwochs zur Tafel-Ausgabe kommen. Bei der Ausgabe der Weihnachtspakete waren es augenscheinlich mehr. Da brachte eine Mutter aus Afghanistan, die fünf Kinder zu versorgen hat, ihre Söhne mit. „Sonst geht immer meine Mutter allein“, erklärte einer ihrer Söhne. Da stand aber auch der alleinstehende 61-jährige Mann und freute sich schon, ein Weihnachtspäckchen in Empfang nehmen zu können. Und eine 61-Jährige gab zu, sich Jahr für Jahr vorzunehmen, das Tafel-Weihnachtspaket bis Weihnachten liegen zu lassen und es dann erst auszupacken. „Das versuche ich, schaffe es aber nie“, gab sie schmunzelnd zu und kündigte damit schon an, dass das in diesem Jahr nicht anders sein werde.

Die Ausgabe wird zum Treffpunkt

Die Tafel-Kunden kennen sich untereinander, freuen sich schon immer auf ein Wiedersehen, wie eine 70-Jährige erzählt. „Ich backe immer und bringe Plätzchen und Kaffee mit“, berichtet sie davon, sich mit anderen Frauen rund 90 Minuten vor Beginn der Ausgabe zu Kaffee und Keksen zu treffen. Weihnachtspakete, die gibt es nur einmal im Jahr. Und gut, dass manch ein Mann dabei war, der beim Tragen helfen konnte. Und gut, dass schwere Pakete auch mit dem Rollator transportiert werden können. Die Holzwickeder haben es wieder sehr gut gemeint und große Pakete gepackt - für alle, vom Baby bis zur Großfamilie. Und allesamt waren sie hübsch verpackt, mit Schleifen verziert.

Zu Weihnachten wird an alle Holzwickeder gedacht

Die Päckchen waren allesamt hübsch verpackt. Teilweise wogen sie sogar einige Kilo. © Marcel Drawe

Laut Ulrich Siepmann hat die Unnaer Tafel zurzeit Aufnahmestopp. Und nicht immer sagt, er sei es einfach, alle Wünsche zu erfüllen. Viele Kunden wüssten gar nicht, wie das System funktioniere. „Sie glauben, wir kaufen für sie ein“, erklärt Siepmann, dass die Lebensmittel, die verteilt werden, von Geschäften gespendet werden. Und wenn die Geschäfte keine Milch haben, die sie weitergeben an die Tafel, dann gibt es keine Milch.

80 Tonnen Schrott gesammelt

Das Ehepaar Klaus und Elisabeth Dahl ist ebenso einzigartig. Die Holzwickeder engagieren sich unablässig für Kolping International. Und die Holzwickeder wissen, dass die Dahls sich völlig uneigennützig kümmern - und jeder Cent bei denjenigen ankommen, die ihn brauchen. In diesem Fall bei dem Ziegenprojekt von Kolping International.

„So lange der mir da oben die Kraft gibt, mache ich weiter.“
Klaus Dahl

„Manchmal werden aus Ziegen auch Hühner oder Schweine oder Kühe“, erklärt Elisabeth Dahl, dass immer die Hilfe gegeben werde, die vor Ort - in mittlerweile sieben afrikanischen Ländern - genau die richtige ist. „In diesem Jahr sind über 80 Tonnen Schrott zusammengekommen“, strahlt Klaus Dahl und rechnet um: „Das sind 21.000 Euro“. Zum Vergleich fügt er die Zahlen aus 2017 an. Da waren es 55 Tonnen Schrott im Wert von 14.100 Euro. „Das macht in diesem Jahr 525 Ziegen“, hat der 72-Jährige errechnet. Die Holzwickeder kennen Dahls Adresse, kennen seine Telefonnummer, die (02301) 7103. Elisabeth Dahl organisiert alles, schickt ihren Mann, Spenden abzuholen. Und ganz nebenbei hat Klaus Dahl in den vergangenen Jahren über 2000 Vogelhäuschen gebaut und verkauft. Die Rechnung ist auch hier einfach: Ein Vogelhaus ist eine Ziege.

Zu Weihnachten wird an alle Holzwickeder gedacht

Klaus Dahl (l.) sammelt das gesamte Jahr über Schrott. Zweimal im Jahr steht er auf dem Parkplatz an der Kirchstraße und nimmt dort Schrott an. Das Foto zeigt ihn zusammen mit Bernd Habelmann. © Borys Sarad

Auch die Dahls wollen natürlich allen Holzwickedern, die sie unterstützt haben, die Schrott gespendet, alte Handys und Brillen abgegeben und Vogelhäuschen gekauft haben, im Namen der vielen afrikanischen Familien danken. Und sicher ist: Die Dahls machen weiter, lassen nicht locket. „So lange der mir da oben die Kraft gibt, mache ich weiter“, verspricht Klaus Dahl.

Von „Wir für Holzwickede“ gibt es Weihnachtsgeld

Um Bedürftige kümmert sich der Verein „Wir für Holzwickede“ das gesamte Jahr über mit unterschiedlichsten Hilfestellungen. Zu Weihnachten, das hat bereits Tradition, werden Bedürftige beschenkt. Und zwar seit 20 Jahren. Kinder, die in Hartz-IV-Familien leben, erhalten 30 Euro, Senioren mit Grundsicherung 40 Euro. Um die 20.000 Euro waren in den vergangenen Jahren stets nötig, um ihnen allen gerecht zu werden.

Zu Weihnachten wird an alle Holzwickeder gedacht

In diesem Jahr hatten Kinder der Kita Schatzkiste in Hengsen fleißig Plakate für „Wir für Holzwickede“ gebastelt. © Marcel Drawe

Und so ist es diesmal auch. Birgit Poller, Sprecherin des Vereins, hat die aktuellen Zahlen vorliegen: 335 Kinder und etwa 220 Grundsicherungsempfänger sollen diesmal beschenkt werden. Die Geschenke gibt es als Barscheck, denn „jeder soll sich das kaufen können, was er möchte“, erklärt Poller. Und sie lädt ein, den Blutspendetermin des DRK am Freitag, 14. Dezember, von 16 bis 20 Uhr in der Rausinger Halle wahrzunehmen. Dort wird „Wir für Holzwickede“ wieder mit einem Bücherstand vertreten sein. Anfang 2018 hatte der Verein Bürgern im Norden zum ersten Mal dieses Angebot gemacht.

„Wir für Holzwickede“ erhält auch in diesem Jahr Unterstützung von Gastronom Jens Reckermann. Er lädt an Heiligabend ins Vivo an der Hauptstraße zum Frühschoppen ein. Als Bedienung kommen der SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Klimziak und der FDP-Fraktionsvorsitzende Jochen Hake, um die Aktion zu unterstützen. Das Vivo öffnet am 24. Dezember von 11 bis 14 Uhr. „Alle Einnahmen sind für den Verein“, hofft Reckermann auf ein volles Haus und hungrige und durstige Gäste.

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