Zahlen zur Häuslichen Gewalt: Die Dunkelziffer ist noch immer zu hoch

dzGemeinde vermittelt zu Hilfsangeboten

20, 10, 17: Das sind die Fälle häuslicher Gewalt je im Zeitraum Januar bis Ende Oktober für die vergangenen beiden und das laufende Jahr in Holzwickede. Die Dunkelziffer dahinter bleibt ein Problem.

Holzwickede

, 21.11.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Statistiken des Kommissariats Kriminalprävention und Opferschutz der Kreispolizeibehörde Unna, die Manuela Hubrach am Dienstag in der Seniorenbegegnungsstätte vorlegt, sind keinesfalls alarmierend. Das seien die üblichen Werte, so die Beauftragte für Gleichstellung und Seniorenarbeit der Gemeinde.

Auffällig sind lediglich die Fälle, die eine Involvierung der Frauen- und Mädchenberatungsstelle im Kreis Unna zeigen. Hier steht die Fallzahl im laufenden Jahr bei sieben. In den Vorjahren waren es im gleichen Zeitraum drei und zwei. „Diese Fälle markieren dann explizit Gewalt gegen Frauen und/oder Kinder“, sagt Hubrach. Aber auch hier sei die Zahl nicht besorgniserregend.

Im Gegenteil: „Ein Anstieg der Zahlen bedeutet nicht zwingend, dass die Gewalt zunimmt. Es ist eher so, dass dadurch die Dunkelziffer sinkt, weil sich mehr Frauen trauen, sich zu melden“, sagt Hubrach. Die aktuell 17 gemeldeten Fälle häuslicher Gewalt im laufenden Jahr umfassen nicht allein Gewalt gegen Frauen und Kinder. In diese Statistik fließen auch Übergriffe in der Pflege ein und auch Männer können in den eigenen vier Wänden zum Opfer werden.

Wie viele Menschen aber tatsächlich im privaten Umfeld zu Opfern werden, das lässt sich nicht sagen. Aktuelle Zahlen des Bundeskriminalamtes verweisen auf 140.000 Fälle häuslicher Gewalt im Jahr 2017 bundesweit. Das BKA geht aber davon aus, dass 80 Prozent aller Taten nicht gemeldet werden.

Häusliche Gewalt

Hier finden Sie Hilfe und Beratung

Die Frauen- und Mädchenberatungsstelle im Kreis Unna ist telefonisch Montag und Mittwoch je von 10 bis 12 Uhr zu erreichen sowie Dienstag und Donnerstag von 15 bis 16 Uhr. In Ferienzeiten ist das Telefon Montag, Mittwoch, Freitag von 10 bis 12 Uhr besetzt. Die Rufnummer lautet: (02303) 8 22 02. Rund um die Uhr besetzt ist das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter Tel. (08000) 11 60 16. Unter www.hilfetelefon.de finden sich weitere Infos und ein Hilfe-Chat auch im Netz. Die Frauen- und Mädchenberatungsstelle im Kreis Unna findet sich ebenfalls im Internet unter www.frauenforum-unna.de.

Damit Fälle nicht im Dunkeln bleiben, ist die Gemeinde an diverse Hilfsnetzwerke angeschlossen. Auf Kreisebene verweist Hubrach auf das Angebot der Frauen- und Mädchenberatungsstelle. Träger des Angebotes ist hier der Verein Frauenforum im Kreis Unna. Frauen und Mädchen ab 14 Jahren finden hier Beratung unabhängig vom sozialen Status, Herkunft oder sexueller Ausrichtung. Die Beratungsangebote sind kostenlos und anonym. Durchgängig erreichbar sind wiederum die Berater des bundesweiten Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“. Auch hier erfolgt die Beratung anonym und auf Wunsch auch in einer von 17 Fremdsprachen.

„Infomaterial zu allen Hilfsangeboten bieten wir auch an“, sagt Manuela Hubrach. Wer Info-Material benötige, der könne das jederzeit bei ihr in der Seniorenbegegnungsstätte an der Berliner Allee 16a bekommen. Hubrach weiß, wie komplex das Thema der häuslichen Gewalt sein kann. „Gerade in ländlichen Gebieten trauen sich Frauen noch weniger, etwas dagegen zu unternehmen, überwiegt oft die Scham und ist die Hemmschwelle hoch“, sagt Hubrach.

Auch für Familie oder Freunde sei es mitunter sehr schwer, Anzeichen zu erkennen und richtig zu deuten. „Die Beratungsstellen richten sich nicht nur an akute Fälle mit physischer Gewalteinwirkung. Auch psychische Gewalt ist ein Thema oder sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“, sagt Hubrach und dann sei die Linie eben dünn: „Wo hört der Spaß auf und fängt der Ernst an?“, das lässt sich nicht immer eindeutig sagen. Umso wichtiger sei es, im Zweifel die Beratungsangebote der verschiedenen Netzwerke in Anspruch zu nehmen.

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