Dieses Jahr feierte die Gemeindebibliothek ihren 25. Geburtstag. Der Betrieb ist aktuell gesichert, die Bibliotheksleitung hat klare Pläne für die Zukunft. Allein: Mittel wird es dafür wohl nicht geben.

Holzwickede

, 18.12.2019, 17:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kinder und Senioren zählt die Gemeindebibliothek im Schulzentrum an der Opherdicker Straße zur bevorzugten Nutzergruppe. Nutzer älter als 50 Jahre zählen häufig zur Stammkundschaft.

„Wenn Senioren kommen, müssen wir oft rennen“, sagt Bibliotheksleiterin Kristina Truß. Zusammen mit Silke Becker, Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste bei der Gemeinde, hat sie ein Zukunftskonzept für die Gemeindebibliothek erstellt und kürzlich Politik und Verwaltung im Fachausschuss vorgelegt.

Rennen muss Truß nicht, weil ältere Holzwickeder besonders fordernd sind. Sie muss es tun, weil die zweite Etage der Bibliothek nicht barrierefrei zu erreichen ist. 23,5 Stunden ist die Bibliothek in der Woche geöffnet – mehr geht bei aktuell 1,57 besetzten Stellen nicht.

Vergleichbare Bibliotheken haben mehr Personal

Kristina Truß arbeitet in befristeter Teilzeit mit 30 Stunden in der Woche. Kollegin Becker ist zusätzlich für das Gemeindearchiv zuständig. Effektiv kommt die Bibliothek auf 1,57 Stellen. Ohne die Hilfe einer FSJlerin wäre der Betrieb in seiner jetzigen Form kaum möglich. Vergleichbaren Bibliotheken in Bönen oder Selm steht eine Stelle mehr zur Verfügung.

Eine Konsequenz aus der Personallage ist, dass die Bibliotheksmitarbeiterinnen die Zahl eigener Veranstaltungen runterfahren. Neun Lesungen für Erwachsene waren es im Jahr 2018. Künftig möchte man hier auf drei Termine reduzieren. „Bilderbuchkino für Kinder und Führungen für Grundschulen und Kitas behalten wir bei“, sagt Truß.

Zukunft der Gemeindebibliothek: Wunsch und Wirklichkeit liegen weit auseinander

Lesung mit dem Holzwickeder Krimi-Autor Thomas Matiszik: Solche Veranstaltungen am Abend sind personal- und zeitintensiv. Hier geraten die Mitarbeiterinnen an ihre Grenzen. © Marcel Drawe

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Zusätzliche Veranstaltungen sollen vermehrt über den Förderverein der HowiBib-Freunde laufen. Dass das funktionieren kann, zeigte kürzlich der erste offene Spieleabend in der Bibliothek. „Das wurde sehr gut angenommen und die nächsten Termine stehen schon so gut wie fest“, sagt Truß.

Letzte Veranstaltung des Jahres

Wenige Plätze für das Bilderbuchkino

  • Der letzte Termin der beliebten Bilderbuchkino-Reihe findet am Freitag, 20. Dezember statt. Für eine Handvoll Kinder reicht der Platz noch aus.
  • Der Eintritt ist frei, es wird aber um Voranmeldung gebeten. Telefonisch ist die Bibliothek zu den Öffnungszeiten unter Tel. (02301) 1 42 26 zu erreichen.

Solche Angebote seien geeignet, um den Bekanntheitsgrad der Einrichtung zu erhöhen. „Viele Holzwickeder wissen nicht, dass es uns gibt. Daran müssen wir arbeiten“, sagt die Bibliotheksleiterin.

Bibliothek als Treffpunkt und Ort des lebenslangen Lernens

Grundsätzlich hat sie die Vision, die Bibliothek in ein Medienkompetenzzentrum weiterzuentwickeln. Schulungen für Erwachsene seien denkbar und könnten vor dem Hintergrund politischer Bildung und lebenslangem Lernen die soziale Teilhabe stärken. Kooperationen mit den weiterführenden Schulen seien ebenfalls ein Ziel. Allein: Es fehlen die Mittel.

Zukunft der Gemeindebibliothek: Wunsch und Wirklichkeit liegen weit auseinander

Kristina Truß leitet seit 2002 die Bibliothek der Gemeinde. © Udo Hennes

Die Bibliothek als Treffpunkt – davon sieht man sich noch weit entfernt. Keine Toiletten, kein Aufenthaltsraum, keine zeitgemäßen Regale, kein separater Raum für Veranstaltungen: „Gebäude und Ausstattung sind 25 Jahre alt. Da muss was passieren, damit die Leute auch Lust haben, sich hier aufzuhalten“, sagt Truß.

„Gebäude und Ausstattung sind 25 Jahre alt. Da muss was passieren, damit die Leute auch Lust haben, sich hier aufzuhalten.“
Bibliotheksleiterin Kristina Truß

Rund 300 Quadratmeter stehen an der Opherdicker Straße zur Verfügung, nötig wären laut Konzept 400 bis 450 Quadratmeter. Für Kristina Truß stellt sich damit auch die Standortfrage. Ihr Konzept bezieht sich für eine große Lösung auf Pläne aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK).

Hier ist der Vorschlag verankert, nach dem Rathausumbau das Bürgerbüro an der Allee abzureißen und als Medienlernzentrum neu zu bauen. Alternativ sieht das Planwerk aber auch eine ausschließliche Wohnbebauung vor.

Ein neuer Standort für die Bibliothek würde teuer

„Das ISEK ist als Projekt beschlossen, aber es ist nicht die Bibel. Ich verstehe die Vorschläge als Arbeitsauftrag an die Politik. Wir nehmen das ernst und müssen über Schritte nachdenken, die wir umsetzen können“, schränkte Michael Klimziak als Vorsitzender im Ausschuss für Schule, Sport, Kultur und Städtepartnerschaften denn auch ein.

Feiertage

Bibliothek geht in die Weihnachtspause

Vom 21. Dezember bis zum 6. Januar bleibt die Gemeindebibiliothek geschlossen. Danach gelten die regulären Öffnungszeiten:
  • Dienstag 10 bis 12 Uhr und 13 bis 19 Uhr
  • Mittwoch 13 bis 17.30 Uhr
  • Donnerstag 10 bis 12 Uhr und 13 bis 17.30 Uhr
  • Freitag 13 bis 17.30 Uhr

Deutlicher wurde Frank Lausmann für die CDU: „Nach der abgewendeten Schließung vor einigen Jahren müssen wir erkennen, dass der Bedarf nicht gestiegen ist und die Ausgabe von Geldern in Millionenhöhe nicht gerechtfertigt wäre.“ Einen neuen Standort lehne die CDU demnach ab – auch weil die Nähe zum Schulzentrum den Hauptnutzern entgegenkäme.

Auf Nachfrage ordnet Bibliotheksleiterin Kristina Truß Reaktionen der Politik auf das Konzept realistisch ein. „Das war mir vorab klar. Ich wollte aber aufzeigen, was denkbar ist. Am Ende zählt der Wille der Politik, aber dann erwarte ich auch ein klares Votum.“

Kleine Lösungen oder große Lösungen: Zunächst ist die Verwaltung beauftragt, die Vorschläge aus dem Zukunftskonzept auf die Möglichkeit zur Umsetzung zu prüfen. Der nächste Fachausschuss steht für Ende März im Kalender. Schafft es das Thema bis dahin auf die Tagesordnung, muss die Politik die Frage beantworten, die Klimziak bereits im vergangenen Ausschuss stellte. „Wollen wir einen visionären Weg mitgehen oder wollen wir lediglich verbessern, was eben geht?“

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