Workshop für Produkte zum Selbermachen: Umweltschutz ist eine Frage der Haltung

dzTreffpunkt Villa

Es roch im Treffpunkt Villa wie in der WDR-Versuchsküche von Jean Pütz: Was der zwirbelbärtige Hobbythek-Erfinder damals bastelte und braute, haben die „Parents for Future“ heute noch drauf.

von Martin Krehl

Holzwickede

, 27.01.2020, 11:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alles eine Frage der Haltung: „Das wird so schnell zur Gewohnheit, dann macht man es immer,“ konstatiert Adelina Vrenezi und meint damit ihre Bodylotion. Ja, wirklich „ihre“, denn sie fertigt sie selbst an. Wie das geht, erfuhren etwa 15 Interessierte am Sonntag beim Workshop im Treffpunkt Villa.

Sheabutter und Kokosöl aus dem großen Glas im Wasserbad verquirlen, ein ätherisches Öl dazu, bei Hautunreinheiten vielleicht Eukalyptus – fertig. „Das dauert vielleicht drei Minuten für ein Marmeladenglas voll Lotion. Und da ist dann nur das drin, was ich wirklich brauche“, sagt Adelina Vrenezi.

Workshop für Produkte zum Selbermachen: Umweltschutz ist eine Frage der Haltung

Wonach Adelina Vrenezis (r.) Bodylotion duften soll, bestimmt die selbst. Nicht die Industrie. © Krehl

Die junge Frau möchte sich nicht mit Mikroplastik peelen, ihre Lotion muss auch nicht exotisch duften oder eine bestimmte Farbe haben. Cremig und gut anzuwenden ist sie wie die teuren Drogerie-Produkte auch. Und kostet einen Bruchteil.

Kerstin Dreisbach-Dirb vom Treffpunkt Villa, selbst überzeugte und immer wieder überzeugende Selbermacherin, und Judith Kuck-Bösing von „Parents for Future“ hatten zum Workshop in den Jugendtreff eingeladen.

Selbermachen ist durchaus alltagstauglich

Von der Alltagstauglichkeit der vorbereiteten Rezepturen und Tipps sind letztendlich alle überzeugt: „Mir wird ganz gruselig, wenn ich lese, was in den feinen Plastikfläschchen alles drin ist“, runzelt Doreen Kremser die Stirn. Sie stellte in Windeseile Essigreiniger her, in dem außer Essigessenz nur wenige Zutaten zusammengemixt werden mussten. „Der tut es mindestens so gut wie gekaufter Reiniger, riecht besser und ist sehr preiswert“.

Spüli aus Zitronen, Apfelessig, grobem Salz und kochendem Wasser – „das kann doch jeder fix selber machen, sogar Kinder“, lacht Judith Kuck-Bösing. Die Holzwickederin Doreen Kremser meint, man müsse bewusster durch die Welt gehen: „Vieles wird einem untergejubelt und aus Bequemlichkeit vergisst man dann das Nachdenken“.

Workshop für Produkte zum Selbermachen: Umweltschutz ist eine Frage der Haltung

Emilia Cupok (Mitte) hatte erschreckende Fakten über die Plastikvermüllung der Erde gesammelt und vorgetragen: „Jedes Stück Plastik bleibt für immer auf der Welt". © Krehl

Kooperation mit „Parents for Future“

Weitere Workshops zum Thema Nachhaltigkeit folgen

  • Pflege- und Haushaltsprodukte selbermachen – der Workshop am Sonntag war der Auftakt für weitere Kurse zum Thema.
  • Für Sonntag, 8. März, ist eine Kleidertauschparty in der Villa angekündigt. Für Kleider, Schuhe oder Taschen gibt es dann je Stück eine Wertmarke, mit der man ein anderes Teil eintauschen kann.
  • Am Samstag, 25. April, wollen die Aktiven vor allem Kindern und Jugendlichen zeigen, wie sie Fertigprodukte vermeiden und Müsli, Chips und Co. selbermachen.
  • Ebenfalls an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene richtet sich ein Upcycling-Kurs am Samstag, 16. Mai. Dann wird aus alten Gegenstände Neues gebastelt: Schmuck, Taschen oder Schlüsselanhänger.
  • Weitere Infos zu Zeiten, Kosten und Anmeldungen zu den einzelnen Terminen finden sich auf dem Internetauftritt des Treffpunkts Villa unter www.treffpunkt-villa.de.

Lisa Sladek ist sogar aus Bochum gekommen, sie hat sich fest vorgenommen, alle Rezepturen zuhause auch zu realisieren, auch das selbstgemachte Deo. Freunde aus der Parents-for-Future-Gruppe Unna hatten sie mitgenommen nach Holzwickede: „Das ist schon toll, wie leicht man sich gegen die teuren und vielfach unnötig umweltschädlichen Industrieprodukte entscheiden und das selber machen kann.“

Emilia Cupok ist seit Jahren Veganerin. „Vor dem Hintergrund ist es für mich sonnenklar, dass ich auch alle Produkte hinterfrage, die ich mir ins Haus hole“, sagt die junge Frau mit Bestimmtheit. „Das passt doch sonst nicht zu meinem veganen Lebenswandel“. Es müsse nicht immer alls bunt und auffallend sein.

Aufrüttelndes Statement gegen Plastikmüll

Gleich zu Beginn des Workshops liest Cupok ein aufrüttelndes Statement über die Umweltverschmutzung durch Plastik vor. Darin heißt es, dass jede Minute ein Lastwagen voll Plastik im Meer lande. „Jedes Stück Plastik, das wir in die Mülltonne werfen, wird nicht verschwinden, es wird für immer auf der Welt bleiben, das geht niemals mehr weg.“

Aus der Runde der Anwesenden kam dann auch ein Beispiel für praktikablen Umweltschutz zuhause: Statt sich industriell gefertigte chemikalische Kämmhilfen ins Haar zu schmieren, solle man einfach den guten alten Handtuchturban ausprobieren.

So wechselten die Tipps und Tricks von einer Seite des Basteltisches auf die andere – die Vorführenden hatten ebenso viel einleuchtende Ratschläge wie die Besucherinnen. Übrigens war am Sonntagnachmittag nur ein einziger Mann aktiv im Geschehen. Praktischer Umweltschutz scheint in dem Fall zumindest nicht Männersache.

Workshop für Produkte zum Selbermachen: Umweltschutz ist eine Frage der Haltung

Mit der Resonanz auf die Selbermachen-Angebote im Treffpunkt Villa war Kerstin Dreisbach-Dirb (Mitte) sehr zufrieden. © Krehl

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Coronavirus
Coronavirus: Kein Grund zur Panik – aber manche kaufen 40 Flaschen Desinfektionsmittel
Hellweger Anzeiger Hausarzt aus Holzwickede
Coronavirus-Video geht viral: „Ich will auf die Mängel hinweisen“
Hellweger Anzeiger Zeitplan für Neubau
Gemeindezentrum Süd wird im März abgerissen – neues Pflegeheim soll 2021 eröffnen
Meistgelesen