„Willkommen in Holzwickede“: Der Stress der Anfangsjahre ist weg

dzFlüchtlingsinitiative

2014 hat „Willkommen in Holzwickede“ erstmals Flüchtlinge zum Kaffeetrinken eingeladen. Nach fünf arbeitsreichen Jahren hat sich die Arbeit der Ehrenamtlichen gewandelt.

Holzwickede

, 03.01.2020, 15:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zur Adventszeit vor fünf Jahren kamen alteingesessene und neue Holzwickeder erstmals zusammen, lud die Hilfsinitiative „Willkommen in Holzwickede“ erstmals zu einem gemeinsamen Kaffeetrinken ins Alois-Gemmeke-Haus.

In der Folge brachten sich zu den Hochzeiten der Flüchtlingsankünfte Dutzende Menschen ein, suchten den Kontakt zu Neuankömmlingen und halfen mit dem Nötigsten aus. „Für viele Geflüchtete war es das erste Mal, dass sie in direkten persönlichen Kontakt mit Holzwickeder Bürgern kamen“, erinnert sich Roswitha Göbel-Wiemers von der Hilfsinitiative an diese arbeitsreiche und intensive Zeit.

Im Laufe der vergangenen Jahre hat sich das Aufgabenfeld geändert. Paten begleiteten ihre Schützlinge und kämpften sich mit ihnen durch die Mühlen der deutschen Bürokratie. In Bernd Schröter weiß der Verein bis heute einen Ehrenamtler in seinen Reihen, der denjenigen hilft, die aus einer der Flüchtlingsunterkünfte in eigene Wohnungen umziehen können.

Helfer der ersten Stunde ziehen sich aus Altersgründen zurück

Viele Helfer hätten aber auch gemerkt, wie anstrengend dauerhafte Unterstützung sein kann. Insbesondere der Austausch mit Behörden kann kraftraubend sein. „Zu Beginn hatten wir zudem schon viele Helfer im Seniorenalter. Und wer dann mittlerweile über 80 ist, der zieht sich verständlicherweise auch irgendwann zurück“, so Göbel-Wiemers.

Aber nicht jeder, der heute nicht mehr zu den regelmäßigen Treffen der Initiative komme, habe sein Engagement auch komplett eingestellt. „Ich weiß, dass mitunter noch Kontakt besteht, auch Freundschaften entstanden sind“, sagt die ehrenamtliche Helferin.

Schon vor fünf Jahren habe man von der Expertise der Caritas im Kreis Unna profitiert, die das Sozialteam der Gemeinde Holzwickede unterstützt. Das gelte heute umso mehr: „In Frau Adolf steht uns da auch jemand zur Seite, der selbst aus der ehrenamtlichen Szene kommt und enorm viel Kompetenz mitbringt. Bei Familienzusammenführungen beispielsweise organisiert sie mitunter innerhalb eines Vormittags Dinge, die wir gar nicht leisten könnten“, sagt Göbel-Wiemers.

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Und auch wenn die Wege zu Jobcenter oder Sozialamt oft lang und beschwerlich sind, findet die Holzwickederin auch hier lobende Worte: „Vieles im System ist einfach kompliziert, aber die Mitarbeiter vor Ort machen viel möglich. Nur in der Hotline darf man nicht landen“, sagt Göbel-Wiemers und lacht.

Nach fünf Jahren „Willkommen in Holzwickede“ kommen im Kern noch immer 20 bis 25 Helfer zu den regelmäßigen Treffen. Auch die Neuankömmlinge bringen sich ein. „Vor kurzem hat ein junger Mann aus Tadschikistan einen wunderbaren Vortrag über seine Heimat in perfektem Deutsch gehalten“, schwärmt Roswitha Göbel-Wiemers.

Viel sei mittlerweile im Fluss, der Stress der Anfangsjahre weg. „Mal bekommt ein Auszubildender Hilfe im Physikunterricht. Mal lernt eine ältere Dame intensiv mit einem Geflüchteten Deutsch, um ihn aufs Studium vorzubereiten“, sagt die Holzwickederin.

Deutsch-syrische Spaziergänge

Und dann gibt es noch schöne Geschichten, wie die zweier älterer Herren: der eine aus Holzwickede, der andere aus Syrien. Beide fanden über die Familie des Syrers zusammen und treffen sich nun regelmäßig zum Spaziergehen. „Das passiert auch mal schweigend, weil die Deutschkenntnisse des syrischen Herrn natürlich nicht perfekt sind. Die beiden sprechen aber mitunter auch tiefgreifend über Religion.“

Für das neue Jahr plant die Hilfsinitiative im Sommer ein Begegnungstreffen, um auf das Erreichte zu blicken aber auch vorauszuschauen. „Wir hoffen, dass die Willkommenskultur weiterhin bei uns in Holzwickede praktiziert wird. Nachbarschaft, Schule, Beruf, Vereine, Chöre, Gruppen oder Sportvereine sind leise Wegbereiter, um es den Geflüchteten zu ermöglichen, hier wieder ein Zuhause zu finden“, weiß Roswitha Göbel-Wiemers.

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„Willkommen in Holzwickede“

Nächstes Treffen im Januar

  • Wer sich für die Arbeit der Hilfsinitiative interessiert oder unterstützen möchte, findet Kontakt über Roswitha Göbel-Wiemers unter Tel. (02301) 54 71 oder über Friedhelm Nusch unter Tel. (02301) 94 12 66.
  • Das nächste Treffen der ehrenamtlichen Helfer ist am Donnerstag, 30. Januar um 19.30 Uhr im Alois-Gemmeke-Haus an der Hauptstraße.
  • Mehr zur Initiative findet sich im Netz unter: www.initiative-holzwickede.de
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