Termine werden seit Dezember durchgestrichen: Im Holzwickeder Friseur-Salon Haar Kultur sind die Auftragsbücher weitestgehend leer. Inhaberin Yasemin Worek erlebt schwere Zeiten. © Marcel Drawe
Corona-Lockdown

„Wie ein Schlag ins Gesicht“: Friseurin fühlt sich vom Staat in die Ecke gedrängt

Seit drei Wochen muss die Holzwickeder Friseurin Yasemin Worek ihr Studio an der Bahnhofstraße geschlossen halten. Die Lage ist ernst - und doch will sie ihren Optimismus nicht verlieren.

An die Tage vor dem 16. Dezember erinnert sich Yasemin Worek noch ganz genau. Die selbstständige Friseurin mit Studio an der Bahnhofstraße 17 in Holzwickede ist ihrer Arbeit zu diesem Zeitpunkt verhältnismäßig gelassen nachgegangen, blickte auch in die unmittelbare Zukunft eher entspannt.

Ein aufwendiges Hygiene-Konzept, darin enthalten zahlreiche neue Regeln für den Friseurbesuch, hat die Inhaberin von Haar Kultur erstellt. Der zweite Lockdown kam für die Friseurbranche offenbar unerwartet. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

„Für mich war es dann wie ein Schlag ins Gesicht als wir montags zu machen mussten“, sagt sie. Gemeint ist der Beginn des zweiten Lockdowns, in den sie sich mit ihrem Geschäft am 16. Dezember begeben musste. Geahnt hat sie das im Vorfeld nicht.

„Für mich war es dann wie ein Schlag ins Gesicht als wir montags zu machen mussten“

FRISEUR-MEISTERIN YASEMIN WOREK

Die zweite Dezemberhälfte ist für Friseure eine sehr umsatzreiche Zeit

Politiker hätten den Sommer über immer wieder betont, dass es im Frühjahr ein Fehler gewesen sei, die Friseursalons für sechs Wochen geschlossen zu haben. So hat Worek es zumindest von vielen Seiten wahrgenommen.

Haar Kultur
  • Der Salon Haar Kultur ist nach Auskunft von Inhaberin Yasemin Worek kein Ort, an dem man sich „mal eben die Haare machen“ lässt. Bestandteil ihres Geschäftskonzepts ist es, dass ihre Kunden gerne länger dort verweilen.
  • Einen günstigen 10-Euro-Schnitt, wie ihn manche Männer gerne haben, gibt es dort nicht.
  • Stattdessen setzt Worek auf Zusatzleistungen wie das Färben, Haarverlängerungen und Balayage, ein derzeitiger Trend des Haarefärbens vor allem bei Frauen. Zielgruppe sind alle Geschlechter fast jeden Alters.

Genützt hat es ihr nichts: Der Betrieb im Studio Haar Kultur wurde zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres heruntergefahren. Besonders ärgerlich aus ihrer Sicht: Die zweite Dezemberhälfte, so berichtet Worek, ist für Friseure normalerweise eine sehr umsatzreiche Zeit.

Seitdem häufen sich Anfragen von Kunden, die Worek oder eine ihrer Mitarbeiterinnen zuhause empfangen möchten, gewissermaßen die Haare „schwarz“ geschnitten bekommen möchten.

Für das grundsätzliche Interesse der Kunden hat sie durchaus Verständnis. Beim Thema Schwarzarbeit gibt es für die Friseur-Meisterin aber keine zweite Meinung: „Ich appelliere an alle, das nicht zu machen“, sagt sie, befürchtet, dass schwarze Schafe den Ruf der gesamten Branche aufs Spiel setzen.

Nach Januar könnte es ohne Einnahmen eng werden

Sie selbst habe seit Wochen keinen Friseur besucht, will stattdessen zu einer Aktion aufrufen, für die sie sich einen passenden Slogan ausgedacht hat: „Sei solidarisch, zeig Ansatz“, lautet der Spruch, der sich mit seiner Metaphorik zwar vordergründig an Menschen mit gefärbten Haaren richtet, aber auch für alle anderen gilt.

„Sei solidarisch, zeig Ansatz“: Mit diesem Slogan will die selbstständige Friseurin Yasemin Worek Menschen ermutigen, während des Lockdowns auf einen „illegalen Haarschnitt“ zuhause zu verzichten. © Carlo Czichowski © Carlo Czichowski

„Es gibt gerade wichtigere Dinge als einen Haarschnitt“, findet sie. Sie selbst versuche, dieser arbeitsarmen Zeit stets das Positive abzugewinnen. „Ich bin seit 12 Jahren selbstständig und ich habe noch nie so viel Zeit mit meinen Kindern verbracht wie zuletzt“, sagt die Familienmutter, die im vergangenen Jahr ihr zweites Kind bekommen hat.

Auf die Soforthilfen des Landes für Dezember wartet sie noch vergeblich. Worek ist aber zuversichtlich, dass sie noch fließen wird. Bis Ende Januar kann sie die laufenden Kosten auch ohne sie stemmen. „Danach wäre es dann eng“, sagt sie. Allgemein ist die finanzielle Situation ihres Salons alles andere als gut: Ihre Rücklagen seien fast vollständig aufgebraucht.

„Es gibt gerade wichtigere Dinge als einen Haarschnitt“

Friseur-Meisterin Yasemin Worek aus Holzwickede

Hinzu komme die Tatsache, dass sie die 15.000 Euro, die sie für den ersten Lockdown als staatliche Hilfe bekommen hat, bereits im Frühjahr zurückzahlen müsse. Ein Umstand, der ihr kurzfristig zwar geholfen hat, langfristig aber eine dicke Rechnung bedeutet.

Voller Verwunderung hat sie im März außerdem zur Kenntnis genommen, dass sich für dieses Jahr ein Steuerprüfer angemeldet hat. „Man fühlt sich vom Staat zunehmend in die Ecke gedrängt“, erzählt Worek, die der festen Überzeugung ist, dass in ihrem Salon alles mit rechten Dingen zugeht.

Und trotz aller Widrigkeiten will sie den Mut nicht verlieren: Sobald sie wieder öffnen kann, ist sie mit ihrem Team zur Stelle.

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski
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