Darum sollte man nicht unvorbereitet zum Wertstoffhof fahren

Abfallentsorgung

Wer in Holzwickede größere Mengen Abfall entsorgen will, muss zum Wertstoffhof. Mitunter kommt es dann zu Missverständnissen, denn die Abfallwirtschaft ist komplex.

Holzwickede

, 23.08.2019, 17:57 Uhr / Lesedauer: 3 min
Darum sollte man nicht unvorbereitet zum Wertstoffhof fahren

Drei Autos in der Schlange und der nächste Kunde naht: Eine ruhige Minute haben die beiden GWA-Mitarbeiter auch an einem Freitagmittag hier eher selten. © Greis

Sauer sei er gar nicht gewesen. „Ich verstehe nur nicht, warum es kein Entgegenkommen gibt und das so kompliziert sein muss“, sagt Hermann Volke. Als er kürzlich einen alten Koffer am Wertstoffhof entsorgen wollte, habe man ihm vor Ort mitgeteilt, dass das 3,40 Euro koste, weil nach Kofferraumgröße abgerechnet würde. „3,40 Euro? Ich hatte doch nur den Koffer“, sagt Volke.

Seinem Unmut machte der Holzwickeder auf Facebook Luft. Daraufhin entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über Kosten für Kunden, den Service und wie sich Preise und Gebühren überhaupt zusammensetzen. Auch Hermann Volke meldete sich zwischenzeitlich wieder, veröffentlichte ein Antwortschreiben der GWA auf eine Anfrage seinerseits. In der bedauerte die Gesellschaft für Wertstoff-

und Abfallwirtschaft die Unannehmlichkeiten und erklärte, dass man nicht per Kofferraum, sondern nach Sackmenge abgerechnet habe. Und hier beträgt die Gebühr eben für bis zu 100 Liter 3,40 Euro.

Die GWA

Abfallentsorger im Kreis Unna

  • Die 1993 gegründete Gesellschaft für Wertstoff- und Abfallwirtschaft (GWA) ist eine Tochter der Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft Kreis Unna mbH (VBU). Die GWA nimmt die gesetzlichen Aufgaben des Kreises Unna im Bereich der Abfallverwertung und -beseitigung wahr.
  • Zudem kümmert man sich um Produktion und Vermarktung von Sekundärrohstoffen sowie um Abfallberatung.
  • Im Kreis Unna betreibt die GWA sechs Wertstoffhöfe. Der erste dieser Höfe wurde vor 25 Jahren in Holzwickede eröffnet.

Allein was ihre sechs Wertstoffhöfe betrifft, kann man der GWA nicht vorwerfen, dass sie Informationen zum Thema Abfallentsorgung zurückhält. So wird für den Holzwickeder Standort im Internet aufgelistet, welche Abfälle entgegengenommen werden. Es gibt eine Liste mit Preisen und Gebühren für die einzelnen Abfälle, Hinweise auf Serviceartikel wie die Papiertüten für die Biotonne oder den Anhängerverleih. Öffnungszeiten, Telefonnummern – alles da. Und auch im Abfallkalender, der an alle Haushalte geht, stehen ja alle wichtigen Infos.

Und dennoch: Den Überblick bei all den verschiedenen Abfallsorten zu behalten, ist nicht einfach. Beispiel: Kostet die Abgabe einer Kofferraumladung von unbehandeltem Holz 4 Euro, werden für dieselbe Menge behandeltem Holz 18 Euro fällig. Denkt man sich nichts dabei oder kann nicht unterscheiden und liefert einen Mix ab, wird in jedem Fall die teurere Gebühr fällig. GWA-Sprecher Andreas Hellmich sagt deshalb auch klar: „Im Zweifel sollte man den Hörer in die Hand nehmen und sich erkundigen, bevor man sich vor Ort ärgert.“

Kontakt

Antworten auf Fragen zur Abfallentsorgung

  • Der Wertstoffhof in Holzwickede, Friedrich-Ebert-Straße 4a, ist unter Tel. (02301) 44 05 zu erreichen.
  • Die kostenfreie Servicenummer lautet Tel. (0800) 4 00 14 00.
  • Im Internet informiert die GWA unter www.gwa-online.de.
  • Öffnungszeiten: Dienstag 10:30 bis 18 Uhr (mit Schadstoffannahme), Mittwoch 10:30 bis 15 Uhr, Donnerstag 10:30 bis 15 Uhr, Freitag 10:30 bis 18 Uhr (mit Schadstoffannahme), Samstag 9 bis 14 Uhr (mit Schadstoffannahme)

Was auch Hellmich nicht verneinen kann: Die Gebühren auf dem Holzwickeder Wertstoffhof gehören kreisweit zu den höchsten. Eine Gebühr wird fällig auf Holzabfälle, Sperrmüll und Grünschnitt. Die Höhe legt die Gemeinde fest – deshalb unterscheiden sie sich mitunter von denen in anderen Wertstoffhöfen, weil hier die Kommunen selbst bestimmen.

Kosten für Bürger setzen sich aus Gebühren und Preisen zusammen

In der Vergangenheit hat das dazu geführt, dass diese Abfälle nur von Einheimischen an den jeweiligen Wertstoffhöfen entsorgt werden dürfen. „Natürlich wären einheitliche Gebühren erstrebenswert. Da müssten sich aber die Kommunen einigen und das ist schwierig“, sagt Hellmich.

Neben Holz, Sperrmüll und Grünschnitt entfallen aber auch Kosten für Bauschutt und Reifen. Hierfür muss keine Gebühr entrichtet werden, sondern wird ein Preis durch die GWA festgelegt. „Bauschutt ist schwerer zu recyceln, wir müssen mitunter nachsortieren. Das ist ein Arbeitsaufwand“, sagt Hellmich. Je besser Bauschutt vorsortiert ist, desto weniger müsse man zahlen. Wie beim Holz gilt auch hier: Im Zweifel wird dem Kunden bei einem Schutt-Mix der teurere Baustoff abgerechnet.

Darum sollte man nicht unvorbereitet zum Wertstoffhof fahren

Bar- und Kartenzahlung möglich: GWA-Mitarbeiterin Silke Kröger-Fröhlich rechnet einen Kunden ab. © Greis

Grundsätzlich muss man also Gebühren, die von den Kommunen festgelegt werden und Preise, die die GWA selbt bestimmt, unterscheiden. Ein Blick auf die Preisliste zeigt zumindest: Auf den Höfen der GWA von Bergkamen bis Holzwickede sind hier keine Unterschiede auszumachen. Und selbst bei den Gebühren sind die Unterschiede nicht immens. Je nach Abfallsorte kann das bei anderen Entsorgern wie in Unna (Stadtbetriebe) oder in Dortmund-Aplerbeck (EDG) ganz anders aussehen.

Kostenfrei sind indes Altmetalle, Papier oder Altkleider. „Grundsätzlich kann man sagen: Was eine Rendite abwirft, ist kostenfrei“, so Hellmich. Kleine Mengen an Schadstoffen werden wiederum über den Kreis abgewickelt, damit diese nicht im Straßengraben landen – auch hier zahlt der Kunde nichts.

Kein Grund für Umweltfrevel – Elektroschrott ist immer kostenlos

Auch die Abgabe aller Elektrogeräte ist immer kostenlos. „Das ist vom Bund so vorgesehen. Deswegen werde ich nie verstehen, warum man einen Kühlschrank in der Natur entsorgt“, sagt Hellmich. So werde nur die Allgemeinheit mit Kosten belastet. „Und die Entsorgung kann teuer werden, wenn aus einem alten Kühlschrank Gefahrstoffe auslaufen und die Feuerwehr mit großem Besteck anrückt“, so der GWA-Sprecher.

Darum sollte man nicht unvorbereitet zum Wertstoffhof fahren

Fabian Wienke (l.) hilft Rolf Angermann beim Entsorgen eines alten Sonnenschirms. © Greis

Andreas Hellmich ist durchaus bewusst, dass die Abfallwirtschaft komplex und für Kunden nicht immer einfach zu durchblicken ist. „Aber wir haben ganz sicher kein Interesse an verärgerten Kunden. Deshalb: Bei Fragen immer auf uns zukommen“, so Hellmich.

Würde man sich alleine auf die Diskussionen im Internet beziehen, dann dürfte ein Job im Holzwickeder Wertstoffhof nicht immer angenehm sein. Dem widerspricht Fabian Wienke aber: „Klar, es gibt auch mal Diskussionen. Aber ich habe immer gute Laune bei der Arbeit. Wir haben viele nette Kunden; auch Stammkunden, die sehr häufig kommen“, sagt der 28-jährige Lüner.

Wer fragt, dem wird auch geholfen

Und anders als es in den sozialen Netzwerken mitunter kolportiert wird – die Diskussionen bekomme er nämlich durchaus mit, sagt Wienke: „Natürlich helfen wir beim Ausladen – gerade älteren Menschen. Wenn viel los ist, bekommen wir im Trubel aber nicht immer alles mit. Dann muss man uns schon mal direkt fragen, aber wir helfen.“

Zum Ende der Sommerferien herrscht kein Hochbetrieb – der ist meist in der Grünschnitt- und Laubsaison im Frühjahr und Herbst. Zwei GWA-Mitarbeiter wickeln an einem ganz normalen Freitag zwischen 10.30 Uhr und 18 Uhr dennoch um die 200 Kunden ab.

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