Ein Leben lang die Hand am Rohr: Wasserversorgung verliert einen wahren „Zehnkämpfer“

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Der Eintritt in den Ruhestand ist für viele Menschen ein beeindruckendes Erlebnis. Norbert Gerund hat dabei gemischte Gefühle: Für 42 Jahre war er in Holzwickede gewissermaßen der „Herr des Wassers“.

Holzwickede

, 03.11.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein außergewöhnlicher Abschied, den Norbert Gerund in dieser Woche bei der Wasserversorgung feierte. Der Gas- und Wasserinstallateur war für insgesamt 41 Jahre für die Gemeinde im Einsatz. Wenn bei Wind und Wetter die Wasserrohre brachen, rückte er mit seinen Kollegen raus und legte Hand an. Eine körperlich anspruchsvolle Aufgabe, die bei ihm auch Spuren hinterlassen hat.

Viele Kollegen feiern verdienten Ruheständler

Als der frisch gebackene Rentner zu seiner Verabschiedung kommt, ahnt er noch nicht, dass neben Vertretern der Gemeinde und seiner Familie auch viele seiner Kollegen anwesend sein würden. Sie ließen es sich nicht nehmen, persönlich dabei zu sein, wenn ein ebenso verdienter wie geschätzter Kollege seinen Arbeitsplatz wohl für immer räumt.

Ein Leben lang die Hand am Rohr: Wasserversorgung verliert einen wahren „Zehnkämpfer“

Neben Vertretern der Gemeinde kamen zu Norbert Gerunds Verabschiedung auch viele Kollegen. Als Geschenk überreichten sie ihm einen Werkzeugkoffer. © Carlo Czichowski

Im Gespräch gestikuliert Gerund sehr wenig. Dafür ist seine Mimik deutlich markanter: Als er über seinen persönlichen Werdegang ins Plaudern kommt, zieht er immer wieder die Augenbrauen nach oben und fängt an zu lachen. Seinem Chef Stefan Petersmann wirft er dann ein ums andere Mal einen Blick zu.

Kein Wunder, denn der Ruheständler hat so manche lustige Anekdote auf Lager. Geschichten aus einem rund 50-jährigen Arbeitsleben, dessen Schauplätze immer nur innerhalb der Grenzen der Gemeinde lagen. Und darauf ist der gebürtige Holzwickeder sehr stolz.

Letzter Arbeitstag am Donnerstag

„Ich habe meine Lehre bei der Firma Scholz an der Mozartstraße gemacht“, sagt der frisch gebackene Ruheständler, der am Donnerstag zum letzten Mal in die Arbeitskleidung geschlüpft ist. Nach der Lehre ging es dann nahtlos zur Wasserversorgung.

Ein Leben lang die Hand am Rohr: Wasserversorgung verliert einen wahren „Zehnkämpfer“

Lachend in den Ruhestand: Norbert Gerund blickt auf ein bewegtes Arbeitsleben. Fast 42 Jahre war er für die Wasserversorgung in Holzwickede unterwegs. © Carlo Czichowski

Seit dem 1. Januar 1978 gehörte er zu den regelrechten „Zehnkämpfern“, wie Chef Stefan Petersmann die Mitarbeiter der Wasserversorgung bezeichnet. Damit möchte er zum Ausdruck bringen, was die Monteure alles leisten.

Zu ihren Aufgaben gehört nämlich nicht nur zum Beispiel die Wartung des Rohrnetzes, oft streifen sie sich auch mal für Streicharbeiten den Malerkittel über. „Im Grunde machen sie alles, was zum operativen Geschäft dazugehört“, sagt Petersmann. Bis auf Tiefbauarbeiten sei alles dabei.

„Deshalb war er für uns so wichtig“

Gerund hat in den vergangenen Jahrzehnten auch die Digitalisierung in der Wasserversorgung mitbekommen. Alle Arbeitsabläufe kennt er natürlich auch aus eher analogen Zeiten. „Deshalb war er für uns auch so wichtig“, sagt Petersmann.

In den letzten Jahren war Gerund vor allem damit beschäftigt, seine Erfahrung an jüngere Kollegen weiter zu geben. „Mit ihm geht uns sehr viel Wissen verloren“, erklärt Petersmann. So ist inzwischen zwar das gesamte Rohrnetz digital erfasst worden. Gerund hat einen Großteil dieser Daten aber in seinem Kopf. Teilweise sind seine Angaben noch präziser als die auf den Festplatten der Computer.

Und nicht nur unter seinen Kollegen war der Holzwickeder beliebt. Viele Menschen kennen ihn. Nicht zuletzt, weil er an zahllosen Haustüren in der Gemeinde schonmal geklingelt hat, um Leitungen zu kontrollieren. „Es kam durchaus vor, dass mir Hausfrauen die Tür geöffnet haben und mich sofort erkannten. Wenn der Ehemann dann fragte, wer da an der Tür ist, dann haben die nur oft gesagt: Ach, der kommt schon seit vielen Jahren hierher“, erzählt Gerund mit einem Schmunzeln.

Ein Leben lang die Hand am Rohr: Wasserversorgung verliert einen wahren „Zehnkämpfer“

Hat jetzt deutlich mehr Zeit für seine Ehefrau Marion und seine beiden Enkel: Der frisch gebackene Ruheständler Norbert Gerund. © Carlo Czichowski

Körper machte nicht mehr richtig mit

Auf die Zeit im Ruhestand blickt er genauso wie seine Kollegen: Mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge. Denn auf der einen Seite hat ihm der Job sehr viel Spaß gemacht. Auf der anderen Seite hat er zunehmend gespürt, dass sein Körper nicht mehr richtig mitmacht. Zu anstrengend war die Arbeit an fast zwei Zentner schweren Hydranten.

Jetzt hat er immerhin sehr viel Zeit für seine Ehefrau Marion und seine beiden Enkel Hannes und Henning. Und der Wasserversorgung wird er gerne noch beratend zur Seite stehen, wenn nach Rat verlangt wird, denn „ich bin ja nicht aus der Welt.“

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