Was die Pest im Mittelalter und das Coronavirus in der heutigen Zeit gemeinsam haben

dzKulturschaffende in Holzwickede

Geli Hartjenstein ist Autorin und hat kürzlich an einer Anthologie rund um die Pest mitgewirkt. Die Krankheit weist viele Parallelen zum Coronavirus und dem Umgang damit auf.

Holzwickede

, 09.08.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was haben die Pest im Mittelalter und das Coronavirus in der heutigen Zeit gemeinsam? Mehr, als man im ersten Augenblick meinen möchte. Die Holzwickederin Geli Hartjenstein ist Autorin und hat an einer Kurzgeschichten-Sammlung (Anthologie) rund um das Thema Pest mitgewirkt. Die ist der aktuellen Corona-Krise in manchen Punkten nicht unähnlich.

„Das war genau mein Ding“, sagt sie über den Moment, als sie auf die Ausschreibung des Burgenwelt-Verlages stößt. „Ich interessiere mich für das Mittelalter und finde die Pest sehr spannend.“ Wie viele andere Autoren der Anthologie stürzt sie sich in die Recherchen.

Ich möchte nicht in meiner Wohnung eingenagelt werden.
Geli Hartjenstein

Herausgekommen ist eine Kurzgeschichte, die ein „emotionaler Tritt in die Eier“ ist, wie Hartjensteins Freunde es ausdrücken. Hartjenstein erzählt die Geschichte einer Familie, in der die Pest ausbricht. Erst wird noch krampfhaft versucht, die Krankheit geheimzuhalten, bevor das Unvermeidliche geschieht: Die Familie wird in ihren eigenen vier Wänden eingemauert – zusammen mit dem Erreger.

Drastische Maßnahmen aus Angst

Es ist eine Ausgangssperre der drastischen Art, wie sie damals üblich war, erzählt Hartjenstein. Aus Angst vor einer Ansteckung vernagelte man die Häuser der Infizierten und ließ die Betroffenen darin elendig zugrunde gehen. „Nach drei Wochen kamen sie dann, um die Leichen herauszuholen.“ Eine brutale Quarantäne, geboren aus der Hilflosigkeit der Leute.

Nach drei Wochen kamen sie dann, um die Leichen herauszuholen.
Geli Hartjenstein

Die 49-Jährige hat eine Geschichte geschaffen, mit der sie zum Nachdenken anregen möchte. In ihrer Kurzgeschichte erkennbar ist dabei die Angst der Leute, die mit dem Einsperren der Erkrankten und der Verfolgung einhergeht. Ein Thema, das durch die derzeitige Situation wieder aktuell geworden ist.

Die Art, wie das Volk mit der Pest umgegangen ist, die Panikmache, die Verängstigung, die findet Hartjenstein auch in den modernen Hetzjagden wieder. „Da herrscht viel Unsicherheit und Angst. Das ist gar nicht so anders als damals.“

Angst vor weiterem Verlauf des Virus

Die Parallelen sind gegeben, entmutigen lässt sich Hartjenstein davon nicht. „Vielleicht können wir daraus lernen.“ Die Geschichte wiederholt sich. Dass es nicht so ausartet wie zu Zeiten des Mittelalters heiße dabei nur, dass die Menschen gelernt hätten, damit besser umzugehen.

Mehr zum Thema

Rund um die Autorin

  • Die Holzwickederin lebt seit acht Jahren in der Emscherquellgemeinde. Sie schreibt unter ihrem Mädchennamen Geli Grimm.
  • Sie schreibt mit einer Vorliebe für morbide Geschichten, die zum Nachdenken anregen.
  • Die Anthologie ist unter dem Namen „Die Schatten des Schwarzen Todes“ beim Burgenwelt Verlag erschienen.
  • Geli Hartjenstein hat bereits in mehreren Anthologien mitgewirkt und unter anderem auch selbst schon eine herausgebracht. Mehr zu ihr erfahren Sie auf ihrer Internetseite unter geli-grimm.de

„Ich möchte nicht in meiner Wohnung eingenagelt werden.“ Sie hofft auf die Vernunft der anderen, Abstand und Maßnahmen zu beherzigen, um einen harten Lockdown zu vermeiden. „Ich wünsche mir, dass die Leute durchhalten.“ Auch für die Menschen, deren Existenz durch die Krise bedroht wird. „Wir brauchen keine neue Pest hier, wo alles zugemacht werden muss“, sagt sie zu der drohenden zweiten Welle. Sie empfiehlt das Buch allen Neugierigen. „In der Anthologie gibt es so viele unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema.“

Die Autorin hat sich in den vergangenen Jahren auf das Schreiben von Kurzgeschichten spezialisiert. „Ich liebe diese Herausforderung, mit wenigen Worten die Menschen zu erreichen und etwas zu bewirken.“ Die Kunst des Kurzgeschichtenschreibens ermögliche, die Menschen zu erreichen, die „keine Zeit für dicke Wälzer“ haben.

Geli Hartjenstein hat sich dem Schreiben verschrieben. Neben ihren Kurzgeschichten arbeitet sie auch als freie Mitarbeiterin für den Hellweger Anzeiger.
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Corona-Lieferdienst
„Howilieferts“ bleibt online und könnte in einem neuen Gutschein-System aufgehen
Hellweger Anzeiger Kanalnetz
„Nicht hinnehmbar“: Fünf Millionen Euro teures Abwasser-Konzept wirft Fragen auf
Hellweger Anzeiger Wohnpark Emscherquelle
Stau in der Ortsmitte vermeiden: Wohin mit dem Verkehr aus dem neuen Wohngebiet?
Hellweger Anzeiger Corona-Pandemie
Button-Aktion bringt über 1000 Euro für die Coronahilfe der Aktion Lichtblicke
Meistgelesen