„Wahnsinn“: Kassenbon-Pflicht ist für Kiosk-Besitzer (53) ein Gesetz für die Mülltonne

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Für jeden noch so kleinen Einkauf müssen Kioskbesitzer ab nächstem Jahr einen Kassenbon ausstellen. Das Gesetz soll Steuervergehen vorbeugen, sorgt aber auch für neue Müllberge, die nicht recycelbar sind.

Holzwickede

, 24.11.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kleiner Zettel, großer Ärger: Wenn man Michael Voss auf das Thema Kassenbon anspricht, bleibt er vordergründig ruhig und besonnen. Innerlich brodelt es in ihm aber förmlich. Ab dem 1. Januar muss der Inhaber von Howis Lädchen nämlich bei jedem Einkauf einen Kassenzettel ausstellen – ohne Ausnahme.

Für Voss ist das in Zeiten von hitzig geführten Klima-Debatten die reinste Farce: „Der Umweltgedanke ist das schlimmste daran“, sagt er und schüttelt mit dem Kopf. „Wir reden andauernd über CO2 und die Erderwärmung und dann kommt sowas.“ Mit anderen Worten: Das bundesweit geltende Gesetz ist in seinen Augen im doppelten Sinne etwas für die Tonne.

Kunden wollen gar keinen Kassenzettel haben

Denn nach seiner Erfahrung möchten die meisten Kunden noch nicht mal einen Kassenzettel haben. „Wir haben derzeit schon die Möglichkeit Kassenbons anzubieten. Bei jedem Verkauf frage ich, ob der Kunde ihn haben möchte. In mehr als 98 Prozent der Fälle wird der aber abgelehnt“, erklärt der 53-Jährige.

Lediglich bei Kartenzahlungen wird er gerne mitgenommen, „wenn jemand zuhause überprüfen möchte, ob die abgerechnete Summe auch stimmt.“ In aller Regel muss Voss aber keinen Zettel ausdrucken.

Die meisten Bons landen im Müll

Die umweltschonende Variante, wie er findet. Denn die meisten Bons landen ohnehin irgendwann in der Tonne, wenn sie nicht gerade zwischen den Geldscheinen eine Zeit lang im Portemonnaie herumgeschleppt werden.

Derzeit verbraucht Voss in seinem Laden im Jahr knapp vier Bonrollen. Eine kostet in etwa 3 Euro. Sobald das Gesetz greift, geht er von einem Verbrauch von ungefähr 50 aus. „Das kann ich schlecht schätzen. Bei knapp 200 Kunden am Tag kommt das aber hin.“

Zettel-Wahnsinn ist die reinste Verschwendung

In Anbetracht der Tatsache, dass die meisten Kunden sie gar nicht haben wollen, ist der zu erwartende Zettel-Wahnsinn eine ziemliche Verschwendung: „Wenn ich für sieben Euro Zigaretten kaufe, brauche ich doch nicht unbedingt einen Kassenbon“, findet Voss.

„Wahnsinn“: Kassenbon-Pflicht ist für Kiosk-Besitzer (53) ein Gesetz für die Mülltonne

Kiosk-Inhaber Michael Voss ist sich sicher: Die Kassenbons landen sofort in der Tonne. Spätestens jedenfalls sobald sie eine Zeit lang im Portemonnaie herumgetragen wurden. © Carlo Czichowski

„Das ist als würde eine Fabrik Papier herstellen und es direkt wegwerfen“, ärgert sich Voss. Das größte Problem ist, dass Kassenzettel in den meisten Fällen nicht recycelbar sind. Sie bestehen nämlich vorwiegend aus beschichtetem Thermopapier und gehören daher nicht in den Altpapiercontainer.

Auch Bäckereien und Imbisse sind von der Bon-Pflicht betroffen

Neben Kiosk-Besitzern betrifft das Gesetz aber auch Bäckereien und Döner-Läden. In einigen Imbiss-Buden werden ohnehin schon seit geraumer Zeit Kassenbons angeboten. Die Umstellung dürfte außerdem also eher Bäckereien betreffen, weil auch für ein einziges normales Brötchen, das in der Regel weniger als 50 Cent kostet, demnächst auch ein Bon ausgestellt werden muss.

Neben den umwelttechnischen Bedenken gibt es aber auch die finanziellen Folgen, die Voss befürchtet: In Howis Lädchen könnte das Gesetz nämlich Auswirkungen auf die Preise haben.

Preise könnten steigen

Voss befürchtet, dass durch die plötzlich steigende Nachfrage nach Kassenbons, wie in einer sozialen Marktwirtschaft üblich, auch der Preis steigen könnte. Preiserhöhungen für die Produkte in seinem Laden schließt er demnach nicht unbedingt aus.

Für ihn ist und bleibt die Gesetzesänderung eine reine Ressourcenverschwendung. Daran ändern kann er nichts. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als sich auf die Umstellung einzustellen. „Ich kann vor meinem Laden dann ab Januar einen zweiten Mülleimer nur für Kassenbons aufstellen“, sagt er. Dann landen die Zettel wenigstens sicher nicht vor seinem Laden oder auf der Straße.

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