Von Nazis verfolgt: Die Geschichte eines blonden Flüchtlings mit blauen Augen

dzHaus Opherdicke

Als Hitler die Macht ergriffen hat, haben viele deutsche Künstler das Land verlassen. Sich woanders ein neues Leben aufzubauen, war damals mindestens genauso schwierig wie heute.

Holzwickede

, 08.10.2020, 17:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass das Deutschland der 1930er-Jahre für viele Freigeister kein angenehmes Umfeld war, liegt auf der Hand: Wenn ein Werk nicht in den Zeitgeist passte, wurde es im schlimmsten Fall als „entartet“ gebrandmarkt. Die Werke von solchen Künstlern hängen derzeit im Museum auf Haus Opherdicke. In dieser Woche startet dort ein neues Format.

Weil im Museum auf Haus Opherdicke derzeit keine Führungen mit großen Gruppen möglich sind, ist das Kuratoren-Duo, Sally Müller und Arne Reimann, um neue Darstellungsformen bemüht, mit denen es Kunstinteressierte in Zeiten der Corona-Pandemie erreichen will.

Bis zu 80 Plätze für ein Kuratorengespräch auf Haus Opherdicke

Ergänzend zu mehreren Podcasts, die Müller und Reimann über die aktuelle Ausstellung „Nach Norden“ produziert haben, können Kunstliebhaber am Sonntag, 11. Oktober (Beginn ist um 15 Uhr), auch an einem Kuratoren-Gespräch in der Scheune auf Haus Opherdicke teilnehmen, um hintergründige Informationen über die Werke und Künstler zu erfahren.

Sicherer Hafen, düsteres Ambiente: In seinen Werken hat der Künstler Bruno Krauskopf seine Fluchterlebnisse verarbeitet.

Sicherer Hafen, düsteres Ambiente: In seinen Werken hat der Künstler Bruno Krauskopf seine Fluchterlebnisse verarbeitet. © Udo Hennes

Was die Besucher in der Scheune erwartet, können Müller und Reimann am Beispiel eines Künstlers mit einer besonderen Fluchtgeschichte erklären: Bruno Krauskopf. Seine Fluchterfahrung lässt sich laut Müller und Reimann durchaus mit den Erlebnissen von Flüchtlingen in der heutigen Zeit vergleichen.

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Bruno Krauskopf flüchtet nach Norwegen und wird der Spionage bezichtigt

Der in Deutschland geborene Künstler ist 1933 aus seiner Heimat geflüchtet. Zunächst fand er in Norwegen Unterschlupf. Als Deutschland dort einfiel, tauchte er unter, lebte und malte in seinem Atelier im norwegischen Untergrund weiter. Nach Kriegsende wurde er von der norwegischen Polizei der Spionage für Deutschland bezichtigt, für zehn Wochen inhaftiert. Sein gesamtes Vermögen wurde beschlagnahmt. Von dort aus flüchtete er in die USA.

Trotz jahrelanger Flucht immer beruflich erfolgreich

Aus Sicht der beiden Kuratoren eine außergewöhnliche Geschichte: „Er hat eigentlich überall Fuß gefasst“, sagt Reimann. Über mehrere Jahre sei er fast durchgehend auf der Flucht und trotz aller Widrigkeiten beruflich erfolgreich gewesen.

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Seine Werke aus der Zeit im Exil sind teilweise stark von Fluchterfahrungen geprägt, von dem schwierigen Verhältnis zur Heimat – und sich ständig irgendwo neu einleben zu müssen. Über ihn und einige weitere Künstler wollen Müller und Reimann am Sonntag sprechen. Nicht nur, um die Werke aus dem Museum vorzustellen, sondern auch um die Menschen für das Thema Krieg und Flucht zu sensibilisieren.

Wer sich für das Kuratorengespräch am Sonntag interessiert, kann sich unter Tel. (02301) 918 39 72 oder per E-Mail an kultur@kreis-unna.de anmelden. Die Teilnehmerzahl ist auf 80 beschränkt. Zudem müssen Besucher die Hygiene- und Abstandsregeln beachten.
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