Wenn Eltern bei der Aussprache ihrer Kinder auf Auffälligkeiten stoßen, kann eine Sprachtherapie helfen. Eine Holzwickeder Logopädin erklärt, mit welchen Fällen sie zu tun hat.

Holzwickede

, 09.11.2019, 16:58 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nina Flunkert spricht sehr schnell. Zwischendurch macht sie kurze Redepausen. Dann schaut sie ihrem Gesprächspartner nicht in die Augen, ihr Blick schweift stattdessen ein wenig im Raum umher. Ehe sie antwortet, hat die sie die passenden Worte parat.

Ins Stammeln und Stottern gerät sie gar nicht. Das kommt nicht durch Zufall: Sie ist Logopädin. Holzwickeder ziehen sie zu Rate, wenn die Zunge nicht so mitmacht, wie es das Gehirn ursprünglich vorgesehen hat.

Sprache als Stolperstein

Mit allen Sprachstörungen kennt sie sich aus. Kein Wunder, denn die Ausbildung zum Logopäden ist ziemlich aufwendig und durchaus anspruchsvoll, wie Flunkert verrät. Im Umgang mit ihren Klienten muss sie sorgfältig sein. Das, was ihre Therapie anpackt, ist für die meisten Menschen besonders wichtig: Die Sprache.

Vier verschiedene Störungen gibt es, mit denen Flunkert zu tun hat. Sprach-, Stimm-, Schluck- und Hörstörungen sind die Ursachen, die ihre Klienten zu einer Therapie bewegen. Meistens behandelt sie allerdings Kinder.

Von Lispeln bis Stottern: Wenn die Sprachstörung zur Belastung wird

Nina Flunkerts Klienten lernen, wie sie Zunge, Mund und Atmung kontrollieren. Das Ziel der Therapie ist eine klare und gesunde Aussprache. © Carlo Czichowski

Das ist ihrer Praxis auch durchaus anzusehen: Sie ist hell eingerichtet, an der Wand hinter ihrem Schreibtisch hängen viele selbst gemalte Bilder. Auf der anderen Seite, jenseits von Computer und Arbeitsmappen stehen zwei Stühle. In der Regel kommen Kinder nämlich in Begleitung ihrer Eltern hierher.

Bei kleinen Störungen sind 30 Sitzungen nötig

Was sie in der Therapiestunde lernen, sollen sie schließlich auch immer und überall üben. Die Beseitigung eines Sprachfehlers ist keine Sache von wenigen Wochen: „Wenn jemand seit 30 Jahren lispelt, braucht es mindestens doppelt so lange, bis er die Störung überlernt hat“, sagt die zweifache Familienmutter aus Holzwickede.

Ihr Beruf macht ihr Spaß, auch wenn er manchmal Fluch und Segen zugleich ist. Denn nicht nur in ihrer Praxis hat sie viel mit Sprachfehlern zu tun, sondern natürlich auch oft privat. Egal ob beim Supermarkt an der Kasse oder im Bekanntenkreis, überall wird gelispelt und gestammelt.

„Das Leben ist auf jeden Fall anstrengender“

„Das Leben ist auf jeden Fall anstrengender, wenn man das alles hört“, sagt sie und lacht, auch wenn es ihr niemals einfallen würde, ungefragt Tipps zu geben. Das hält sie für unpassend. Nur auf enge Freunde geht sie vielleicht mal zu und erteilt Ratschläge, wenn sie es für sinnvoll hält.

Bei vielen Menschen ist dieses Thema nämlich mit Eitelkeiten verbunden. Sich oder seinem Kind eine Störung bei der Aussprache einzugestehen ist nämlich nicht für jeden einfach.

Die Zahl der Betroffenen ist ungemein hoch, weiß Flunkert. Es gibt eine große Grauzone: „Manche Menschen leben damit ihr Leben lang“, sagt Flunkert. Den Menschen, die regelmäßig mit Betroffenen sprechen, fallen die Auffälligkeiten nach einiger Zeit manchmal schon gar nicht mehr auf.

Wer hingegen zum Punkt der Einsicht angelangt ist, der landet dann vielleicht in ihrer Praxis. Für die Therapie gibt es gewisse Strukturen. Bei einem Erstgespräch macht sich Flunkert erst ein Bild vom Ausmaß der Störung. Dann erstellt sie eine Diagnose. Oft greifen auch gleich mehrere Störungen ineinander.

Saubere Aussprache durch praktische Übungen

In diesen Fällen ist die Behandlung dann besonders aufwendig. Stück für Stück arbeitet sie sich durch die Probleme hindurch. Mit praktischen Übungen übt sie mit ihren Klienten nicht nur eine saubere Aussprache, sondern auch die richtige Atmung.

Bei nur einer Störung dauert eine Therapie im Durchschnitt rund 30 Stunden. Im bisher kompliziertesten Fall ging ein Kind bisher über vier bis fünf Jahre hinweg in ihrer Praxis ein und aus - und tut es immer noch. Die Arbeit mit Kindern ist vor allem aus einem Grund angenehm. Sie sind bedingt durch ihr Alter noch deutlich lernfähiger als Erwachsene und auch offener im Umgang mit Neuem.

Doch auch mit älteren Menschen hat sie zu tun. In den meisten Fällen geht es dabei um neurologische Erkrankungen. Parkinson- oder Schlaganfall-Patienten zählen etwa zu ihren Klienten. In beiden Krankheitsbildern schlagen die Symptome auf die Sprache um. Sie wieder zu erlernen, ist dann nicht ganz einfach.

Zusammenarbeit mit Ärzten ist notwendig

Dabei tauscht sie sich auch oft mit anderen Stellen aus, an denen ihre Klienten behandelt werden. In den meisten Fällen sind es Ärzte. Das sei nicht immer einfach, aber notwendig, um alle Therapien mit einander in Einklang zu bringen.

Bei all der Zufriedenheit mit ihrer Berufswahl, hat sie aber in einem Punkt nur wenig Verständnis. Kritisch schaut sie auf die teils kostspielige Ausbildung, die angehende Logopäden unter anderem an teuren Privatschulen absolvieren können.

„Wir kämpfen dafür, dass die Ausbildung nichts mehr kostet“, sagt sie. Dadurch würde der Beruf sicher attraktiver werden, außerdem noch mehr fähige Logopäden ihre eigenen Praxen eröffnen. Der Bedarf ist immerhin enorm groß, auch wenn bei Weitem nicht alle Betroffenen den Schritt zu einer Therapie wagen.

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