Im Grunde sind Kinder und Jugendliche in Holzwickede ganz zufrieden. Trotzdem offenbart eine Umfrage Handlungsbedarf. Und das nicht nur, was die Freizeitgestaltung in der Gemeinde angeht.

Holzwickede

, 28.10.2019, 14:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 1999 hat sich vieles geändert. In der Gemeinde Holzwickede, aber auch in der Gesellschaft insgesamt. Damals, also vor nunmehr zwei Jahrzehnten, haben die Verantwortlichen der hiesigen Jugendarbeit das erste Mal eine Umfrage zum Freizeitverhalten Holzwickeder Kinder und Jugendlicher durchgeführt.

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Die Ergebnisse von damals sind mit denen von heute freilich nicht vergleichbar. Wenngleich so manch ein Punkt auf den Wunschzetteln von heute sich auch auf denen von damals findet. Eishalle, Kino, Shoppingcenter und Tanzschule etwa.

Jeder Fünfte bleibt in seiner Freizeit vor allem zu Hause

Das Freizeitverhalten von Kindern und Jugendlichen aber hat sich grundsätzlich geändert. Smartphones und soziale Netzwerke spielen heute oftmals schon eine größere Rolle als Spielekonsolen. Und letztere waren in den 1990er-Jahren nicht mal annähernd so stark verbreitet, wie es heute Smartphones sind. 97 Prozent der befragten Jugendlichen gaben denn auch an, in Besitz eines Smartphones zu sein, und immerhin jeder vierte von ihnen nutzt es offenbar fünf oder sogar mehr Stunden am Tag. In diesem Lichte überrascht kaum, dass jeder fünfte Umfrageteilnehmer (22 Prozent) angegeben hat, seine Freizeit vor allem zuhause zu verbringen.

Wer sich in Holzwickede nicht wohlfühlt, findet es meist langweilig

Daraus allerdings zu folgern, Holzwickede sei unattraktiv für Kinder und Jugendliche, wäre weit gefehlt. Denn auch das ist ein Ergebnis der Umfrage: Fast neun von zehn Kindern und Jugendlichen (87 Prozent) gaben an, sich in Holzwickede durchaus wohl zu fühlen. Diejenigen, die sich hier weniger oder gar nicht wohlfühlen, gaben als häufigsten Grund an, dass man in Holzwickede wenig unternehmen könne.

Und das ist wohl auch die wichtigste Erkenntnis der Umfrage. Die Freizeitangebote in der Gemeinde sind Kindern und Jugendlichen nicht vielseitig genug. Und diejenigen, die in den Nachbarstädten Dortmund und Unna mannigfaltig geboten werden, scheinen für sie schlecht erreichbar zu sein.

Hintergrund

Über die Umfrage

  • Nach 1999, 2006 und 2015 ist es die vierte Umfrage dieser Art.
  • Sie wurde vor den Sommerferien unter Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren am Clara-Schumann-Gymnasium, an der Josef-Reding-Schule und der Karl-Brauckmann-Schule sowie in Unna an der Hellweg-Realschule und der Peter-Weiss-Gesamtschule durchgeführt.
  • Von rund 1000 Umfragebögen kamen 649 zurück; 65 mehr als bei der letzten Umfrage im Jahr 2015.
  • Die meisten Teilnehmer waren zwischen elf und 16 Jahre alt, es nahmen etwas mehr Mädchen (343) als Jungs (296) teil. Zehn gaben als Geschlecht divers an.
  • Über drei Viertel der Teilnehmer wohnen in Holzwickede (522), davon die meisten (510) im Zentralort. 28 Prozent der Befragten gaben an, ihre Freizeit nicht oder nur manchmal in Holzwickede zu verbringen.

Denn vieles, was auf den Wunschzetteln der Kinder und Jugendlichen steht, findet sich zwar nicht in Holzwickede, dafür aber in unmittelbarer Nachbarschaft. Lasertag, Trampolinhalle und Restaurants etwa, Kinos, Shoppingcenter und Freizeitparks ebenfalls. Erstens wünschen sich aber 71 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass diese Angebote in Holzwickede geboten werden. Und zweitens erreicht nur jeder Vierte das Freizeitangebot seiner Wahl nur mit Bus (15 Prozent) und Bahn (12 Prozent), dagegen lässt sich jeder Fünfte (21 Prozent) mit dem Auto bringen. Immerhin über die Hälfte der Kinder und Jugendlichen ist in seiner Freizeit zu Fuß (26 Prozent) oder mit dem Auto (23 Prozent) unterwegs. Das schränkt den Bewegungsradius freilich ein.

Kritik an ÖPNV vor allem von Jugendlichen aus den Ortsteilen

Da überrascht fast ein wenig, dass sechs von zehn befragten Kindern und Jugendlichen angegeben haben, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zufrieden zu sein. Diejenigen, die unzufrieden sind, bemängeln vor allem Taktung und Pünktlichkeit von Bus und Bahn; und das betrifft, wenig überraschend, vor allem diejenigen aus den Ortsteilen.

Von klasse bis öde: So finden Kinder und Jugendliche die Gemeinde Holzwickede

Ralf Sonnenburg, Leiter des Treffpunkts Villa, stellte die Ergebnisse der Umfrage am Montag Politik und Öffentlichkeit vor. © Udo Hennes / Archiv

Welche konkreten Erkenntnisse die Verantwortlichen aus der Umfrage für die Jugendarbeit vor Ort ziehen, ist indes noch offen. Man wolle sie in die Planung fürs nächste Jahr einfließen lassen, unter anderem mehr Elternschulungen beispielsweise für Smartphones anbieten, so Ralf Sonnenburg vom Kinder- und Jugendbüro. Grundsätzlich aber handle es sich erst mal um eine Bestandsaufnahme für Politik und Verwaltung, so Klaus Neumann, Leiter des Treffpunkts Villa. Und natürlich sollen die Statistiken auch Thema der Vollversammlung des Ortsjugendrings im November werden.

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