Von Facebook bis Netflix: Wenn Verstorbene noch im Internet „herumgeistern“

dzTestament

Viele Menschen treffen frühzeitig Vorkehrungen für ihren Tod und setzen ein Testament auf. Sich auch mit seinen digitalen Hinterlassenschaften zu beschäftigen, könnte sich finanziell lohnen.

Holzwickede

, 26.11.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fast jeder kennt einen Menschen, dessen Profil noch nach seinem Tod in Sozialen Netzwerken „herumgeistert“. In manchen Fällen verwandelt sich eine Facebook-Seite eines Verblichenen dann zu einem digitalen Kondolenzbuch, wo Bekannte noch eine Zeit lang trauern können.

Das kann durchaus schön sein, sofern der Verblichene und seine Angehörigen sich das so gewünscht haben und die Posts nicht pietätlos daherkommen. Für manche Menschen kann das aber auch zum Alptraum werden. Sie bekamen in der Vergangenheit in vielen Netzwerken den Account eines toten Angehörigen teilweise nur schwer gelöscht.

Geburtstagsgrüße für Verstorbene im Internet

Besonders skurril: In manchen Fällen bekommen Tote noch regelmäßig auf Facebook öffentlich Geburtstagsgrüße übermittelt. In solchen Fällen war es zuletzt nicht gerade einfach, das Konto einfach löschen zu lassen. Noch vor einem Jahr fällte das BGH eine Grundsatzentscheidung, nach der der digitale Nachlass wie der analoge zu behandeln ist.

Anlass war eine Klage von Eltern, die im Internet der Todesursache ihrer 15-jährigen Tochter auf den Grund gehen wollten. Facebook verwehrte ihnen zunächst den Zugriff auf das Konto der 15-Jährigen. Seit dem BGH-Urteil sind die Hürden für Angehörige niedriger geworden.

Facebook

Digitaler Nachlassverwalter

  • Bei Facebook können Nutzer zurzeit schon einen Nachlasskontakt hinterlegen und eine Person angeben, die sich nach dem Tod um das jeweilige Konto kümmern soll.
  • Zudem besteht die Möglichkeit, den Account in den Gedenkmodus versetzen zu lassen, sobald sich nahe Verwandte mit Facebook in Verbindung setzen. Auf dem Profil der verstorbenen Person wird vor ihrem Namen In Erinnerung an angezeigt. In ein Konto im Gedenkzustand kann man sich nicht mehr einloggen.

Wer frühzeitig vorsorgt, bei dem kann der digitale Nachlass aber auch mit der Bestattung abgewickelt werden. Mit diesem Thema beschäftigt sich seit etwas mehr als einem Jahr Bestattermeister Sascha Bovensmann aus Holzwickede.

Der 47-Jährige leitet das Bestattungsunternehmen Gössmann an der Hauptstraße. Bezüglich der Vorkehrungen für den Tod erwartet Bovensmann bei den meisten Menschen in den kommenden Jahren Veränderungen. Die Digitalisierung spielt dabei eine entscheidende Rolle.

„So vorausschauend ist noch keiner“

Denn zum einen kann man bei Gössmann seit einiger Zeit die Bestattungskosten im Internet berechnen, zum anderen aber auch seinen digitalen Nachlass regeln lassen. Wie Bovensmann erklärt, wird dieser Service aber bisher noch nicht allzu häufig genutzt. „So vorausschauend ist noch keiner“, sagt Bovensmann. In den kommenden Jahren rechnet er aber damit, dass die Nachfrage deutlich steigen wird.

Die Bestattungsfirma lagert diesen Prozess aus. „Es ist nicht so, als würde ich dann am Rechner sitzen, mich in den Account einloggen und ihn dann löschen“, erklärt er. Dafür kooperiere er mit einer externen Firma, die darauf spezialisiert ist.

Guthaben bei Wettanbietern auszahlen lassen

Das ganze läuft dann völlig automatisiert ab. Entweder kann man selbst bestimmen, welche Accounts nach dem Tod gelöscht werden sollen. Vom Facebook-Konto über den Netflix-Account bis hin zum Wettanbieter. „Dabei wird auch überprüft, ob irgendwo noch Guthaben existieren, die sich Angehörige dann auszahlen lassen können“, sagt Bovensmann.

Mit dem digitalen Angebot des Bestattungsunternehmens möchte sich Bovensmann auf eine Zukunft vorbereiten, in der Menschen auch in Fragen rund um den Tod, so vermutet er, immer mehr auf das Internet setzen werden. „Wir arbeiten derzeit an einer Plattform, mit der man fast alle bestattungstechnischen Fragen übers Internet regeln kann“, verrät der 47-Jährige.

Bestattung bequem von der Couch aus planen

Ein Besuch beim Bestatter, für viele ein unbehaglicher Termin, sei dann nicht mehr zwingend notwendig. Wenn sich Menschen künftig von zuhause aus in einem geschützten Raum mit dem Thema Tod befassen würden, könnte das deutlich angenehmer sein.

Darüber hinaus kann man derzeit schon die finanzielle Belastung sofort einsehen. „Viele Menschen fragen mich, wieviel eine Beerdigung kostet. Da kann ich genauso fragen: Wie teuer ist ein Auto?“, sagt Bovensmann.

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