Ein Unendlichkeitszeichen auf dem Unterarm, ein Tattoo unter dem Fuß oder doch lieber ein Dixi-Klo auf der Wade? In Holzwickeder Tattoo-Studios äußern Kunden durchaus kuriose Wünsche.

Holzwickede

, 22.02.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Tattoos erfreuen sich bei den Deutschen immer größerer Beliebtheit und sind längst nichts mehr, was Mann oder Frau verstecken muss. Kunden der Holzwickeder Studios Colours World und Tattoo-Tanke lassen sich die Motive mittlerweile an gut sichtbaren Stellen unter die Haut stechen – dabei werden auch ungewohnte Wünsche geäußert und nicht jeder wird erfüllt.

Kleine Motive am beliebtesten bei der Kundschaft

Am beliebtesten sind kleine Motive. „Römische Zahlen, Strichblumen, Piktogramme“, zählt Peter Jürgens, Inhaber von Colours World an der Nordstraße auf. „Kleinkram eben.“ Aber auch Mandalas würden sich derzeit wieder größerer Beliebtheit erfreuen. Ein wiederkehrender Trend seien mitunter auch schwarze Streifen oder Balken auf der Haut.

Dabei folgen viele Kunden auch den Trend-Tattoos, die sie bei Promis im Fernsehen sehen. „Wir haben jetzt öfter Kunden, die sich ein Maori-Tattoo wie bei Dwayne Johnson wünschen“, erzählt Niccy Schöttler, Inhaberin der Tattoo-Tanke an der Hauptstraße. Aber auch Unendlichkeitszeichen oder Kompasse seien beliebt.

Dabei hält sich der Farbwunsch oft die Waage. Im Colours World sind schwarze Tattoos noch immer deutlich beliebter, in der Tattoo-Tanke hingegen sind bunte und schwarze Tattoos etwa gleichauf.

Peter Jürgens (rechts) ist Inhaber vom Colours World. Er hat einem Kunden auch schon ein Dixi-Klo auf die Wade tätowiert.

Peter Jürgens (r.) ist Inhaber vom Colours World. Er hat einem Kunden auch schon ein Dixi-Klo auf die Wade tätowiert. © Borys Sarad

Tattoos erzählen auch oft traurige Geschichten

Ebenfalls ein Trend, der sich bei Tattoo-Liebhabern abzeichne: Große, stimmige Bilder aus mehreren Einzelelementen. Tätowierer Mitch-Terence Paterson von der Tattoo-Tanke trägt ebenfalls eins. Auf seiner Wade tummeln sich allerhand Helden aus dem Marvel-Universum. Von Thor, über Hulk bis hin zu Captain America.

Nicht zu vergessen natürlich Namen: Ob inklusive Hundepfote für ein verstorbenes Haustier, Sterne für Sternenkinder oder Krebsschleifen für verlorene Angehörige. Hinter vielen Namen unter der Haut stecken laut Schöttler oft traurige Geschichten und tiefere Bedeutungen.

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Viele Gedanken beim ersten Tattoo

Dabei ist es ganz unterschiedlich, ob hinter einem Motiv, dass sich ein Kunde stechen lässt, eine Geschichte verbirgt. „Manche überlegen sich ein Tattoo ganz genau und wollen eine Bedeutung dahinter“, erzählt Schöttler.

Andere fänden ein Motiv schön oder bräuchten einen Füller, um eine Lücke zwischen bereits bestehenden Tattoos zu schließen. „Da wird dann manchmal nur darauf geachtet, dass es thematisch passt.“

Cover Ups

Jugendsünden werden überdeckt

  • Eine Arbeit, die die Holzwickeder Studios ebenfalls oft machen, sind Cover Ups. Dabei werden alte Tattoos mit neuen, größeren überstochen.
  • „Zeiten ändern sich, genauso wie der Geschmack“, sagt Schöttler. „Manche Trends passen auch einfach nicht mehr.“ Viele Kunden seien daher erleichtert, wenn ihre Jugendsünden ausgelöscht sind.
  • Eine der schmerzhaftesten Stelle für ein Tattoo ist der Rippenbogen. Weil die Haut da dünn ist und viele Nerven darunter liegen, kann das Stechen sehr unangenehm werden.

Es käme aber auch des öfteren vor, dass sich jemand aus dem Affekt heraus ein kleines Herz oder ähnliches stechen lässt, verrät Jürgens. Generell würden sich Kunden bei ihrem ersten Tattoo mehr Gedanken machen, als bei den darauf folgenden, so Schöttler.

Keine freien Stellen mehr auf der Haut

Manchmal kommen bei den Überlegungen der Kunden allerdings auch verrückte Ideen heraus. „Ich hatte mal einen Kunden, der wollte ein Dixi-Klo auf der Wade“, erzählt Jürgens. Ungewöhnlich, aber nicht unmöglich. Auch eine Milka-Kuh sei schon als Wunschmotiv auf seinem Tisch gelandet.

In der Tattoo-Tanke wurde schonmal eine 70-jährige Kundin vorstellig, die ihr erstes Tattoo haben wollte. „Sie wollte den Namen ihrer Kinder in Sternenschrift. Damit ihre Kinder später an sie denken, wenn sie in den Himmel zu den Sternen sehen“, sagt Schöttler.

Aber auch manche Stellen am Körper sind kein alltäglicher Kundenwunsch. „Es gab einen Kunden, der wollte beide Achselhöhlen tätowiert haben. Das war schon ungewöhnlich“, sagt Jürgens. Der Mann habe die auch die letzten Stellen freier Haut mit Tattoos füllen wollen, damit keine weißen Lücken mehr hervorblitzen.

„Ich hatte mal einen Kunden, der wollte ein Dixi-Klo auf der Wade.“
Peter Jürgens, Inhaber des Tattoostudios Colours World

Das machen die Studios nicht

Gibt es denn auch Wünsche, die die Holzwickeder Studios ablehnen? „Das kommt immer drauf an, wer mir gegenübersteht, was der Kunde haben will und ob wir glauben, dass das gut aussieht“, sagt Peter Jürgens von Colours World. Manchmal würde sein Team einem Kunden durchaus von einem Motiv abraten oder sich weigern, es zu stechen.

„Wir versuchen durchaus, Kunden alltägliche Tattoos auszureden, damit an der Supermarktkasse nicht zehn Leute in der Schlange mit demselben Motiv stehen“, sagt auch Niccy Schöttler. „Jeder sollte sich etwas eigenes überlegen und sich fragen: Was passt zu mir? Und nicht: Was ist gerade angesagt?“

Unter Prominenten, ob nun Sportler oder wie hier Sänger und Moderator Florian Silbereisen, sind Tattoos fast schon obligatorisch. Das Motiv zeigt übrigens Silbereisens Ex Helene Fischer. Das Tattoo wollte er auch nach der Trennung behalten.

Unter Prominenten, ob nun Sportler oder wie hier Sänger und Moderator Florian Silbereisen, sind Tattoos fast schon obligatorisch. Das Motiv zeigt übrigens Silbereisens Ex Helene Fischer. Das Tattoo wollte er auch nach der Trennung behalten. © picture alliance/dpa

Tattoos auf Ellbogen oder Fingern sticht die Tattoo-Tanke nicht. „Die Farbe hält an viel bewegten und benutzten Stellen nur schlecht.“ Einmal seien sie sogar für ein Tattoo unterm Fuß angefragt worden. Das hätten sie aber abgelehnt.

Lange Sessions und schmerzhafte Stellen

Je nach Wunschgröße müssen Kunden mehr als einmal ins Studio kommen. „Es gibt Kunden, die über ein Jahr verteilt einmal im Monat hier auftauchen, bis ein Bild fertig ist“, sagt Jürgens. „Das kommt immer auf die Haut an, wie gut sie das Stechen vertrage und wie schnell sie heilt.“

In der Tattoo-Tanke stechen die Tätowierer nicht mehr als sechs bis sieben Stunden an einem Tattoo. Bei größeren Projekten, wie etwa der Wade von Mitch-Terence Paterson, braucht es rund sechs Tage á sechs Stunden, bis das Motiv fertig ist. Ein Projekt für Monate. „Die Haut muss nach zwei Tagen Stechen zwischen vier und sechs Wochen heilen.“

In den Dortmunder Westfalenhallen findet jedes Jahr eine der weltgrößten Tattoo-Messen statt, dieses Jahr vom 5. bis 7. Juni. Bis zu 35.000 Besucher zeugen dann davon, dass die Körperkunst längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.

In den Dortmunder Westfalenhallen findet jedes Jahr eine der weltgrößten Tattoo-Messen statt, dieses Jahr vom 5. bis 7. Juni. Bis zu 35.000 Besucher zeugen dann davon, dass die Körperkunst längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. © Nils Foltynowicz

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Enorme Preisspanne je nach Größe und Aufwand

So ein großes Tattoo hat dabei durchaus seinen Preis. „Pauschal kann ich gar nicht sagen, was ein großes Tattoo auf der Wade kostet“, sagt Mitch-Terence Paterson. „Das variiert je nach Motiv, Größe, Farbwunsch und Komplexität zwischen 70 und 3500 Euro.“

Bunt oder schwarz? Die Farbwünsche halten sich bei Niccy Schöttler und Mitch-Terence Paterson in der Tattoo-Tanke die Waage.

Bunt oder schwarz? Die Farbwünsche halten sich bei Niccy Schöttler und Mitch-Terence Paterson in der Tattoo-Tanke die Waage. © Lisa Dröttboom

Niccy Schöttler sieht an sich hinunter. „Auf meinem Körper ist der Wert eines Kleinwagens“, sagt sie und schmunzelt. „Ja, ein VW Golf ist da schon drin“, bestätigt ihr Kollege Paterson. Ob sie glauben, dass der Tattoo-Boom irgendwann wieder abflaue? Schöttler zuckt mit den Achseln. „Tattoos werden nie langweilig. Da ändert sich immer was.“

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