Viel zu tun im Gemeindearchiv: „Die Zahl der Anfragen steigt stetig“

dzHolzwickeder Ortsgeschichte

Das Holzwickeder Archiv soll den Sprung in die Neuzeit schaffen. Dabei könnte ein Stück verloren gegangene Geschichte helfen, die nun ihren Weg ins Archiv zurückfindet.

Holzwickede

, 26.08.2020, 18:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Holzwickeder Archiv ist lange Zeit vernachlässigt worden. Mit der Anstellung von Silke Becker sollte sich das bereits im Sommer 2017 ändern. Allerdings habe die Verwaltung die Arbeit unterschätzt, wie Matthias Aufermann, Fachbereichsleiter Schule, Sport, Kultur erklärt. „Das ist alleine nicht zu schaffen gewesen. Der Aufwand ist viel zu groß.“

Abhilfe schaffen soll nun ein neues Gesicht im Archiv. Peter Stunak hat seine Arbeit bereits vor drei Monaten aufgenommen, nach erfolgreicher Einarbeitung arbeiten er und Becker sich immer weiter in die historischen Tiefen der Gemeinde vor. Er hilft der Archivarin nicht nur bei einlaufenden Fragen rund um die Ahnen- und Heimatforschung, sondern unterstützt sie auch bei der Erschließung der im Archiv liegenden Akten.

Vorliegende Daten systematisch erfassen

Bislang gab es nämlich nur ein mit der Schreibmaschine erstelltes Findbuch, in dem die vorliegenden Akten von 1843 bis 1966 erfasst sind. Danach beginnt ein dunkles Zeitalter von gut 50 Jahren ohne systematische Aktenerfassung. „Da kann man nicht gezielt ins Regal fassen und das Gewünschte rausziehen“, sagt Becker.

„Wir wollen mehr Akten inhaltlich erschließen und den Sprung in die Neuzeit schaffen.“
Silke Becker, Gemeindearchivarin

Becker und Stunak können das wohl, aber auch nur, weil sie sich im Archiv auskennen. Laut Stunak möchte man aber daran arbeiten, dass auch andere sich auf moderne Art im Archiv zurechtfinden können. Das könne bei Anfragen zu Forschungsprojekten oder Ahnenforschung, wie sie täglich bei den beiden auf dem Tisch landen, dann hilfreich sind.

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„Wir haben Unis, Forschungsinstitute, Kanzleien und private Anfragen, auch von außerhalb Holzwickedes“, erzählt Stunak. Das Interesse nimmt zu. „Die Zahl der Anfragen steigt stetig. Darum wollen wir auch mehr Akten inhaltlich erschließen und den Sprung in die Neuzeit schaffen.“

Nächster Schritt ist die Digitalisierung

Dafür sollen alle Akten mithilfe einer speziellen Software erfasst werden. Damit werden die vorliegenden Dokumente unter anderem in übergeordnete Themen zusammengefasst, damit sie einfacher wiedergefunden werden können. Laut Becker ist das „der erste Schritt der Digitalisierung, damit die Inhalte später ins Netz können“.

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Anfragen haben zugenommen

  • Mit der Übernahme der Standesamtsregister haben die Anfragen beim Archiv merklich zugenommen.
  • Kanzleien und Ahnenforscher nutzen diese Möglichkeit, um sich auf die Spuren der Vorfahren zu begeben.
  • Die Akten aus dem Standesamt kommen allerdings erst ins Archiv, wenn die Schutzfrist abgelaufen ist. Die kann zwischen dreißig und sechzig Jahren betragen.
  • „Wir bekommen viele und umfangreiche Anfragen, die zum Teil nicht sofort beantwortet werden können, sondern zwei Wochen Recherche unsererseits in Anspruch nehmen“, erklärt Silke Becker.
  • Wer im Gemeindearchiv anfragt, sollte Geduld mitbringen und seine Anfrage per E‑Mail an archiv@holzwickede.de schicken.

Langfristiges Ziel der Archivare ist es, die vorliegenden Dokumente, mindestens aber die neue Übersichtssoftware digital zur Verfügung zu stellen. „Erstmal geht es uns um die Erfassung, dann erst um die Digitalisierung“, sagt Becker. Und das kann noch eine Weile dauern, auch wenn die beiden nun zu zweit arbeiten. „Das ist für uns ein langfristiges Projekt, die Dokumente allen zugänglich zu machen. Wir sind für die nächsten Jahre gut mit Arbeit versorgt.“

Ein Stück Geschichte kehrt zurück

Derzeit erfassen sie unter anderem auch die Ratsprotokollbücher, die ins Archiv wandern, sobald sie im Rathaus nicht mehr gebraucht werden. Einige dieser Bücher tauchen jedoch auch unvorhergesehen aus der Versenkung wieder auf: So geschehen bei einem Opherdicker Gemeinderatsprotokollbuch aus den Jahren 1875 bis 1895.

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Den fand nämlich kürzlich Andreas Heidemann, Vorsitzender des historischen Vereins, in dessen Archiv. „Da gehört es natürlich nicht hin.“ Wie es dort fälschlicherweise gelandet ist, kann er nicht mehr nachvollziehen. Feststand für ihn nur: „Das gehört nicht dem historischen Verein. Das muss ins Archiv.“

Das Buch war derweil schon länger verschollen. So wusste selbst der Unnaer Stadtarchivar Willy Timm, der 1988 für sein Buch recherchierte, nichts von dem Verbleib des Buches und merkte an, dass die Protokolle der Gemeindevertretung Opherdicke erst ab 1958 erhalten sind.

Mit dem Protokollbuch rückt somit ein Stück Holzwickeder Geschichte an seinen vorbestimmten Platz. „Wichtig ist, dass es wieder da ist“, sagt Silke Becker freudig.

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