Die Innenhöfe des Schulzentrum sind zu jeder Zeit frei zugänglich und sollen Kindern und Jugendlichen auch als Aufenthaltsraum dienen. Vermehrt aufgetretene Fälle von Sachbeschädigung will man im Rathaus aber nicht länger tolerieren. © www.blossey.eu
Überwachung des Schulzentrums

Verwaltung setzt gegen Vandalen auf Kameras – Politik bleibt skeptisch

Wie am besten auf vermehrt auftretende Fälle von Vandalismus reagieren? Am Schulzentrum setzt sich die Verwaltung weiter für Kameras ein. Die Vertreter der Lokalpolitik bleiben skeptisch.

Zerstörte Fensterscheiben, brennende Papiercontainer, Schmierereien, leere Flaschen und anderweitiger Unrat auf dem Schulhof: Die Gemeindeverwaltung will das nicht länger tolerieren und ihre Gebäude schützen. Nachdem im Frühsommer eine Umzäunung keine politische Mehrheit fand, setzt man sich an der Verwaltungsspitze für Kameras auf dem Schulgelände ein.

Eine Maßnahme, die wiederum der Ortsjugendring (OJR) als Dachorganisation für Vereine und Institutionen, die innerhalb Holzwickedes in die Kinder- und Jugendarbeit eingebunden sind, ablehnt. Das bekräftigte Frederik Bald aus dem OJR-Vorstand am Montagabend nochmals in einer Stellungnahme vor dem Ausschuss für Jugend, Familie, Senioren und Soziales.

Zweifel am Nutzen von Überwachungskameras

So stellte Bald die Frage nach der Signalwirkung an die Schüler, die Überwachungskameras in dem Bereich hätten. Und er verwies auf anderer Vandalismus-Vorfälle im Ort in der Vergangenheit abseits des Schulzentrums. „Wie viele Kameras wollen wir denn installieren?“, fragte er in dem Zusammenhang. Statt auf Kameras oder auch Zäune forderte er eine verstärkte aufsuchende Jugendarbeit, die verschiedene Akteure aus Jugendhilfe, Schulsozialarbeit aber auch der Bürgerschaft in einem gemeinsamen Konzept einbindet – ohne hier jedoch konkret zu werden.

Aus Sicht der Verwaltung legte zuvor der Erste Beigeordnete Bernd Kasischke dar, warum man Kameras für eine Option im Kampf gegen Vandalismus in Betracht ziehe. „Es ist wichtig, auf diese Fälle zu schauen, denn die Schäden sind dieses Jahr förmlich explodiert. Wir wollen mit Politik besprechen, wie wir die Werte unserer Schulen schützen. Dabei ist uns klar: Wir wollen keine 24-stündige Überwachung und auch keine Pausenkontrolle. Das wäre rechtlich sowieso bedenklich“, sagte Kasischke.

So sieht das Provisorium aus: Mit Bauzäunen sperrt die Gemeinde in den Abendstunden die Schulhöfe am Schulzentrum ab. Dieser Anblick gefällt nicht allen gut. © Privat © Privat

Vielmehr skizzierte der Beigeordnete ein Szenario, in dem bis zu einem halben Dutzend Kameras an den Ein- und Ausgängen zum Schulzentrum abends zwischen 21 Uhr und morgens 7 Uhr an sieben Tagen in der Woche automatisch scharf gestellt werden. Aufgezeichnetes Videomaterial würde dabei nach 72 Stunden automatisch gelöscht – außer natürlich es käme zu einem Vorfall, der eine detaillierte Auswertung erforderlich machen würde.

Die Parameter für eine entsprechende Videoüberwachung habe man in der Vergangenheit bereits mit dem Datenschutzbeauftragten im Kreis Unna abgeklärt, der für das beschriebene Überwachungsszenario den Datenschutz laut Kasischke als gewährleistet sieht.

Wie viel Installation und Betrieb eines Überwachungssystems mit mehreren Kameras letztlich kosten würde, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Klar ist: Die Videokameras dürften teurer kommen, als die 8000 Euro Sachschaden, die bislang in 2021 durch Vandalen am Schulzentrum verursacht wurden. Würde die Maßnahme mit Blick auf den ärgerlichen aber verhältnismäßig doch überschaubaren finanziellen Schaden nicht über das Ziel hinausschießen?

Am Aufzug der Carolinenbrücke montierte eine Dortmunder Firma im Frühjahr 2019 zusätzliche Überwachungskameras. Die überführten kürzlich einen Jugendlichen, dessen Steinwurf eine Aufzugscheibe zum Bersten brachte. © Udo Hennes © Udo Hennes

Videokameras als Präventivmaßnahme zur Abschreckung

So dürfe man nicht argumentieren, sagte Bernd Kasischke am Dienstag auf Nachfrage: „Wir müssen das Risiko bewerten. Die bisherigen Kosten mögen weitgehend durch kaputte Fenster entstanden sein. Aber was passiert bei einem Wasser- oder hohen Brandschaden? Wenn aus 8000 plötzlich 80.000 Euro würde, hätten wir ein Problem.“

Mit Verweis auf einen dank Überwachungskameras aufgeklärten Vandalismus-Fall an der Brücke Caroline samt abschreckender Wirkung in der Folge sagt Kasischke auch: „Das war erfolgreich und seitdem haben wir da Ruhe.“

Aus den Fraktionen war am Montagabend dennoch Skepsis zu vernehmen. Letztlich dürfte es bei der Entscheidung pro oder contra Videokameras am Schulzentrum wohl vornehmlich auf die Kosten ankommen, die solch ein System verursachen würde.

Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
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Christian Greis

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