Ohne Verlust wird die Ernte von Landwirt Maik Middelschulte die aktuelle Hitzewelle nicht überstehen. Der Holzwickeder weiß aber auch: Nur einige Kilometer entfernt, trifft die Wetterlage die Kollegen noch härter.

Holzwickede

, 26.07.2018, 09:59 Uhr / Lesedauer: 3 min

Besuch aus dem Sauerland hat Maik Middelschulte derzeit fast täglich. Landwirte holen bei ihm Stroh, um damit das Futter für ihr Milchvieh zu strecken. „Bei uns sei ja noch Grün zu entdecken. Im Sauerland sind alle Wiesen braun, heißt es dann“, sagt Middelschulte. Viele Milchbauern müssen bereits ihre Winterreserven verfüttern und kommen ohne Zukäufe nicht aus. „Normalerweise haben wir zu diesem Zeitpunkt den dritten oder vierten Grünschnitt. Diesen Sommer hatten wir bislang zwei“, sagt Middelschulte. Mitunter müssten sich Bauern darauf einstellen, Vieh abzugeben. „Da wird es existenzbedrohend, wenn ich Tiere nicht über den Winter bekomme“, sagt Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender im Landwirtschaftlichen Kreisverband Ruhr-Lippe.

Für Maik Middelschulte ist der Mangel an frischem Grün für die Silage derzeit das geringste Problem. Neben der Schweinemast für bis zu 2000 Tiere bewirtschaftet sein Betrieb auch rund 250 Hektar Ackerland. Weizen, Gerste, Raps, Zuckerrüben, Mais, Möhren und Kartoffeln wachsen auf Middelschultes Feldern in und um Holzwickede. Alleine beim Getreide büßt die Ernte 20 bis 25 Prozent eines normalen Jahres ein. Dank der lehmigen Böden, die Wasser relativ lange speichern, sei das aber noch vergleichsweise wenig. „In Bergkamen-Heil gibt es Sandböden. Die sind komplett trocken. Dort kommt es zu Totalausfällen“, macht Wortmann klar, dass Landwirte selbst auf lokaler Ebene nicht nur vom Wetter, sondern auch von ihren Böden abhängig sind.

Mit Sorge blickt Middelschulte derzeit auf seine Möhren. Auf einem Feld zwischen Asseln und dem Dortmunder Flughafen zeigt sich das ganze Dilemma, wenn der 39-Jährige am Grün zieht: Lang und dünn sind die Wurzeln, die in der Tiefe des Bodens die Feuchtigkeit suchen. Mitunter macht sich auch Zwiewuchs breit, dann bildet die Pflanze mehrere Wurzeln aus. Zu dünne oder mehrbeinige Speisemöhren sind grundsätzlich zum Verzehr geeignet und für die Landwirte dennoch ein Problem. „Zwischen 10 und 22 Zentimeter lang, 2 bis 4 Zentimeter im Durchmesser und zwischen 50 und 200 Gramm schwer“, zählt Middelschulte die nötigen Qualitätsvorgaben auf.

Verluste fallen für Landwirte sehr unterschiedlich aus

Die Speisemöhren wachsen dünn und teils mehrbeinig in die Tiefe. Bleibt es so trocken, werden viele Rüben bis zur Ernte nicht die nötigen Qualitätsstandards erfüllen. © Marcel Drawe

Was außerhalb der Norm liegt, nehmen Einkäufer nicht ab. Qualitätsstandards gibt es dabei natürlich für alles, was geerntet wird. „Die Käufer würde unförmiges Gemüse vielleicht gar nicht stören, aber der Einkauf funktioniert eben so“, sieht Wortmann das Ganze durchaus kritisch. Was nicht den Standards entspricht, können die Landwirte nicht als Speisegemüse verkaufen. „Das wird dann Tierfutter für Kühe oder Pferde“, sagt Middelschulte. Der Erlös daraus würde nicht mal die Kosten der Ernte decken.

Insbesondere auf den Möhrenfeldern ist in diesem Jahr keine gute Ernte zu erwarten. Weil schon der Aussaat-Monat Mai sehr trocken war, haben viele Pflanzen nicht gekeimt. Ganze Reihen stehen mitunter braun und leer zwischen dem Möhrengrün. Auf 19 Hektar erntet Middelschulte in normalen Jahren zwischen 1300 und 1500 Tonnen Möhren. Davon erfüllen ungefähr 1000 bis 1200 Tonnen die Ansprüche der Einkäufer. In diesem Jahr rechnet der Landwirt mit einer Gesamternte um die 1000 Tonnen – den möglichen Ausschuss nicht eingerechnet.

Für Möhren, Kartoffeln und Mais gibt es aber noch Hoffnung. Die Erntezeit zieht sich in den Oktober. „Ein Ende der Hitzewelle lieber heute als morgen und anhaltender Regen, können die Ernten noch verbessern“, sagt Wortmann. Sollte aber auch der August so warm und trocken bleiben, dann käme Niederschlag im September für die Ernte zu spät. Künstliche Bewässerung ist für Maik Middelschulte indes kein Thema. Die Technik dafür sei aufwändig. Und ohne eigenen Brunnen regelmäßig zu wässern, das sei schlicht zu teuer. „Das kostet mich für ein Mal Wässern pro Hektar 50 Euro. Und dann muss ich es alle zwei Tage machen. Das rechnet sich nicht“, sagt Middelschulte. Es sei eben Teil des Berufes, dass man vom Wetter abhängig ist. „Das ist aber auch immer wieder spannend und herausfordernd“, sagt der 39-Jährige.

Und ein Gutes hat das trockene Wetter in diesem Sommer zumindest: „Die Getreideernte war noch nie so früh durch“, sagt Middelschulte. Selbst wer für andere Landwirte auf den Feldern drosch, konnte bei der andauernden Hochdrucklage entspannt planen. „Keine Sorgen um den Feuchtigkeitsgehalt des Getreides, keine Nachtschichten, so entspannt war es noch nie“, sagt Middelschulte.

Die heutige Middelschulte Agrar GmbH ist einer von noch gut einer Handvoll landwirtschaftlicher Betrieb in Holzwickede. Der Betrieb ist seit dem 17. Jahrhundert in Familienhand. Neben der Familie Middelschulte bewirtschaften ein Festangestellter und ein Auszubildender den Hof.
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