Drei Gutachten zur Verkehrsbelastung in der Sölder Straße durch den Wohnpark Emscherquelle gibt es. Eine weitere Verkehrszählung steuert der Bürgerblock bei, der Mittwoch selbst zählte.

Holzwickede

, 22.11.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Alle drei Gutachten kommen zu dem Schluss: Das Mehr an Verkehr ist vertretbar. Erst die Gemeinde, dann die Wilma Wohnen West als Eigentümerin und Entwicklerin des ehemaligen Kasernengeländes und zuletzt nochmals die Gemeinde hatten Gutachten zum möglichen Verkehrsaufkommen in der Sölder Straße in Auftrag gegeben. Über die Sölder Straße soll das neue Wohngebiet später an das Verkehrsnetz angeschlossen werden.

In einer Bürgerinformationsveranstaltung am 8. November sorgten die Aussagen von Verkehrsgutachter Philipp Nahr bei den anwesenden Holzwickedern für Kopfschütteln. Im Mittel würde ein nach links abbiegendes Auto aus der Sölder auf die Hauptstraße 13,3 Sekunden warten müssen, nach rechts im Schnitt knapp 9 Sekunden. Nahr führte auch aus, dass die Sölder Straße in der Theorie bis zu 290 Kraftfahrzeuge in der Stunde verkrafte. Für die Theorie hatten allerdings viele Holzwickeder wenig Verständnis. Die Rechnerei bilde nicht die Praxis ab.

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Der Bürgerblock hat sich am Mittwoch ein praktisches Bild von der Situation in der Sölder Straße gemacht. In zwei Schichten rückten acht BBL-Mitglieder aus, den Verkehr zu zählen. „Uns ist bewusst, dass dies nur ein subjektiver Eindruck ist“, sagt die BBL-Vorsitzende Barbara Schriek. Um Stichhaltigkeit geht es dem BBL auch nicht, man wolle sich vielmehr über einen längeren Zeitraum ein eigenes Bild von der Situation vor Ort machen.

Zählbares springt dabei dennoch heraus: Zwar wird nicht für jeden Abbieger in die Haupstraße die Zeit genommen, wer aber besonders lange an der Kreuzung steht, wird vermerkt. Für die erste Schicht am Mittwoch mussten Schriek und BBL-Geschäftsführer Heinrich Schlinkmann früh raus aus den Federn: Um 6 Uhr war Schichtbeginn. Gegenüber des Rewe-Parkplatzes und vor der Kreuzung in den Emscherweg hatten sie sich in einem parkenden Auto platziert und begannen zu zählen: Je ein Augenpaar richtete den Blick gen Osten zur Haupstraße, der andere Blick beobachtete den Westen in Richtung Sölde.

Verkehrsaufkommen nicht das einzige Problem: Bürgerblock zählt Autos und wundert sich

Strich für Strich werden die Fahrzeuge erfasst. © UDO HENNES

Gezählt wurden Pkw, Kleintransporter, Lkw ab 3,5 Tonnen und Fahrräder. Zudem wurde vermerkt, wer auf den Rewe-Parkplatz einfuhr und in welche Richtung die Autos den Parkplatz verließen. So wurde auch für den Verkehr in und aus dem gegenüberliegenden Emscherweg verfahren. Nach zwei Stunden übernahm das nächste Duo, setzte die Zählung bis 10 Uhr fort. Am Nachmittag übernahmen nochmals zwei Teams für die Zeiten von 15 bis 17 Uhr und 17 bis 19 Uhr. Der Mittwoch wurde als Tag der Zählung bewusst gewählt: Ein möglichst neutraler, ganz normaler Wochentag außerhalb von Ferienzeiten oder sonstigen Einschränkungen, um Daten möglichst unverfälscht zu erfassen.

Was möchte der Bürgerblock nun mit seiner Zählung erreichen? „Der Wilma-Verkehrsgutachter hat zu gleichen Zeiten wie wir gemessen. So bekommen wir hier zumindest eine Vergleichbarkeit in puncto Verkehrsaufkommen“, sagt Heinrich Schlinkmann. So bekomme man möglicherweise Hintergrundmaterial, um gegen den Bebauungsplan vorzugehen. „Die Gutachter können drei Kisten aufstellen und den Verkehr messen, wir wollen uns vor Ort ein Bild machen“, sagt Barbara Schriek.

Nur so könne man auch andere Probleme im Verkehr erkennen. Und die haben die BBLer bereits in der Morgenschicht festgestellt: „Linksabbieger entscheiden sich an der Kreuzung um, blinken dann doch rechts, um später in die Opherdicker Straße zu fahren und machen dort einen U-Turn. Das mache ich auch manchmal“, sagt Anne Schriek, die am Morgen zwischen 8 und 10 Uhr ihre Striche in die Liste setzte. Barbara Schriek und Heinrich Schlinkmann stellten zudem fest, dass Kinder morgens im Dunkeln ohne Licht auf ihren Rädern unterwegs sind. „Rechts vor links an der Kreuzung zum Emscherweg ist für einige Autofahrer auch kein Thema“, sagt Schriek. Tochter Anne zweifelt die Regelung an der Stelle grundsätzlich an: „So viel Verkehr kommt da eigentlich nicht raus. Der Verkehr wäre flüssiger, wenn dort ein Vorfahrt-gewähren-Schild stünde.

Verkehrsaufkommen nicht das einzige Problem: Bürgerblock zählt Autos und wundert sich

Bitte warten: Vor allem die Situation in der Sölder Straße an der Kreuzung zur Hauptstraße wird mit Sorge beobachtet. Mehr Verkehr würde hier für noch längere Wartezeiten beim Abbiegen sorgen. © UDO HENNES

Ein erster Blick auf die Liste zeigt, dass bis 9.30 Uhr alleine um die 150 Pkw die Kontrollstelle passiert haben. Knapp ein Viertel davon steuerte den Rewe-Parkplatz an. „Die Sölder Straße ist für noch mehr Verkehr nicht geeignet“, sagt Schlinkmann und verweist auch auf die Parksituation entlang der Straße. Zumal verkehrsplanerisch lediglich die Option fester Parkmarkierungen bleibt, um den Verkehr zu regulieren. An einen Radweg sei indes gar nicht zu denken. „Und da haben wir am Ortseingang, wo der Radweg aus Richtung Sölde endet, jetzt schon im Kurvenbereich brenzlige Situationen“, sagt Schlinkmann.

Die komplette Auswertung der Zählung wird zum Wochenende erfolgt sein, wenn der Bürgerblock in seinen Klausurgesprächen den Haushaltsentwurf der Gemeinde für das kommende Jahr diskutiert. Dann werden auch die Ergebnisse der Zählung ein Thema sein. Auch wolle man die Beobachtungen im Verkehrsausschuss ansprechen.

Bürgerentscheid zum Wohnpark unter falschen Vorzeichen

Die aktuelle Diskussion rund um das Verkehrsaufkommen bestätigen Heinrich Schlinkmann in früheren Annahmen zum Wohnpark Emscherquelle, die im Jahr 2014 zu einem knapp gescheiterten Bürgerentscheid gegen die Wohnbebauung geführt hatten. „Wir waren für eine Renaturierung der Fläche. Die Fragen, die jetzt auftreten, wurden seitens CDU und SPD immer in den Hintergrund gedrängt, weil man unbedingt ein Baugebiet haben wollte“, sagt Schlinkmann. In den aktuellen Plänen der Wilma Wohnen West sei klar erkennbar, dass von der einstigen Prämisse „50 Prozent Bebauung, 50 Prozent Grünflächen“ nicht viel übrig geblieben sei.

„Wir hatten immer prophezeit, dass ein Investor möglichst viele Flächen bebauen wird, aber seitens der CDU wurde immer gebetsmühlenartig gepredigt, dass man Wohnraum für junge Familien schaffe“, sagt Schlinkmann. So habe schon 2014 der Bürgerentscheid unter falschen Vorzeichen gestanden. Die geplanten 66 Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern und 135 Einfamilienhäuser werden keineswegs preiswert zu haben sein – davon sind die BBLer überzeugt. Wilma-Projektentwicklerin Alexandra Fleischmann konnte auf Nachfrage noch keine Angabe zum möglichen Preisniveau der Immobilien machen.

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