In Sachen Elektromobilität möchte die Gemeinde Holzwickede mit gutem Beispiel vorangehen. Vier E-Autos hat sich die Gemeinde bisher zugelegt. Das soll aber noch nicht das Ende der Fahnenstange sein.

Holzwickede

, 12.09.2019, 13:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit ihrem neuen e-Golf der Marke VW kommt Bürgermeisterin Ulrike Drossel gut klar. Vor wenigen Wochen hat sie sich dienstlich vom Verbrennungsmotor verabschiedet und kurzerhand auf ein E-Auto umgesattelt. Diese Entscheidung habe nahegelegen, sagt sie. Sie fahre immerhin, anders als ihr Vorgänger, nicht mehr als 10.000 Kilometer im Jahr. Neben dem Umweltaspekt gibt es viele Vorteile, aber auch Nachteile an der neuen E-Fahrzeug-Flotte der Gemeinde.

Drossels neues Fahrzeug ist bisher das vierte E-Auto, das nun zum gemeindeeigenen Fuhrpark gehört. Zwei sind bereits vor drei Jahren für den Baubetriebshof angeschafft worden, in einem kurvt seit einiger Zeit Wasserversorgungschef Stefan Petersmann durch die Emscherquellgemeinde.

Elektro- und Hybridfahrzeuge

Anzahl im Kreis steigt

  • Sie sind immer wieder Gesprächsthema und rollen zunehmend auch über die Straßen des Kreises Unna: Elektrofahrzeuge. Waren es Anfang 2018 noch 246 E-Autos, bewegen sich mittlerweile mehr als 520 davon bei uns durch die Gegend.
  • Bei gut 305.000 Autos kreisweit sind die alternativ angetriebenen Fahrzeuge zwar noch immer deutlich in der Minderheit, nach und nach entscheiden sich aber offensichtlich immer mehr Menschen gegen das ausschließlich mit Kraftstoff betriebene Gefährt.

Die Erfahrungswerte sind durchaus positiv. Zwei weitere Fahrzeuge sind bereits bestellt. Dabei handelt es sich aber eher um Kleinwagen oder kleine Transportfahrzeuge. Dass der Baubetriebshof in naher Zukunft mit E-Lkw unterwegs sein wird, ist nicht zu erwarten.

Wenig Fahrspaß auf langen Strecken

Der große Fahrspaß kommt auf langen Strecken zwar nicht auf, dafür ist nämlich die Reichweite schlichtweg zu gering. Diese kann je nach Fahrzeug aber stark variieren. Drossels Golf etwa schafft es mit einem voll geladenen „Tank“ auf knapp 270 Kilometer. Für lange Strecken ist das ziemlich wenig: „Für Besuche in unseren Partnerstädten werde ich ihn sicher nicht nutzen können“, erklärt sie.

Zudem ist die Leistung auf der Autobahn nicht vergleichbar mit der eines Verbrennungsmotors. „Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei knapp 160 Kilometern pro Stunde“, sagt Drossel. Außerdem wirke sich die geringere Reichweite auch auf die Fahrweise aus: „Bei hohem Tempo ist der Verbrauch größer. Da versucht man natürlich etwas sparsamer mit dem Kraftstoff umzugehen“, erklärt Drossel. Das Laden dauert nämlich verhältnismäßig lange.

Für Fahrten durch die Gemeinde sei das Auto aber geradezu perfekt. Auf kurzer Distanz beschleunigt der Wagen ziemlich schnell. Dazu kommen einige Extras wie eine automatisierte Abstandskontrolle. Drossels Fahrzeug gehört zu den Exemplaren, die per Knopfdruck Motorengeräusche erzeugen können. Laut einer EU-Norm sind Autobauer seit 2019 beim Bau von neuen Modellen dazu verpflichtet.

Mit gutem Beispiel voran gehen

Drossel und Co. möchten in Zeiten, in denen viel über den Klimawandel diskutiert wird, mit gutem Beispiel vorangehen und klimaschonender unterwegs sein. Das könne einen Anreiz geben, dass sich künftig mehr Menschen mit Elektromobilität auseinandersetzen.

Hybrid

Der Kompromiss

  • Kohlendioxid einsparen und auf Benzin nicht verzichten: Das geht mit dem Hybrid-Fahrzeug. Diese ebenfalls umweltfreundlichen Autos sind im Kreis schon deutlich öfter vertreten als die reine E-Variante. Insgesamt sind bislang rund 1.350 Hybridelektroautos zugelassen. Die meisten davon, etwa 300 Hybride, gibt es in Unna. Lünen belegt mit 206 Hybridautos Platz zwei im Kreis. Kamen findet sich auf Platz drei wieder: Hier findet sich die rollende Benzin-Batterie-Kombi 158 Mal.
  • Mit E-Kennzeichen unterwegs sind mehr als 580 Fahrzeuge (Zum Vergleich: 2018 waren es 206). Dass es mehr E-Kennzeichen als E-Autos gibt, hat damit zu tun, dass bestimmte Hybridautos auch der E-Kategorie zugerechnet werden. Die meisten E-Nummernschilder sind in der Stadt Unna zu finden (126). In Lünen zählt der Kreis 92 E-Kennzeichen, die Stadt Schwerte belegt mit 78 den dritten Platz. In Kamen gibt es 60, Bönen kommt mit 59 auf Platz fünf. In Bergkamen (37), Fröndenberg (34), Holzwickede (26), Selm (32) sowie Werne (37) ist der Elektro-Trend am schwächsten.

Für viele Menschen ist die Antriebsart aber nicht gerade attraktiv: Preislich sind die E-Fahrzeuge nämlich im Schnitt teurer als Benziner oder Diesel. Für die Gemeinde war die Anschaffung allerdings wirtschaftlich günstiger. Die vier Wagen wurden nicht wie ihre Vorgänger geleast, sondern gekauft. Dafür gab es einen saftigen Zuschuss vom Land, das immerhin 40 Prozent der Fahrzeugpreise übernommen hat. Hinzu kamen die üblichen Rabatte der Hersteller. „Das war für uns als Kommune natürlich ziemlich interessant“, sagt Drossel.

Gut für den Stadtverkehr geeignet

Dem Verbrennungsmotor weint man bei der Gemeinde bis jetzt keine Träne nach. Neben dem Umweltaspekt, der in der Entscheidung für das Elektroauto den Ausschlag gegeben hat, überwiegen insgesamt die Vorteile, auch wenn sich die vier Nutzer der gemeindeeigenen E-Autos sicher sind, dass sie sich am besten im Stadtverkehr fahren lassen.

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