Die EU will grüne und blaue Tattoos verbieten. Die Holzwickeder Studios erzählen, wie wichtig die Farbpigmente für ihre Arbeit sind und wie oft sie diese im Alltag brauchen.

Holzwickede

, 13.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Was wären Tattoos ohne Blau, Grün, Lila, Türkis oder gar Schwarz? Die EU will auf Empfehlung der europäischen Chemieagentur (Echa) die Pigmente 74160 (Blau) & 74260 (Grün) verbieten. „Damit würden allerdings 66 Prozent aller Tätowierfarben wegfallen“, sagt Niccy Schöttler, Inhaberin der Tattoo-Tanke in Holzwickede. „Das sind für unser Geschäft nicht zu ersetzende Farben.“

Die Tätowierer in der Tattoo-Tanke sorgen sich um die Zukunft ihrer Branche. Im anderen Holzwickeder Studio Colours World hingegen sieht man dem drohenden Verbot gelassener entgegen. Dort herrscht Zuversicht, dass die Hersteller eine Alternative finden werden.

Tattoos stecken in falscher Branche

Gründe für das drohende Verbot sind laut Echa gesundheitliche Bedenken. Laut den Tätowierern der Tattoo-Tanke wolle man die Farben unter anderem deshalb verbieten, weil sie sehr hartnäckig sind und sich nicht so einfach wieder entfernen lassen. Gerade Letzteres sei in der Tattoo-Szene allerdings durchaus erwünscht.

„Das größte Problem ist, dass es keine Tattoo-Branche gibt“, sagt Schöttler. Anders als die Gastronomie, Handwerk oder Kosmetik habe die Tattoo-Kunst keine eigene Branche. Stattdessen wird sie zur Kosmetik hinzugezählt. „Das ist so, als würde man einen Koch und einen Tischler in einen Topf schmeißen“, sagt Mitch-Terence Paterson, Tatöwierer in ihrem Studio. „Nur weil beide mit ihren Händen arbeiten. Wir haben nicht die gleichen Ziele.“

Verbot von grünen und blauen Tattoos: Holzwickeder Tätowier-Studios sind geteilter Meinung

Niccy Schöttler und Mitch-Terence Paterson von der Tattoo-Tanke in Holzwickede fürchten, bald nur noch ein Drittel ihrer Farben zur Verfügung zu haben. © Lisa Dröttboom

„Die Farben sind nicht gefährlich“, ergänzt Schöttler. „Sie verursachen keine Allergien, keine Krankheiten, keinen Krebs. Die meisten sind sogar vegan.“ Von den gesundheitlichen Risiken, von denen die europäische Chemieagentur spricht, merke sie wenig. Dafür sei die Wirkung von Tattoos auf den Körper auch noch zu wenig erforscht.

Das unterschreibt auch Sebastian Steuckmann, ein selbstständiger Tätowierer, der seine Räume im Colours-World-Studio hat. „Die Farben sind deutlich besser geworden.“

Jede Stimme gegen das Verbot zählt

Die Farben zu verbieten, wäre laut Schöttler ein schwerer Schlag für die Tattoo-Branche. „Das sieht übel aus, wenn das Verbot durchgesetzt wird.“ Da würde auch keine zweijährige Übergangsphase helfen, in der nach Alternativen gesucht werden kann. „Es gibt keine Alternativen. Die Farben sind für uns nicht zu ersetzen.“

Sie macht sich deswegen für eine Online-Petition stark, in der dieses Verbot verhindert werden soll. Tatöwierer und Tätowierte aus ganz Deutschland kämpfen darum, gehört zu werden. „Da entscheiden wieder welche, die nicht in der Materie drinstecken“, sagt Schöttler. „Wichtig ist, dass wir die Chance bekommen, in Berlin vorsprechen zu können.“

Jede Stimme für die Petition sei wichtig, deshalb klärt sie ihre Kunden in ihrem Laden über das Problem auf und hofft auf ihre Unterstützung. „Die Petition läuft nur noch bis zum 15. Februar.“ Das Unterschriftenziel sei allerdings noch nicht erreicht.

Kunden werden weiterhin bunte Tattoos wollen

Was aber passiert, wenn das Verbot durchgesetzt würde? „Die Leute werden ja weiterhin Tattoos wollen.“ Aber Rosen mit schwarzen statt grünen Blättern? Schiffe, die auf schwarzen Gewässern segeln?

„Es besteht die Gefahr, dass die Tattoo-Branche dann wieder in den Untergrund rutscht und die Farben außerhalb der EU eingekauft werden, wo es keine EU-Richtlinien bei der Herstellung gibt“, erklärt Schöttler. „Gut möglich, dass man die Farben dann aus China kommen lässt und da weiß man dann nicht, was in den Farben steckt und was da unter die Haut kommt.“

Verbot von grünen und blauen Tattoos: Holzwickeder Tätowier-Studios sind geteilter Meinung

Die Farbpalette für Tattoo-Studios könnte schon bald erheblich kleiner werden. © Borys Sarad

Peter Jürgens, Inhaber von Colours World, sieht das Verbot der Farben gelassener. „Schwarze Tattoos sind noch immer die beliebtesten, so viele bunte Tattoos stechen wir in unserem Laden gar nicht.“ Eine direkte Bedrohung für das Studio sieht er durch das Verbot nicht. „Wir können nur die Farben tätowieren, die wir bestellen können.“

Branche habe andere Probeme

Es gebe mittlerweile einen großen Markt rund um Tattoos und ihre Farben. Auch die Kosmetikbranche würde viel Geld in Pflegeprodukte stecken. „Die Hersteller sind ja genauso betroffen wie wir. Die werden sich schon was einfallen lassen.“

Die Ansicht unterstützt auch sein Kollege Steuckmann. Er ist zuversichtlich, dass Alternativen ihren Weg in die Branche finden werden. „Ich werde einfach gucken, wie das weiterläuft.“

Als viel größeres Problem sieht Jürgens, dass das Tätowieren noch immer keiner Zulassung bedarf. „Jeder kann das Gewerbe anmelden und loslegen. Da wäre es nicht schlecht, wenn man da mal ansetzen würde.“

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Kunst
Ausstellung „Wundersam Wirklich“ ausgelaufen – so geht es auf Haus Opherdicke weiter
Hellweger Anzeiger Finanzen
Sparkasse Unna-Kamen setzt auf die Digitalisierung im Alltag und den Menschen als Berater
Hellweger Anzeiger Einsatzbilanz
Tief „Victoria“ fordert Holzwickeder Feuerwehr weniger als die stürmische „Sabine“
Meistgelesen