Grünen-Urgestein Friedhelm Klemp, hier im Gemeinderat, ist nicht mehr Fraktionsvorsitzender und wollte nun auch nicht Parteichef werden. © Archiv/Marcel Drawe
Politik in Holzwickede

Ungewollter Umbruch: Appel gibt Grünenvorsitz ab – Nachfolgerin hält sich für „Notlösung“

Seit der Kommunalwahl gibt es bei den Holzwickeder Grünen in personeller Hinsicht viel Bewegung. Jetzt haben sie einen neuen Vorstand gewählt. Das Ergebnis ist eine dicke Überraschung.

Dass im Holzwickeder Ortsverband der Bündnisgrünen seit vielen Monaten keine personelle Kontinuität eingekehrt ist, hängt mit vielen Gründen zusammen. Der erste Dominostein, der Bewegung in die Sache brachte, war gleichzeitig auch ein trauriges Ereignis.

Als Mitte November 2019 der amtierende Grünen-Vorsitzende Dr. Andreas Dürholt plötzlich starb, wurde Dietmar Appel sein Nachfolger. Dieser hat bei einer digitalen Mitgliederversammlung allerdings sein Amt jetzt wieder abgegeben, gab für diese Entscheidung vor allem Zeitgründe an. Und auch weitere Mitglieder aus dem Vorstand, darunter mehrere Beisitzer, haben sich zurückgezogen.

Unverhofft kommt oft: UIrike Dürholt ist die neue Parteichefin der Holzwickeder Bündnisgrünen. © Grüne © Grüne

Zunächst wollte sich keiner aufstellen lassen

Zur neuen Vorsitzenden wurde nach einer langen Sitzung Ulrike Dürholt gewählt, die Witwe des verstorbenen früheren Vorsitzenden.

Wie sie selbst mitteilt, hat sich die Parteibasis mit ihrer Wahl sehr schwer getan. Sie macht nämlich keinen Hehl daraus, dass sich während der Sitzung zunächst keiner als Kandidat habe aufstellen lassen wollen.

Es sei der Versuch unternommen worden, die beiden Holzwickeder Grünen-Urgesteine Friedhelm Klemp, der nach der Kommunalwahl als Fraktionschef abgewählt wurde, und Ulrich Bangert, der im September seinen Sitz im Rat verloren hat, vorzuschlagen. Beide hätten eine Kandidatur aber abgelehnt.

Dass in der Parteiführung keiner der erfahren Funktionäre nachgerückt ist, hält Dürholt selbst für eine „Notlösung“: Neben ihr gibt es im Grünen-Vorstand nämlich noch drei weitere Frauen, die nach Dürholts Angaben zwar sehr engagiert im Wahlkampf gewesen seien, aber genau wie sie kaum Erfahrung in der eigentlichen politischen Arbeit vorzuweisen hätten.

Neue Führung ist „kein Wunschdenken“

Zur Vize-Parteichefin ist etwa Petra Wirth gewählt worden, Judith Kuck-Bösing übernimmt das Amt der Kassenwartin. Sabine Kwiatkowski ist jetzt nicht nur in der Fraktion, sondern auch auf Parteiebene die Geschäftsführerin.

Auch wenn die wichtigsten Posten damit neu besetzt worden sind, müsse aber demnächst eine weitere Sitzung abgehalten werden. Es fehlen nämlich noch Beisitzer, die den Vorstand satzungsgemäß ergänzen und vollständig machen.

„Das alles ist keine Wunschvorstellung“, sagt Dürholt, die mit ihren Mitstreiterinnen als Team auftreten will.

Sie blicke aber optimistisch in die Zukunft und sei sich sicher, dass das reine Frauen-Quartett an der Spitze der Grünen in die neuen Aufgaben reinwachsen werde, auch wenn sie zugibt: „Die Emanzipation habe ich mir immer anders vorgestellt.“

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski
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