Der Seniorenbeirat ist unzufrieden: Der Mehrgenerationenspielplatz in der Gemeindemitte ist für den Seniorenbeirat kein Spielplatz für alle Generationen. Und das hat gleich mehrere Gründe.

Holzwickede

, 05.11.2018, 14:53 Uhr / Lesedauer: 3 min

Beate Hahn-Heinrichs hat sich noch immer nicht beruhigt. Hatte sie schon nach eigener Aussage bei der Eröffnung des neuen Mehrgenerationenspielplatzes in der Gemeindemitte im Juli an sich halten müssen, um nicht laut zu werden, ärgert sich die Vorsitzende des Seniorenbeirates noch immer über dieses ISEK-Vorzeigeobjekt. „Das ist ein wundervoller Kinderspielplatz“, findet Hahn-Heinrichs. Aber: „Für Senioren ist da aber nichts übrig geblieben. Der Spielplatz verdient seinen Namen nicht“, schimpft die Vorsitzende und spricht für den gesamten Beirat.

Und wieder sitzt die Oma bloß auf der Bank und schaut den Enkeln zu

Auf der Bank Platz nehmen und die Füße auf die Pedale legen. So soll sich auch die ältere Generation auf dem Mehrgenerationenspielplatz fit halten können. Der Abstand zu den Pedalen ist aber für kleine Leute viel zu groß, kritisiert der Seniorenbeirat. © UDO HENNES

Der Seniorenbeirat war in die Planungen für den Mehrgenerationenspielplatz einbezogen worden. Der Beirat sollte sagen, was für die ältere Generation von Vorteil wäre. Es wurden Fördergelder beantragt. Der Spielplatz wurde gebaut. „Doch wo ist der gewünschte Rollatorparcours? Wo ist der Tisch, an dem man Schach oder Dame spielen kann?“, fragt die Vorsitzende und listet Beispiele auf. Hahn-Heinrichs informierte nach eigener Aussage die Verwaltung. Und hätte sie sich nicht im Ausschuss für Jugend, Familie, Senioren und Gleichstellung zu Wort gemeldet und ihrem Ärger Luft gemacht, dann würde sie wahrscheinlich weiter warten. Jetzt aber ist in die Sache Bewegung gekommen. „Wir sind ja geduldig“, möchte Hahn-Heinrichs allen Beteiligten Zeit lassen, sich zu äußern. Dass aber nun in der kommenden Woche ein Termin mit dem Wirtschaftsförderer Stefan Thiel verabredet werden konnte, freut sie nun besonders.

Und wieder sitzt die Oma bloß auf der Bank und schaut den Enkeln zu

Unter den Spielgeräten fehlt ein Fallschutz. So merkt der Seniorenbeirat an. © UDO HENNES

„Bislang haben wir immer nur gehört, dass unsere Wünsche dem Budget zum Opfer gefallen sind“, kann sich die Vorsitzende gar nicht vorstellen, dass ein Schachtisch zu teuer gewesen wäre. Und dass der Rollatorparcours zwar als Weg angelegt, dann aber mit rollaturuntauglichem Rindenmulch bestreut wurde, kann sie gar nicht verstehen. Und dass unter einigen Geräten, wie den großen Steppern noch nicht einmal ein Fallschutz angebracht ist und der TÜV das sogar abgenommen habe - für den Seniorenbeirat ist das ein weiteres Rätsel. Hahn-Heinrichs kritisiert aber auch, dass die an die Bänke angebrachten Trainingspedale nur für längere Beine geeignet sind. Und sie hat Randsteine entdeckt, die Stolperfallen sind. Die Kritikpunkte möchte sie nun mit Stefan Thiel besprechen.

„Alles was wir wollten, ist dem Budget zum Opfer gefallen.“
Beate Hahn-Heinrichs

Der Seniorenbeirat sorgt sich um die ältere Generation und setzt sich für sie ein. So wurden zum Beispiel auf dem gemeindeeigenen Parkplatz bei Edeka an der Kirchstraße breitere Parkplätze angelegt. „Wir haben das Hinweisschild jetzt erst wieder freischneiden lassen“, so Hahn-Heinrichs. Auch würde der Seniorenbeirat mit Sorge feststellen, dass erneut ein Fahrstuhl an der Carolinenbrücke defekt ist und die Reparatur sehr lange dauert. Insbesondere die älteren Bewohner der Neuen Caroline leiden darunter, ist ihnen doch der Weg hin zu den Einkaufsmöglichkeiten an der Fehme abgeschnitten.

Mehr Sicherheit für Senioren

Als nächstes möchte sich laut Hahn-Heinrichs der Seniorenbeirat mit dem Thema Rollator-Beleuchtung befassen. Gemeinsam mit der Polizei sollen Senioren aufgeklärt werden, wie wichtig es ist, im Dunkeln gesehen zu werden. Und dann ist da noch das Thema Notfall-Mappe. Wie berichtet hat der Seniorenbeirat diese Mappen erstellt. Wer eine solche Mappe hat, füllt alles aus, was mit den Themen Leben und Ableben zu tun hat. Hinein kommen Arztkontakte, Medikamentenlisten. Auch gibt es eine Rubrik für hinterlegte Vorsorgevollmachten, Betreuungs- und Patientenverfügungen. Sogar den gewünschten Bestatter kann man eintragen. Die Senioren-Union in Unna fand die Idee so gut, dass sie bei der Stadt Unna einen Antrag auf Notfallmappen stellte. Damit soll Unna dem Holzwickeder Beispiel folgen.

Ziele des ISEK-Projektes

Die Ziele des Projektes Mehrgenerationenspielplatz sahen so aus: Aufenthaltsqualität schaffen, Nutzungsqualität erhöhen, altersgerechter Umbau und Erscheinungsbild aufwerten. Eröffnet wurde der Mehrgererationenspielplatz am 9. Juli. Drei Monate Bauzeit waren erforderlich. Der Platz kostete 300.000 Euro. Nach der Multisportanlage, den Mitfahrbänken und der Kampagne „Emscherquellgemeinde“ war der Mehrgenerationenspielplatz im Emscherpark das vierte Projekt des Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK).

Blick in die Nachbarschaft

Unna kann dem Konzept der Mehrgenerationenspielplätze nicht viel abgewinnen. Jugendpfleger Hartmut Grimm verfasste eigens eine Stellungnahme und legte dar, dass es sogar rechtliche Problem geben könnte, denn Spielplätze unterliegen einem besonderen Schutz. Hier ist nicht alles erlaubt, was im öffentlichen Raum erlaubt ist. Würde die Stadt Unna die Spielplätze dann zu normalen Verkehrsflächen erklären, gäbe es gegen die Mischung aus Herumlungern, Trinken und Rauchen vielleicht keine Handhabe mehr.

In der Stadt Kamen gibt es einen Mehrgenerationenspielplatz im neuen Sesekepark. Er wurde am 22. September eröffnet und verfügt über ein sogenanntes Mehrgenerationenband – ein für vor allem für Senioren gedachter Fitnessbereich mit mehreren Edelstahlgeräten. Zwei kleine Trampoline sind in den Boden eingelassen. Es gibt außerdem eine Armkurbel und das Trainingsgerät „Swing“, das den Rücken geschmeidig machen soll. Ein weicher Kunststoffbelag darunter dient als Fallschutz. Auch in Heeren (im Luisenpark) ist ein solcher Spielplatz geplant.

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