Seit drei Jahren wohnen Anja Freyenberg und Uwe Kretschmar schon in Lappenhausen. Auch wenn es nicht ihr erstes Weihnachtsfest in Holzwickede ist, so ist es in diesem Jahr doch ein ganz besonderes.

Holzwickede

, 24.12.2019, 04:48 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Haus von Anja Freyenberg und Uwe Kretschmar ist bei weitem noch nicht alles so, wie es sich das Paar vorstellt. Als sie das ehemalige Wohnhaus eines Bahnwärters in Lappenhausen vor drei Jahren gekauft haben, wurden sie von allen Seiten gewarnt: „Das Haus hat ziemlich gestunken“, erzählt Anja Freyenberg.

Und auch sonst war es in einem miserablen Zustand. Für die 50-Jährige aus Essen und den 56-Jährigen aus Glauchau war es aber Liebe auf den ersten Blick. Und das bereits zum zweiten Mal in ihrem Leben.

„Und dann standen zwei Engel vor der Tür“: Ein vorgezogenes Weihnachtswunder

Auf ihrem Gut in Lappenhausen haben Anja Freyenberg und Uwe Kretschmar auch tierische Mitbewohner: Sie haben sich sieben Schafe angeschafft, mit denen Freyenberg gerne auf der Wiese kuschelt. © Marcel Drawe

Denn auch das zugezogene Paar selbst lernte sich auf Umwegen kennen: „Wir haben uns in einem Urlaub beim Wandern das erste Mal getroffen“, sagt Freyenberg. Noch in diesem Urlaub habe es dann mächtig gefunkt, erzählen die beiden Wahl-Holzwickeder. Wenig später wurden sie schließlich ein Paar, ein Domizil für ihr junges Liebesglück fanden sie in Lappenhausen.

Das Haus ist seit drei Jahren eine Baustelle

Seit drei Jahren ist ihr Haus nun eine Baustelle, die in diesem Jahr endlich Form angenommen hat. Das musste sie auch, wie Kretschmar erklärt: Denn im August dieses Jahres stand ein aufregendes Wochenende auf dem Plan. Drei Tage lang feierten sie auf ihrem fast fertigen Gut ein großes Fest.

„Und dann standen zwei Engel vor der Tür“: Ein vorgezogenes Weihnachtswunder

Die rechte Haushälfte ist fertig, in der linken wird noch gearbeitet: Das Haus von Anja Freyenberg und Uwe Kretschmar ist gewissermaßen noch eine Baustelle. © Marcel Drawe

In einem Abwasch feierten Freyenberg und Kretschmar runden Geburtstag und Hochzeit. Für die Gäste aus Essen und Glauchau wurden auf der großen Schafwiese und ums Haus herum Zelte aufgebaut. „Das sah hier aus wie bei Wacken“, sagt Freyenberg und lacht. Die Party war für sie ein voller Erfolg.

Lange sah es aber gar nicht danach aus, als könnten die Neu-Holzwickeder in ihrem Haus schon in diesem Jahr eine große Feier ausrichten: In der Anfangsphase der Baustelle im Haus ging es nämlich ohnehin eher schleppend voran. Zu allem Überfluss hat sich dann die Handwerksfirma plötzlich aus dem Staub gemacht und hingeschmissen: „Wir wussten nicht mehr, wie es weiter gehen soll“, erinnert sich Freyenberg.

„Und dann standen zwei Engel vor der Tür“: Ein vorgezogenes Weihnachtswunder

Zeugnis aus alten Tagen: Über dem Eingang des Hauses in Lappenhausen hängt eine alte Bahn-Leuchte © Marcel Drawe

„Ich wollte schon gar nicht die Tür öffnen“

„Dann standen zwei Engel vor unserer Haustür“, sagt die 50-Jährige. Es war ein junges Paar, das sich für einen Pferdestellplatz interessierte und bei einem Spaziergang durch die Straße Lappenhausen schon mehrfach kurz davor war, einfach zu klingeln und zu fragen. An jenem Abend um 22 Uhr fassten sie sich ein Herz und gingen zur Haustür. „Ich wollte zu dieser späten Stunde schon gar nicht die Tür öffnen“, erzählt Freyenberg.

Sie hat es dann doch getan. Die beiden Paare kamen ins Gespräch und verstanden sich auf Anhieb. Für die beiden Lappenhausener war es eine Art Schicksalsbegegnung. Das junge Paar vermittelte ihnen in ihrer aussichtslosen Lage nämlich einen neuen Handwerker, der kurzfristig einspringen konnte.

„Und dann standen zwei Engel vor der Tür“: Ein vorgezogenes Weihnachtswunder

Schon im vergangenen Jahr haben sie sich dafür interessiert, jetzt hat es endlich geklappt: In ihrem alten Bahnwärter-Wohnhaus sangen Anja Freyenberg und Uwe Kretschmar mit ihren Gästen Weihnachtslieder. Vor allem Nachbarn und Freunde aus Essen waren ihrer Einladung nach Lappenhausen gefolgt. © Marcel Drawe

Knackpunkt war die linke Haushälfte, in die sie noch vor der großen Hochzeitsfeier einziehen wollten. „Das war noch Rohbau. Aber kein gut verputzter Rohbau“, sagt Freyenberg. Wo wenige Wochen später die Hochzeitsgäste tanzen sollten, blickte das Paar aus Lappenhausen auf „offene Steine“.

Der kurzfristig eingesprungene Maurer zeigte eine tadellose Leistung. Dank seines Einsatzes samt Sonderschichten konnte die Hochzeit im August wie geplant stattfinden. Zu dem Paar, das ihnen gewissermaßen das Fest gerettet hat, verbindet sie seitdem eine enge Freundschaft.

Und auch sonst haben sie sich in Lappenhausen gut eingelebt. Das ländliche Leben gefällt ihnen. Um in Holzwickede integriert zu werden, so erzählt Kretschmar, müsse man aber etwas tun. Auch wenn sie schon viele Freundschaften in ihrer neuen Heimat geschlossen haben, sind sie dennoch neugierig auf Neues. Aus diesem Grund haben sie sich für die Austragung eines der Adventsfenster beworben.

Glühweintrinken mit knapp 40 Gästen

Mit Erfolg. Zum Ende der Woche hatten sie an die 40 Gäste bei sich in Lappenhausen, die sie mit Glühwein versorgten. Für Freyenberg war es ein besonderes Erlebnis. Denn sie hatten nicht nur Menschen aus der Nachbarschaft zu Gast, sondern auch Freunde aus Essen. Sie stimmten sich auf ihr drittes Weihnachtsfest ein, das sie gemeinsam in Holzwickede verbringen werden.

„Und dann standen zwei Engel vor der Tür“: Ein vorgezogenes Weihnachtswunder

Am Freitag hatten die beiden Wahl-Holzwickeder knapp 40 Gäste beim 20. Adventsfenster zu Gast. © Marcel Drawe

Das Haus jedenfalls wird wohl auch noch einige weitere Weihnachtsfeste eine Baustelle bleiben. „Wenn etwas fertig ist, gibt es gleich etwas Neues“, sagt Kretschmar. Das finden er und seine Frau aber gar nicht schlimm. Sie genießen die gemeinsame Zeit in ihrem Haus, in dem sie viel Platz für große Feiern und noch weitere Adventsfenster haben. Eine Neuauflage fürs nächste Jahr ist bereits in trockenen Tüchern.

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