So sieht das Provisorium aus: Mit Bauzäunen sperrt die Gemeinde in den Abendstunden die Schulhöfe am Schulzentrum ab. Dieser Anblick gefällt nicht allen gut. © Privat
Gegen Vandalismus

Überwachung am Schulhof: Kameras wären denkbar, aber das letzte Mittel

Am Holzwickeder Schulzentrum könnten bald Kameras hängen, die vor weiteren Vandalismus-Taten abschrecken sollen. Gegen einen Zaun hatte die Politik zuletzt protestiert. Jetzt hält sich der Widerstand in Grenzen.

Nächtliche Sachbeschädigungen am Schulzentrum sorgen bei der Gemeinde Holzwickede noch immer für pure Verzweiflung. Der letzte Versuch, mit dem man die Lage in den Griff bekommen wollte, stieß in der Politik auf großen Widerstand. Einen provisorischen Zaun, der um den Schulhof des CSG aufgebaut wurde, hat man deshalb nach wenigen Tagen wieder entfernt.

Jetzt denkt man über Alternativen nach und will über eine mögliche Kamera-Überwachung diskutieren. Aber zieht die Politik bei diesem Vorhaben mit? Wir haben in allen Fraktionen nachgefragt und alle Stimmen zusammengefasst. Es zeichnet sich eine deutliche Tendenz ab.

Michael Klimziak, Fraktionschef (SPD):
„Wir haben uns damals darauf verständigt, dass man andere Wege finden muss, um den Menschen zu begegnen, die da Vandalismus betreiben. Kontrollen vom Ordnungsamt und Gespräche von Mitarbeitern aus der örtlichen Jugendarbeit wären sinnvoll. Da ist aber noch nichts passiert und dieser Zwischenschritt fehlt mir. Außerdem wünschen wir uns erstmal eine Zusammenfassung über andere Stellen, die betroffen sind und welche Kosten durch Vandalismus entstanden sind.

Im April sind Randalierer in einen Container eingebrochen, der aktuell auf dem Schulgelände steht. © Privat © Privat

Ob ein Zaun oder eine Kamera am Ende das probate Mittel ist, darüber wird man jetzt nochmal diskutieren müssen. Vielleicht muss man irgendwann zu solchen Mitteln greifen, aber das ist mir jetzt zu früh. Wir hätten aber gerne, dass die Politik vorher informiert wird und von so einem Vorhaben nicht in der Zeitung erfährt.“

Lars Berger, Fraktionschef (FDP): „Grundsätzlich sind wir da schon skeptisch. Aber wir wollen der Sache auch gerecht werden. Wenn Leute meinen, sie müssen sich so verhalten, dann muss man da eine Lösung finden. Über Schulsozialarbeiter müsste man Projekte starten. Das sind alles Maßnahmen, die würden wir uns vor einer möglichen Installation von Kameras wünschen. Wir können jetzt nicht sagen, dass wir den Bereich einfach überwachen und das war´s dann.

In der letzten Sitzung des Planungs- und Bauausschusses hat man gesehen, wie stark die Basketballkörbe zu später Stunde noch genutzt werden. Das wollen wir erhalten. Wenn es sich aber gar nicht umgehen lässt, dann muss man auch das letzte Mittel ausschöpfen. Wer bewusst Vandalismus betreiben will, der kann einen Zaun zum Beispiel überwinden.“

Frank Lausmann, Fraktionsmitglied (CDU): „Es geht hier um öffentliches Eigentum von Bürgerinnen und Bürgern, das wir schützen müssen. Dieses Eigentum gehört aber auch den Jugendlichen. Wir möchten ausdrücklich, dass die Basketballkörbe und so weiter in der Freizeit benutzbar bleiben. Es gibt offenbar Menschen, die versuchen das zu zerstören und das muss verhindert werden. Um sein Eigentum zu schützen, ist es eine legitime Art, auch Kameras einzusetzen.

Verkohlte Überreste eines großen Blauen Papiercontainers. Hätte der zu nah am Gebäude gestanden, hätte das CSG in Brand geraten können, so die Gemeinde Holzwickede. © Privat © Privat

Aber auch das muss nicht unbedingt funktionieren. An der Carolinenbrücke gibt es Kameras und es ist absolut unbefriedigend, dass man das Vandalismusproblem damit auch nicht in den Griff bekommt. Persönlichkeitsrechte von unbescholtenen Bürgern müssen selbstverständlich geschützt werden, Aber wir müssen auch das Eigentum der Bürgerinnen und Bürger schützen.“

Michael Laux, Fraktionschef (BBL): „Unsere Einstellung zum Zaun ist noch aktuell. Wir bleiben dabei: Es gibt keine super gute Lösung für das Problem. Unserer Meinung nach sollte der Schulhof für Kinder und Jugendliche nachmittags offen stehen. Wir sind dagegen, dass er abgeschlossen wird. Über die Kameras haben wir fraktionsintern noch nicht diskutiert, aber Videoüberwachung ist sicherlich schwierig, auch datenschutzmäßig.

Meiner Meinung nach könnte es eine Option sein für die Zeiten, wo man denken sollte, dass sich niemand mehr dort aufhält. Die Alternative wäre ein regelmäßiges Vorbeischauen – vielleicht vom Ordnungsamt oder der Polizei. Es ist gut, wenn man so etwas in einem persönlichen Dialog lösen kann und das Gefühl einer Kontrolle da ist.“

Lukas Kaldenbach, Fraktionschef (Die PARTEI): „Das ist ein brisantes Thema. In der Fraktion haben wir noch nicht über die Kameras gesprochen. Aber die sind auch nicht viel besser als ein Zaun. Der Schulhof ist ein öffentlicher Platz, da sollte keine Video-Überwachung stattfinden. Man könnte es mit der Sozialarbeit versuchen. Durch den neuen Kinder- und Jugendförderplan ist eine neue halbe Stelle bei der evangelischen Jugend geschaffen worden. Diese könnte da ein größeres Augenmerk drauf legen.

Bis zum Ende des Jahres sollte man beobachten und dann zu anderen Maßnahmen greifen. Es sollte aber freie Räume für Jugendliche geben, die nicht von anderen Bürgern kontrolliert oder beobachtet werden. Das ist auch Aufgabe von uns zu schauen, wo wir in der Gemeinde diese Plätze schaffen können.“

Dietmar Appel, stellvertretender Fraktionschef (Bündnis90/Die Grünen): „Wir waren extrem gegen das Ausgrenzen durch irgendwelche Zäune. Das Aussperren geht gar nicht. Wir halten aber auch den Vandalismus für untragbar. Das mit den Kameras ist eine machbare Lösung. Ich habe persönlich aber ein bisschen Probleme, was den Datenschutz angeht. Aber es geht in erster Linie darum, den Vandalismus zu bekämpfen.

Wahrscheinlich geht´s gar nicht mehr anders, wenn die Lage sonst eskaliert. Es muss aber natürlich mit den Datenschutzbestimmungen übereinstimmen. Es geht ja gar nicht darum, dass wir eine Überwachungsmethode haben, wenn Kinder nach Schulschluss spielen.“

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Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski

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