Der komplizierte Umgang mit Zivilcourage: Wie gehe ich vor, wenn ich Zeuge einer Gewalttat werde? Vor dieser Frage stand am Donnerstag eine Opherdickerin, deren Nachbarin mit einer Pistole bedroht wurde. Christian Stein, Sprecher der Kreispolizeibehörde, ordnet ihr Verhalten ein. © picture alliance/dpa
Sicherheit

Überfall in Opherdicke: War das Einschreiten der Nachbarin richtig? Polizei klärt auf

Ein bewaffneter Raubversuch auf eine Frau in Opherdicke endete wohl vor allem deshalb glimpflich, weil eine Nachbarin dazu kam. Ihr Einschreiten war wichtig, aber nicht zu 100 Prozent richtig.

Tatort Opherdicke: Der bewaffnete Raubversuch, bei dem zwei unbekannte Männer an der Kuhstraße am Donnerstag eine 57-Jährige – quasi auf der Türschwelle ihres Wohnhauses – mit einer Pistole bedrohten, endete für die Täter erfolglos.

Eine aufmerksame Nachbarin hat die Hilfeschreie des Opfers gehört, näherte sich dem Geschehen – und trieb die beiden Männer dadurch offenbar in die Flucht. Dieses Verhalten kann man durchaus als Zivilcourage bezeichnen. Dies kann für die betroffene Person im schlimmsten Fall aber selbst gefährlich werden.

Zivilcourage in Opherdicke: Fragen und Antworten zum richtigen Verhalten

Christian Stein, Sprecher der Kreispolizeibehörde in Unna, ordnet das Verhalten der aufmerksamen Nachbarin ein – und beantwortet die wichtige Frage, wie man sich in so einer Situation aus Sicht der Polizei am besten verhält:

Hat sich die Nachbarin richtig verhalten?

Laut Christian Stein ist Zivilcourage grundsätzlich etwas, das sehr wünschenswert ist, in vielen Fällen aber nicht praktiziert wird. Bei dem Fall in Opherdicke sei es nicht etwa so gewesen, dass die Nachbarin nah an die Täter herangegangen sei, sie gar überwältigt hätte. Ihr Erscheinen – wenn auch auf Distanz – hat bei diesem Vorfall offenbar ausgereicht. Menschen, die helfen wollen, sollten immer darauf achten, dass sie sich dabei nicht selbst in Gefahr bringen.

Was hätte man anders machen sollen?

Die Nachbarin hat nach Angaben von Stein nicht sofort die Polizei gerufen, sondern sich erst ein Bild von dem Sachverhalt gemacht, ehe sich die Situation dann schnell aufgelöst hat. Im Idealfall hätte sie im ersten Schritt den Notruf gewählt und hätte dann die Lage vorsichtig untersucht.

Warum ist es wichtig, erst den Notruf zu wählen?

Mit den ersten Informationen können sich die Beamten auf dem Weg zum Tatort vorbereiten. Zeugen sollten sämtliche Details, die sie bis dahin erkennen konnten, der Dienststelle mitteilen. Sind die Täter bewaffnet? Wie sehen sie aus? Welche Kleidung tragen sie? Dass die Täter in Opherdicke eine Pistole benutzten, ist in diesem Fall eine entscheidende Information. Solche helfen den Polizeibeamten nicht nur während des Einsatzes, sondern auch bei einer potenziellen anschließenden Fahndung: „Das sind natürlich wertvolle Sekunden, die uns fehlen“, so Stein.

Hat sich die Nachbarin in diesem Punkt also falsch verhalten?

Nicht unbedingt. Stein weist darauf hin: „Im Nachhinein ist das immer einfach zu sagen. Man befindet sich in einer nicht gewohnten Stresssituation, bei der man oft nicht sofort die richtige Vorgehensweise erkennt.“ Mit Blick auf ihre eigene Sicherheit sieht der Polizeisprecher in diesem Fall kein Problem: Im ersten Moment sei zwar nicht absehbar gewesen, wie sich die angespannte Lage entwickeln wird. Insgesamt sei die herbeigeeilte Nachbarin an der Kuhstraße aber nicht in „akuter Gefahr gewesen“. Wer Zivilcourage zeigen möchte, der solle dennoch vorher dringend die Polizei verständigen. Er betont nochmal: Der Nachbarin kann man insgesamt keinen Vorwurf machen: Einen bewaffneten Raubversuch sieht man in der Regel nicht allzu häufig.

Und wenn ich nicht riskieren will, dass die Polizei umsonst kommen muss?

In solchen Fällen gilt: „Uns lieber einmal zu viel rufen als einmal zu wenig. Wenn es sich am Ende als harmlos herausstellt, ist es umso besser“, sagt Stein.

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski

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