Haarstrang U-Bahn-System: In Hengsen steht ein vermeintliches Baustellenschild, das die Umsetzung eines durchaus kurios klingenden Projektes ankündigt. © Carlo Czichowski
Verkehr und Baustellen

U-Bahn-Ausbau in Holzwickede? Ein „Baustellenschild“ in Hengsen wirft viele Fragen auf

Eine U-Bahn, die direkt in Holzwickedes dörflichen Süden führen soll. Das wird auf einer großen Tafel in Hengsen angekündigt. Ist es ein bahnbrechendes Projekt oder einfach ein Aprilscherz?

Die Anbindung von Holzwickedes Süden an die Gemeindemitte und die umliegenden Ballungsgebiete lässt aus Sicht vieler Dorfbewohner zu wünschen übrig. Glaubt man einem Schild in Hengsen, das den Bau von zwei U-Bahn-Stationen am Kellerkopf und am Wasserturm ankündigt, so dürfte das Verkehrsproblem schon bald ein für alle Mal vom Tisch sein.

In der Stadtbahn-Haltestelle Stadtgarten hat ein Maskenverweigerer Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes angegriffen. © Oliver Schaper (Archiv) © Oliver Schaper (Archiv)

In den vergangenen zwei Tagen dürften schon viele Spaziergänger und Radfahrer an dem Schild, das sich zwischen Schwerter Straße und Wasserturm befindet, vor allem irritiert stehen geblieben sein. Wie diese Redaktion erfahren hat, war das genau das Ziel, das die Initiatoren des sogenannten Haarstrang U-Bahn-Systems (HUBS) verfolgt haben.

Scherz um U-Bahn-Bau in Holzwickede: Viel Vorfreude und ein fingierter Spatenstich

Es handelt sich nämlich um einen Aprilscherz, der gewissermaßen „auf den Mist“ einer kleinen Gruppe um Franz-Josef Dudenhausen und Petra Kittl gewachsen ist. Die beiden haben das „Projekt“ geplant, um den Menschen in Holzwickede am 1. April in der durchaus betrübenden Krisenzeit einen kurzen Moment zum Lachen zu bringen, wollen außerdem aber auch einige laufende, kostspielige Bauprojekte auf die Schippe nehmen.

Fingierter Spatenstich: Für ihren Aprilscherz griffen die Hengser und Opherdicker Spaßvögel Lars Berger, Franz-Josef Dudenhausen, Petra Kittl, Andreas van den Bogaert und Werner Pommerening an der „Baustelle“ selbst zur Schaufel. © Carlo Czichowski © Carlo Czichowski

Am Dienstag haben sie zu einem ersten „Spatenstich“ geladen, präsentierten stolz die Werkzeuge ihres Scherzes: Ein Zaun, schweres Gerät und ein professionell erstelltes Schild, auf dem, so vermuteten es jedenfalls Kittl und Dudenhausen, man erst beim zweiten Blick merkt – beziehungsweise mit gesundem Menschenverstand merken sollte – dass es sich dabei einfach nur um einen Scherz handelt.

Falsche Flagge, falsches Schild: Die HUBS ist in Wahrheit nur ein Scherz

Und trotzdem: Das „Baustellenschild“ mutet auf den ersten Blick sehr seriös an, zeigt vermeintlich die Flagge der Europäischen Union und das Wappen des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW), die mit dem Scherz natürlich nichts zu tun haben. Wie Dudenhausen erläutert, haben sie sich rechtlich gewissermaßen abgesichert, aus der Europaflagge zum Beispiel einen Stern entfernt und das NRW-Wappen schlichtweg spiegelverkehr abgebildet.

Vor Ort sind sie schon vereinzelt angesprochen worden. Beim fingierten Spatenstich blieben jedenfalls einige Autofahrer stehen, schauten sich die Tafel an und fuhren weiter. Die Reaktionen reichten von Kopfschütteln bis Gelächter.

Die Zahl derer, die den Spaß völlig ernst genommen haben, dürfte sich nach Auffassung der beiden Spaßvögel aus Hengsen und Opherdicke jedenfalls in Grenzen gehalten haben. „Wenn man da vorbei fährt, kann man sich ja eigentlich nur an den Kopf fassen“, sagt Dudenhausen.

Kittl und Dudenhausen hatten während der Planung jedenfalls viel Spaß mit der Aktion und hoffen, dass die Telefone bei der Gemeinde in den vergangenen Tagen nicht allzu heiß gelaufen sind.

Pandemie hin oder her: Ein bisschen Spaß muss laut Kittl und Dudenhausen auf jeden Fall sein. „Außerdem wäre dann auch die Seilbahn nicht mehr notwendig“, sagt Kittl, spielt damit auf die Wahlkampfforderung des 2020 in den Gemeinderat eingezogenen, personell sehr jungen Ortsverbandes der Satire-Partei Die PARTEI an.

Die PARTEI wollte mit ihrem eher satirisch gemeinten Vorschlag die Dörfer im Süden besser an die Gemeindemitte anbinden. Kittl und Dudenhausen haben mit ihrer Aktion jedenfalls bewiesen, dass in Holzwickede Spaß nicht nur etwas für junge Erwachsene ist.

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski
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