Haus Opherdicke ist ein Schmuckstück, vereint das Erlebnis von Kunst, Kultur, Architektur und Natur. Die Entwicklung wurde 2017 von einem Skandal überschattet, schreitet aber voran.

Holzwickede

, 03.08.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit den 1980er-Jahren befindet sich der ehemalige Herrensitz, dessen Wurzeln bis ins zwölfte Jahrhundert zurückreichen, im Besitz des Kreises Unna. Schon damals entstand die Idee, Haus Opherdicke zu einem kulturellen Aushängeschild des Südkreises auszubauen, ähnlich wie es das Schloss Cappenberg für das nördliche Kreisgebiet ist.

Das nötige Geld für die Sanierung des 1687 fertiggestellten Haupthauses stand jedoch erst mit dem „Konjunkturpaket II“ zur Verfügung, das der Bund im Zuge der Finanzkrise 2008 auflegte.

Trotz Stiftungsskandal: Wie Haus Opherdicke zum kulturellen Aushängeschild der Region wurde

Auch beim landesweiten „Tag der Gärten und Parks“ war Haus Opherdicke zuletzt dabei. © Marcel Drawe

2009 beschloss der Kreistag einstimmig den Um- und Ausbau des Guts, der 2010/11 mit der umfangreichen Sanierung des Haupthauses begann. Dabei entstanden im ersten Obergeschoss auch Galerieräume, in denen seitdem regelmäßig wechselnde Ausstellungen von Werken namhafter Künstler zu sehen sind. Inzwischen ist Opherdicke nicht nur ein Ausstellungsort von überregionaler Strahlkraft, sondern ermöglicht Kultur und Begegnung auf vielfältigste Art.

Waldschule Cappenberg hat Zweigstelle auf Opherdicke eröffnet

Ob Konzerte, Malermarkt, Extraschicht oder Skulpturenpark – es gibt jede Menge zu erleben und zu entdecken. Was auch für die 2017 eröffnete Zweigstelle der Waldschule Cappenberg gilt, die Natur, Kultur und den geschichtsträchtigen Ort sogar geschickt mit der Moderne zu verknüpfen weiß – in Form der kürzlich vorgestellten Smartphone-Rallye für die ganze Familie.

Trotz Stiftungsskandal: Wie Haus Opherdicke zum kulturellen Aushängeschild der Region wurde

Gemäß seiner Nutzungsordnung versteht sich Haus Opherdicke auch als Forum für Demokratie und Diskussion. Die politischen Veranstaltungen sind mitunter umstritten – und lösten im Falle des AfD-“Bürgerdialogs“ im Februar 2019 sogar Protest aus. © Udo Hennes

Dass Haus Opherdicke qua seiner Statuten ein „öffentliches Kultur- und Begegnungszentrum“ ist und der Allgemeinheit auch für politische Veranstaltungen zur Verfügung steht, sorgte in der jüngeren Vergangenheit durchaus für Kontroversen. So veranstaltete die Landtagsfraktion der AfD im Februar 2019 einen „Bürgerdialog“ im Bauhaus – sehr zum Unmut der Grünen, die seinerzeit die Auffassung vertraten, Haus Opherdicke dürfe einer Partei, die als Prüffall des Verfassungsschutzes eingestuft werde, nicht zur Bühne werden.

Vermögende Eheleute wollten Stiftung für Haus Opherdicke gründen

Dieser Disput war freilich ein laues Lüftchen im Vergleich zu dem Sturm der Entrüstung, den die geplatzte Stiftung für Haus Opherdicke zwei Jahre zuvor in der Öffentlichkeit ausgelöst hatte.

Zwei vermögende Eheleute aus dem Großraum Berlin wollten ihren millionenschweren Nachlass zur Weiterentwicklung Haus Opherdickes einsetzen, weil sie sich einerseits der Kultur und andererseits dem kreiseigenen Gut aufgrund historischer verwandtschaftlicher Beziehungen besonders verbunden fühlten. Eine Stiftung in Treuhänderschaft des Kreises sollte gegründet und als Alleinerbin eingesetzt werden. Zu den Bedingungen des Ehepaars zählten die Errichtung eines Skulpturenparks und eines Kräutergartens sowie die Berufung ihres Vertrauten Thomas Hengstenberg in den Stiftungsrat.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Skulpturenpark Haus Opherdicke

Bilder von der Aufstellung der Skulpturen des Bildhauers Raimondo Puccinelli am Haus Opherdicke in Holzwickede im November 2017
01.08.2019
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Aufstellung Skulpturenpark Haus Opherdicke© Marcel Drawe
Aufstellung Skulpturenpark Haus Opherdicke© Marcel Drawe
Aufstellung Skulpturenpark Haus Opherdicke© Marcel Drawe
Aufstellung Skulpturenpark Haus Opherdicke© Marcel Drawe
Aufstellung Skulpturenpark Haus Opherdicke© Marcel Drawe
Aufstellung Skulpturenpark Haus Opherdicke© Marcel Drawe
Aufstellung Skulpturenpark Haus Opherdicke© Marcel Drawe
Aufstellung Skulpturenpark Haus Opherdicke© Marcel Drawe
Aufstellung Skulpturenpark Haus Opherdicke© Marcel Drawe
Aufstellung Skulpturenpark Haus Opherdicke© Marcel Drawe
Aufstellung Skulpturenpark Haus Opherdicke© Marcel Drawe
Aufstellung Skulpturenpark Haus Opherdicke© Marcel Drawe
Aufstellung Skulpturenpark Haus Opherdicke© Marcel Drawe
Aufstellung Skulpturenpark Haus Opherdicke© Marcel Drawe
Aufstellung Skulpturenpark Haus Opherdicke© Marcel Drawe
Aufstellung Skulpturenpark Haus Opherdicke© Marcel Drawe
Aufstellung Skulpturenpark Haus Opherdicke© Marcel Drawe
Aufstellung Skulpturenpark Haus Opherdicke© Marcel Drawe
Aufstellung Skulpturenpark Haus Opherdicke© Marcel Drawe
Aufstellung Skulpturenpark Haus Opherdicke© Marcel Drawe

Hengstenberg, der damals den Fachbereich Kultur beim Kreis Unna leitete und das Projekt über viele Jahre vorantrieb, war jedoch in politischen Kreisen nicht unumstritten. Seine Bemühungen mündeten im Sommer 2016 in einer Beschlussvorlage für den Kreistag, nebst Stiftungsvertrag und -satzung.

Stiftung scheiterte an Arroganz, Machtgehabe und Intrigen

Doch zur Beschlussfassung ist es nie gekommen. Die Abstimmung wurde auf Betreiben der beiden großen Fraktion von SPD und CDU mehrfach vertagt – ungeachtet immer lauterer Warnungen, dass die Stiftung dadurch scheitern könne. Anfang Januar 2017 entschieden die potenziellen Stifter schließlich, zermürbt von der Hinhaltetaktik und politischen Intrigen um die Personalie Thomas Hengstenberg, ihr Angebot zurückziehen.

Auf SPD und CDU prasselte viel Kritik ein. So sammelten enttäuschte Bürger in Eigeninitiative über 1000 Unterschriften, die sie zusammen mit einem Dankes- und Entschuldigungsschreiben an das verprellte Stifterpaar auf den Weg brachten. Sie äußerten darin auch ihr Bedauern über das zögerliche Verhalten der Mehrheit im Kreistag.

Trotz Stiftungsskandal: Wie Haus Opherdicke zum kulturellen Aushängeschild der Region wurde

Den Park mit den 13 Skulpturen von Raimondo Puccinelli gibt es auf Haus Opherdicke heute trotz der gescheiterten Stiftungsgründung, den seinerzeit ebenfalls geplanten Kräutergarten nicht. © Udo Hennes

Die Vorsitzenden der SPD- und CDU-Fraktion, Brigitte Cziehso und Wilhelm Jasperneite, hielten sich damals freilich trotz zahlreicher Rücktrittsforderungen im Amt – und betonten, dass Haus Opherdicke auch ohne die Stiftung weiterentwickelt werde. Die zu diesem Zweck eingesetzte „Burgenkommission“ ebnete in der Folge unter anderem den Weg für die Errichtung des Skulpturenparks mit 13 Werken des Bildhauers Raimondo Puccinelli.

Die wurde letztlich genauso mit Mitteln aus dem Haushalt des Kreises finanziert wie nun der Umbau des früheren Schafstalles. Für gut 750.000 Euro entstehen darin Werkstatt- und Lagerräume für die Kunst. Die freiwerdenden Räume im Keller des Haupthauses sollen zukünftig dem Bistro angeschlossen werden, das zum 1. September eröffnen wird.

Heutige Verantwortliche wollen den Blick nur nach vorn richten

Dass man den Standort Opherdicke auch mit dem siebenstelligen Vermögen einer Stiftung, die als Verbrauchsstiftung zu genau diesem Zweck angelegt worden wäre, hätte weiterentwickeln können – alles Konjunktiv.

Seitens der Kreisverwaltung kümmern sich heute mit dem sowohl für Finanzen als auch für Kultur zuständigen Kreisdirektor Mike-Sebastian Janke und dem Hengstenberg-Nachfolger Arne Reimann als Ausstellungsmacher andere Menschen an verantwortlicher Stelle um Haus Opherdicke. Sie wollen im Gespräch mit unserer Redaktion keine alten Wunden aufreißen, sondern zeigen sich froh, dass es auf Opherdicke trotz der Affäre erkennbar vorangeht.

„Finanziell hätte es sich deutlich positiver gestaltet für den Kreis Unna und mittelbar auch für die angehörigen Städte und Gemeinden, wenn der Kreistag sich damals mit mehr Verstand und Herzblut dem honorigen Angebot der Eheleute gewidmet hätte.“
Herbert Goldmann, Grünen-Fraktionschef im Kreistag

Bei Herbert Goldmann, Grünen-Fraktionschef und damals wie heute einer der schärfsten Kritiker des Gebarens von SPD und CDU im Kreistag, hört sich das freilich anders an. „Das Desaster der sogenannten Gestaltungsmehrheit“, sagt er, „holt uns bei solchen Investitionsentscheidungen immer wieder ein.“ Zwar sähen erfreulicherweise alle Beteiligten die Notwendigkeit, den Standort Opherdicke weiterzuentwickeln. Aber zur Wahrheit gehört laut Goldmann eben auch: „Finanziell hätte es sich deutlich positiver gestaltet für den Kreis Unna und mittelbar auch für die angehörigen Städte und Gemeinden, wenn der Kreistag sich damals mit mehr Verstand und Herzblut dem honorigen Angebot der Eheleute gewidmet hätte.“

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