Trickbetrüger geben sich am Telefon als Polizisten aus

dzVermeintliche Räuber in der Nachbarschaft

Vergebens hat ein Betrüger sich zu Wochenbeginn am Telefon als Polizist ausgegeben, um das Vetrauen eines Holzwickeders zu gewinnen. Die Masche ist der echten Polizei bereits geläufig.

Holzwickede

, 08.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Rainer Risse hat am Montag noch geschlafen, hatte Nachtschicht, als gegen 12 Uhr der Festnetzanschluss klingelte. Es meldete sich ein vermeintlicher Kripobeamter. Noch nicht ganz wach hörte der Holzwickeder zu, am anderen Ende informierte der Anrufer darüber, dass in der direkten Nachbarschaft am Montagmorgen gegen 7 Uhr ein Haus ausgeraubt wurde.

Je länger der Anruf dauerte und je wacher Rainer Risse wurde, desto skeptischer wurde er, denn der Mann von der Kripo sprach nur gebrochenes Deutsch. Risse erkundigte sich dann, bei welchem Nachbarn eingebrochen worden sei. Aus ermittlungstaktischen Gründen dürfe er dazu nichts sagen, war die Antwort des Anrufers.

Betrüger rechtzeitig abgewimmelt

„Man hat zwei rumänische Männer im Umfeld festgenommen, welche eine Sporttasche mit Bargeld, Schmuck und mit einem Zettel, wo Ihr Name mit Ihrer kompletten Anschrift draufstand, bei sich hatten“, erklärte der vermeintliche Kripo-Beamte, der dann von Risse wissen wollte, wie die Räuber wohl an seinen Namen und Anschrift kämen. Die Antwort Risses: „So wie Sie, aus dem örtlichen Telefonverzeichnis.“

Auf weitere Andeutungen des Anrufers ging Risse nicht ein, der Anrufer legte grußlos auf. Für den Betrüger war an der Stelle wohl klar: Hier ist nichts zu holen. Rainer Risse bemerkte zudem, dass die Nummer des Anrufers auch im Display seiner Schwiegereltern auftauchte. Beide sind über 90 Jahre alt, waren zum Zeitpunkt des Anrufes aber nicht zugegen.

Die Masche ist der Polizei im Kreis Unna wohlbekannt. „Die Nummern im Display können zwar real existieren, werden aber einfach nur zwischengeschaltet, damit sie im Display erscheinen“, sagt Polizeisprecher Thomas Röwekamp. Im Falle von Rainer Risse haben der oder die Betrüger eine ausgedachte Nummer mit einer Herforder Vorwahl genutzt. Ein Rückruf ergibt: kein Anschluss unter dieser Nummer.

Unseriöse Anrufe

Wenn sich ein vermeintlicher Polizeibeamter meldet

Falls im Telefondisplay die Rufnummer der Polizei (110), gegebenfalls mit einer Vorwahl, auftaucht, dann handelt es sich nicht um einen Anruf der Polizei. Bei einem Anruf der Polizei erscheint nie die 110 im Telefondisplay. Gibt sich der Anrufer als Polizeibeamtin oder Polizeibeamter aus, sollen sie ihre Namen nennen. Im Anschluss wiederum selbst die 110 wählen und Namen und Sachverhalt schildern. Unbekannten Personen niemals Auskünfte über Vermögensverhältnisse oder andere sensible Daten geben. Unbekannten Personen nicht die Tür öffnen, oder wenn möglich eine Vertrauensperson hinzuziehen. Niemals Geld oder Wertsachen übergeben – auch nicht Boten oder angeblichen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern der Polizei, Staatsanwaltschaften, Gerichten oder Geldinstituten. Wer Opfer eines Trickanrufes wurde, sollte das in jedem Fall der Polizei melden und Anzeige erstatten.

Rainer Risse hat richtig gehandelt und ist nicht auf die Angaben des Anrufers eingegangen. Laut Röwekamp versuchen die Betrüger in der Regel ein Vetrauensverhältnis zu ihren Opfern aufzubauen. Die Masche des falschen Kripo-Beamten geht dann so weiter, dass die Opfer durch mehrere Anrufe psychisch enorm unter Druck gesetzt werden. Das Ziel der Betrüger: Die Opfer übergeben Bargeld und Wertgegenstände schließlich an falsche Polizisten an der Wohnungstür oder an einem vereinbarten Ort – quasi zum Schutz vor den Einbrechern, die es nie gegeben hat. Statt die Wertsachen wie versprochen zu verwahren, machen sich die Täter damit natürlich aus dem Staub.

„Diese Fälle tauchen immer wieder auf. Sie ziehen sich wellenartig durch Städte und Gemeinden“, sagt Röwekamp. Auch in Unna seien am vergangenen Wochenende sieben solcher Anrufe gemeldet worden. Die Täter gehen die Telefonverzeichnisse durch, konzentrieren sich auf Namen, hinter denen sie ältere Mitbürger vermuten. Auch kurze Festnetznummern sind für sie oft ein Indikator für eine langjährige Adresse und damit eher ältere Menschen. „Auch ich wurde von einem Bekannten angesprochen, der so einen Anruf erhalten hat. Wir konnten darüber lachen“, sagt Röwekamp. Dennoch ist ihm bewusst, dass insbesondere ältere Menschen sich durch solche Anrufe verunsichern lassen könnten. Und tatsächlich hat diese Masche auch Erfolg: Gelistet sind für das Jahr 2017 im Kreis Unna 207 solcher Vorfälle mit einer Schadenssumme von 262.000 Euro.

Die Täter sind kaum zu fassen

Der Kreis Unna reagiert seit geraumer Zeit mit Hinweisplakaten in Arztpraxen. Zudem sind auch die Seniorenberater durch die Kreispolizeibehörde geschult in der Thematik und informieren regelmäßig. „Auch wenn ältere Menschen plötzlich große Summen bei ihrer Bank abheben, sind die Mitarbeiter vielerorts soweit geschult, dass sie skeptisch werden. Im Zweifel bekommen wir das dann gemeldet“, sagt Thomas Röwekamp. Nicht selten gehen die falschen Polizisten so weit, dass sie vorgeben, auch die Bankmitarbeiter seien in kriminelle Machenschaften involviert. Deshalb müsse das Geld runter vom Konto und übergeben werden. „In anderen Varianten wird ein Computerfehler in der Bank vorgetäuscht, um Pin-Nummern zu bekommen“, sagt Röwekamp.

Mitunter würden es Verbrecher auch dreist über die 110 probieren. „Die Polizei ruft niemals über die 110 irgendwo an. Auch sonst ist diese Konstellation völlig unrealistisch. Wir würden niemals Wertsachen einsammeln, um sie vor vermeintlichen Einbrechern zu schützen oder um Täter zu ermitteln“, sagt Röwekamp. Die Täter hinter den Aktionen zu ermitteln, sei schwierig. Über ausländische Telefondienstanbieter sind die Täter in der Lage, jede beliebige Rufnummer im Display des Angerufenen einzublenden. Die Nummer auf dem Telefondisplay liefert keineswegs eine sichere Identifikationsmöglichkeit. Die Anrufer selbst müssen sich demnach gar nicht in Deutschland aufhalten, brauchen dann nur Strohmänner, falls Übergaben tatsächlich vereinbart werden. „Es ist nahezu unmöglich, die Anrufe zurückzuverfolgen“, sagt Thomas Röwekamp.

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