Auf Antrag der SPD wurde der Parkplatz am Montanhydraulikstadion vor einigen Wochen erst durch den Baubetriebshof saniert. Mit dem Bolzplatz im Hintergrund bietet sich das Areal für Friedhelm Klemp an, um hier eine Sitzgruppe für Jugendliche zu realisieren. © Udo Hennes
Meinung

Treffpunkt für Jugend: Grünen fehlt der Sinn für junge Menschen

Ein Kleinod mitten im Ort soll kein Treffpunkt für Jugendliche werden. Dabei ist er das seit Jahren. Möchte man aber für junge Menschen Alternativen schaffen, geht das nur mit ihnen, meint unser Autor.

Seit etwas mehr als drei Jahren schreibe ich nun für den Hellweger Anzeiger und meist liefert das Geschehen in und um Holzwickede meine Themen. Und so überschaubar die kleinste Kommune im Kreis Unna auch ist: Sie bietet doch immer wieder Überraschungen.

Ich gebe offen zu: Das rund ein Hektar große Kleinod entlang der Emscher zwischen Dudenroth- und Hauptstraße hatte ich nie auf dem Radar. Es war so lange ein weißer Fleck auf meiner Holzwickede-Landkarte, bis es vor einigen Wochen durch einen Antrag der PARTEI in den Fokus rückte.

Der Antrag zielt auf wenige Quadratmeter rund um einen mächtigen Laubbaum, der seit Jahren bei Jugendlichen als Treffpunkt beliebt ist. Wenn dem so ist, warum dann nicht eine Bank und einen Mülleimer aufstellen? Zumindest Letzteres hätte der Bereich bitter nötig. Als ich in der Vorwoche in den Abendstunden auf dem Pfad entlang der Emscher spazierte, sammelten sich unter dem Baum die Eistee-Kartonagen und Süßkram-Verpackungen. Auch Scherben trübten das Gesamtbild.

Vor mehr als 20 Jahren umfasste das Areal einen Bolzplatz. Mittlerweile hat sich die Natur den Bereich zurückgeholt und ich persönlich fände es toll, wenn es so bleiben würde. Solche Flächen finden sich kaum noch in urbanen Räumen. Aber: Dieser eine Baum ist seit Jahrzehnten bei Jugendlichen als Rückzugsort beliebt.

Den jungen Menschen keinen Treffpunkt vorsetzen

Würden junge Menschen einen von Politik und Verwaltung ausgehandelten und geschaffenen Alternativplatz annehmen? Würden Bänke und Tische dem – nicht immer rational erklärbaren – Verhalten pubertierender Teenager standhalten?

Meine Meinung: Nein. Zumindest nicht, wenn Jugendliche nicht einbezogen werden. Es bringt nichts, wie von Grünen-Ratsherr Friedhelm Klemp vorgeschlagen, wenn man den jungen Menschen eine Alternative am Ortsrand vor die Nase setzt, „wo sie nicht stören.“ So ein Ort würde nicht respektiert.

Respekt, wer es selber macht

Stattdessen müssen Kinder und Jugendliche sich einbringen können: In die Auswahl eines Ortes, in die Gestaltung, in den Aufbau. Was ich geschaffen habe, das wertschätze ich auch.

Zurück zum Kleinod an der Emscher: Selbst wenn an anderer Stelle ein toller Treffpunkt entsteht, wird genannter Baum nicht plötzlich außen vor sein. Per Sitzbank muss man daher nicht auch noch zum Verweilen einladen. Aber ein Mülleimer: Der ist an der Stelle so oder so dringend nötig.

Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
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Christian Greis

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