Warum ein rührender Brief der Schülerin Theresa Schröter eine Fahrt nach Zwickau beschert

dzWettbewerb zu Clara Schumann

Theresa Schröter nimmt aus einer Laune heraus am Wettbewerb "Claras Brief" teil und rekonstruiert einen verloren gegangenen Brief eines Pianisten-Liebespaares. Die Schülerin rechnet mit nichts und landet auf dem Siegertreppchen.

Holzwickede

, 29.01.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Theresa Schröter spielt gerne Klavier. Vor allem Klassik. Als die 16-Jährige von dem Schülerwettbewerb "Claras Brief" hört, kennt sie den Namen der Pianistin Clara Schumann nur flüchtig. "Ich habe ein paar Stücke von ihr oder ihrem Mann gespielt." Aus einer Laune heraus macht sie trotzdem bei dem Wettbewerb mit – und belegt prompt den dritten Platz.

"Ich habe damit überhaupt nicht gerechnet", gibt sie zu. Im Deutschunterricht hätte der Lehrer der Klasse vom Wettbewerb erzählt. Verbindlich sei er nicht gewesen. "Ich habe da ehrlich gesagt nicht weiter dran gedacht." Von ihren Freunden wollte niemand mitmachen.

Brief an Ehegatten rekonstruieren

Erst am Geburtstag der Pianistin Clara Schumann fällt ihr der Wettbewerb wieder ein. "Da lief dann ihre Musik in unserer Schule." Das Clara-Schumann-Gymnasium habe seiner Namensgeberin an ihrem 200-jährigen Gedenktag seine Aufmerksamkeit geschenkt. "Ich habe mich dann nachmittags in das Thema eingelesen."

Aufgabe war es, einen verloren gegangenen Brief aus einem ansonsten vollständigen Briefwechsel zwischen der gebürtigen Clara Josephine Wieck und ihrem späteren Ehemann Robert Schumann zu rekonstruieren. "Man konnte sich da online in die alten Briefe einlesen", erzählt sie und entscheidet spontan: "Ich versuche, auch was zu schreiben."

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Gesagt, getan. "Der verlorene Brief wurde von dem zornigen Ehemann verbrannt, so viel wusste man." Sie musste sich also Gedanken machen, was ihn dazu gebracht hatte. "Aus dem Briefwechsel ging hervor, dass Claras Eltern nicht mit der Ehe mit einem Pianisten einverstanden waren. Das habe ich dann so formuliert. Auch, dass die Hochzeit vielleicht verschoben werden soll."

Spontan Brief geschrieben und eingeschickt

Das Kuriose: Der 200-jährige Geburtstag am 13. September ist gleichzeitig auch Einsendeschluss des Wettbewerbs. Schröter setzt sich am Nachmittag vor den Rechner, liest sich ein, verfasst den Brief und schickt ihn noch am selben Abend ein. "Ich dachte, ich schreib einfach mal und gucke, was dabei herumkommt." Sie zuckt mit den Schultern.

"Claras Brief"

  • An dem Wettbewerb teilnehmen durften fünf Schulen in Deutschland, die den Namen von Clara Schumann oder ihrem Mann tragen.
  • Mitgemacht haben 75 Schüler im Alter von 10 bis 20 Jahren.
  • Die Einsendungen kamen aus Bonn, Dülken und Holzwickede, sowie aus Leipzig und Zwickau.
  • Der Wettbewerb drehte sich um die Pianistin Clara Schumann, die 1819 geboren wurde, und ihren Ehemann Robert Schumann, der zu den bedeutendsten Komponisten der Romantik zählt.

Lange Zeit kommt nichts. Nicht einmal eine Einsendebestätigung. "Ich wusste gar nicht, ob meine Mail angekommen ist." Im Dezember hat sie dann aber doch eine Mail im Postfach. "Das war ein standardisierter Brief. Ich dachte, es ist eine Absage." Erst bei genauerem Blick in den Anhang wird klar: Sie hat den dritten Platz belegt. "Damit habe ich wirklich nicht gerechnet."

Neben 50 Euro Preisgeld wird sie von der Robert-Schumann-Gesellschaft am 1. Februar zur Preisverleihung ins Robert-Schumann-Haus in Zwickau eingeladen. Die ist gekoppelt an ein Konzert von Dozenten und Schülern des Konservatoriums im russischen Magnitogorsk.

Persönliche Mail vom Professor

Ein paar Tage später erhält sie dann eine weitere Mail von Professor Thomas Synofzik, dieses Mal deutlich persönlicher. Der Professor kommt auch aus dem Kreis Unna, hat einen Bezug zu Holzwickede und wollte der Drittplatzierten noch einmal persönlich schreiben. "Da habe ich mich wirklich sehr drüber gefreut", gibt die 16-Jährige zu.

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"Normalerweise mache ich gar nicht bei Wettbewerben mit", erzählt sie mit einem verlegenen Lachen. "Das war wirklich nur eine spontane Idee." Umso freudiger ist der positive Ausgang.

Im Nachgang an die Preisverleihung plant die Robert-Schumann-Gesellschaft, eine kleine Broschüre mit den preisgekrönten Schülereinsendungen herzustellen. "Ich bin echt gespannt, was die anderen geschrieben haben."

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