Syrer gewähren tiefe Einblicke in ihr Flucht-Trauma und sprechen über Integrations-Hürden

dzKirche in Holzwickede

Seit knapp fünf Jahren leben Maged Jirkeen und Homam Jaalouk in Holzwickede. Anlässlich des Weltflüchtlingstags am Samstag sprechen die beiden Syrer in der Stephanus-Kirche über ihre Flucht.

Holzwickede

, 20.06.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ein Erlebnis, das die meisten Holzwickeder wohl nicht kennen dürften: Von heute auf morgen die nötigsten Sachen zu packen und seiner Heimat auf unbegrenzte Zeit den Rücken zu kehren. Für Maged Jirkeen und Homam Jaalouk ist dieses mulmige Gefühl der Angst und Ungewissheit schon ein paar Jahre her, der Bürgerkrieg in Syrien hat die Lebensgeschichte der beiden trotzdem nachhaltig geprägt.

Im Gespräch reden sie sehr offen über die traumatischen Erlebnisse, die sie auf ihrer Flucht erfahren haben. Und das möchten sie am Sonntag ab 11 Uhr auch vor der katholischen Gemeinde in der Stephanus-Kirche tun. Zwar sind öffentliche Diskussionen und die mediale Präsenz zu diesem Thema inzwischen stetig abgeflacht.

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Die beiden aus Syrien stammenden Holzwickeder möchten mit ihrem Vortrag in der Kirche vor allem dafür sensibilisieren, dass es auf der Welt Menschen gibt, deren Kindheit und Jugend eben nicht nur von Unbeschwertheit geprägt ist. Für sie begann alles mit dem Bürgerkrieg in Syrien, der 2011 einen großen Einschnitt in das bisher weitestgehend glückliche Leben mit ihren Familien bedeutete.

Der Syrische Bürgerkrieg machte alle beruflichen Pläne zunichte

Jirkeen hatte gerade sein Jurastudium begonnen, Jaalouk stand zu diesem Zeitpunkt mit beiden Beinen im Leben, war schon einige Zeit berufstätig. Nach der Flucht war ihre Lebensplanung völlig über den Haufen geworfen. In Holzwickede haben sie schließlich die nötige Sicherheit gefunden, um sich ein neues Leben aufzubauen.

In der Emscherquellgemeinde angekommen, waren die Hürden ziemlich hoch. Jirkeen fehlten für die Fortsetzung seines Jurastudiums an einer deutschen Universität die nötigen Sprachkenntnisse, Jaalouk durfte eine Zeit lang nicht arbeiten. Und trotzdem haben sie sich durchgebissen: Anfangs lebten beide in der stark überfüllten Rausinger Halle.

Das Lernen für die Inhalte aus dem Integrationskurs fiel ihnen schwer: „Es war da sehr laut“, erinnert sich Jirkeen. „Der eine wollte Musik hören, die anderen haben sich laut unterhalten.“ Und dennoch haben sie sich durchgebissen.

Mit viel Ehrgeiz in Deutschland durchgebissen

Aus Sicht von Roswitha Göbel-Wiemers, die im Rahmen ihrer Tätigkeit beim Verein „Willkommen in Holzwickede“ die beiden Syrer seit Jahren begleitet und den Vortrag in der Kirche vermittelt hat, sind die beiden ein Beispiel gelungener Integration. Das habe maßgeblich mit ihrem Ehrgeiz und ihrem Durchhaltevermögen zu tun. Zwei Eigenschaften, die nicht alle Menschen haben.

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