Drei Straßen im Wohngebiet Emscherquelle in Holzwickede brauchen einen Namen. Die Verwaltung hat dazu Vorschläge gemacht, die aber nicht auf Zustimmung stoßen.

Holzwickede

, 10.07.2019, 16:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einen wichtigen Schritt in Richtung Baustart hat der Wohnpark Emscherquelle am Dienstag im Planungs- und Bauausschuss gemacht. Der Rat der Gemeinde kommt am Donnerstag zusammen und bekommt die Empfehlung, den Bebauungsplan abzusegnen. Dann kann die Wilma Immobilien GmbH als Investor die entsprechende Bauanträge für Ein- und Mehrfamilienhäuser stellen, die bis 2024 auf dem ehemaligen Kasernengelände entstehen sollen. Durch die Stimmen von CDU und SPD bekam der B-Plan im Bauausschuss eine entsprechende Mehrheit. FDP, BBL und Grüne stimmten bei einer Enthaltung dagegen.

Keine Zustimmung fanden fraktionsübergreifend die Vorschläge der Gemeindeverwaltung für die angedachten Straßennamen im Neubaugebiet. Eigentlich sollte die Politik nur Kenntnis von der Tatsache nehmen, dass man mit den Namen „An der Kaserne“, „Quartiersweg“ und „Am Kasino“ an die Vergangenheit des Areals als Bundeswehrstandort erinnern möchte. Das kam in den Fraktionen aber nicht gut an.

Tenor: Die Kaserne stand seit 20 Jahren leer und die künftigen Bewohner hätte keinerlei Bezug zu dem ehemaligen Armeestandort.

„Am Kasino“

Wenn es in der Kaserne gemütlich wurde

„An der Kaserne“ und „Quartiersweg“ – das kann man sofort mit dem ehemaligen Bundeswehrstandort verbinden. Aber „Am Kasino“? Manfred Matysik, einst Oberstabsfeldwebel und 22 Jahre lang vor Ort stationiert, klärt auf: „Große Kasernen haben ein Offizierskasino für Empfänge oder Bälle. Bei uns war das eher eine Bar – in Eigenregie ausgestattet. Der eine oder andere Holzwickeder wird sich an Feierlichkeiten vor Ort erinnern“, sagt der heutige stellvertretende Fraktionschef der SPD. Mit tierischen Straßennamen könnte er übrigens gut leben: „Wäre der Bezug zur Kaserne gewünscht gewesen, hätte ich auch ‚Zum Appellplatz‘ und ‚Zur Alten Wache‘ passend gefunden. Wenn dem nicht so ist, dann ist das für mich aber auch völlig okay.“

Keine militärischen Namensbezüge im Wohnpark Emscherquelle

Zwar plädierte Ralf Bessinger aus dem Bauamt der Gemeinde für eine frühzeitige Benennung, weil das die Verfahren für Baugenehmigungen erleichtere und auch die verschiedenen Versorger für die Erschließung frühzeitig mit festen Adressen planen wollen. Die politischen Vertreter im Ausschuss waren sich aber einig, dass man keine militärischen Namensbezüge möchte.

Auf Gegenliebe stieß vielmehr ein Vorschlag von Grünen-Fraktionschef Friedhelm Klemp. „Wir sollten stolz sein, dass unsere Quelle einen Fluss speist, der wieder zahlreichen Tieren eine Heimat bietet“, sagte Klemp. Stichlinge oder Groppen seien doch eine gute Alternative für die Namensgebung und würden einen direkten Bezug zur Emscher herstellen.

Straßen im Wohnpark Emscherquelle sollen nicht an die Kasernen-Vergangenheit erinnern

Diese Straßennamen stießen auf Ablehnung © Gemeinde Holzwickede

Dafür gab es von allen Seiten wohlwollendes Nicken. „Das hat mir auch gefallen“, sagt Bürgermeisterin Ulrike Drossel. Vorerst hat man sich darauf verständigt, dass die Fraktionen unter dem Oberbegriff „Emscher“ weitere Vorschläge einbringen können. In einer Sondersitzung des Ausschusses soll dann nach der Sommerpause im September entschieden werden, wie die drei Straßen im Wohngebiet heißen sollen. Bis dahin gelten vorläufige Plannamen.

Bürger könnten für Vorschläge mitabstimmen

Vorschläge von Holzwickeder Bürgern wurden und werden zwar offiziell nicht gesucht – hier bietet sich bei einer Idee der Kontakt zum politischen Vertreter des Vertrauens an. Die Bürgermeisterin kann sich aber vorstellen, dass Bürger bei der Namensvergabe mitentscheiden. „Vielleicht machen wir auf die nächste Sitzung gesondert aufmerksam und die Holzwickeder können dann in irgendeiner Form zusammen mit der Politik abstimmen“, so Drossel.

Die Flora und Fauna der Emscher bei der Namensgebung zu berücksichtigen, kommt erwartungsgemäß auch bei der Emschergenossenschaft gut an. „Das wäre ein weiteres Zeichen für einen wahrnehmbaren Strukturwandel und würde erlebbar machen, dass man mit der Emscher eine neue Lebensqualität verbindet“, sagt Sprecher Ilias Abawi. Es wäre ein deutliches Statement, dass man die einst schwarze Emscher nicht mehr als Hinterhof sondern als Vorgarten der Region betrachte.

Die Tierwelt der Emscher bietet sich an

Abawi hatte auch gleich die passenden Tierarten parat, die sich in den vergangenen Jahren in und an der Emscher angesiedelt haben: Vom dreistacheligen Stichling über die seltene Gebirgsstelze bis zur blauflügeligen Prachtlibelle gäbe es einige Optionen. „Libellenweg – das fände ich auch sehr schön“, gibt es dafür zumindest von Friedhelm Klemp den Segen.

Straßen im Wohnpark Emscherquelle sollen nicht an die Kasernen-Vergangenheit erinnern

Die Stichstraße im Neubaugebiet, das parallel zur Wellstraße entsteht, wird von der Reuterstraße aus angefahren und soll "Emschertalblick" heißen. © Greis

Direkte Zustimmung im Ausschuss fand indes eine geplante Straße für das Wohnbaugebiet auf der Fläche der ehemaligen Gärtnerei parallel zur Wellstraße. Die Stichstraße mit Wendehammer trägt einen Emscherbezug im Namen und soll „Emschertalblick“ heißen. Für beide Baugebiete war übrigens von den jeweiligen Bauträgern keine Namensvorschläge bei der Gemeinde eingegangen.

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