Wegen angeblicher Störung des Handy-Funks: Abstimmung zu Baumfällungen verschoben

dzUmweltausschuss

Telefónica möchte zwei Bäume fällen lassen, weil sie angeblich das Signal eines Handy-Funkmastes stören. Weil der Netzbetreiber sich in einem Punkt widerspricht, wurde eine Entscheidung dazu im Umweltausschuss vertagt.

Holzwickede

, 15.09.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Störfaktor Baum: Der Umweltausschuss sollte am Montagabend über die Zukunft von zwei Bäumen in Opherdicke entscheiden. Das Telekommunikationsunternehmen Telefónica, in Europa als O2 bekannt, möchte die entfernen lassen, weil sie angeblich das Signal eines Handy-Funkmastes stören.

Der betroffene Mast befindet sich auf dem Grundstück der Wasserversorgung (Auf dem Blick 2a), die Bäume in unmittelbarer Nähe. Laut Angaben des Netzbetreibers komme es dort zu „gravierenden Störungen“, wie es in der Beschlussvorlage für die Ausschusssitzung heißt.

Abstimmung über Baumfällungen wird vorerst vertagt

Zur Abstimmung kam es am Montag aber nicht. Auf Anfrage dieser Redaktion teilte Telefónica bereits im Vorfeld des Ausschusses mit, dass man im konkreten Fall keine Angabe machen könne, wie viele Menschen davon betroffen seien. „Da kann man leider keine pauschale Angabe [...] machen – die Funkausbreitung ist abhängig von sehr vielen Faktoren. Um nur einige zu nennen: Topographie, Bebauung, Dichte der Bebauung, Höhe, verwendete Frequenz, Jahreszeit, usw“, hieß es in einer Stellungnahme des Unternehmens.

Eine grundsätzliche Einordnung, wie gravierend die mutmaßliche Störung sein könnte, ist deshalb nicht möglich. Telefónica verwies stattdessen auf eine Suchfunktion auf der eigenen Internetseite, wo jeder Kunde nachvollziehen kann, wie gut seine Umgebung durch das O2-Netz abgedeckt ist. Gibt man dort die Adresse der Wasserversorgung in Holzwickede ein, so lautet das Ergebnis „sehr gut“.

Empfang ist laut Netzbetreiber einwandfrei

Auch bei mehreren anderen Abfragen von Orten in und um Opherdicke und Hengsen ist das Ergebnis dasselbe: Das O2-Netz müsste nach Angaben von Telefónica rund um die Straße Auf dem Blick also einwandfrei funktionieren. Wäre das der Fall, so wäre die Fällung der beiden mutmaßlichen „Störbäume“ sicher hinfällig.

Die Angaben auf der Internetseite offenbaren einen eindeutigen Widerspruch zu den Ausführungen im Schreiben an die Stadtverwaltung, wo Telefónica um die Fällung der Bäume bittet. Die Gegenüberstellung der beiden Angaben lässt darüber hinaus viel Spielraum für Spekulationen und wirft Fragen auf.

Verwaltung will genaue Angaben des Netzbetreibers

Der Ball lag am Montagabend nun beim Umweltausschuss und wurde nach den Recherchen dieser Redaktion von Uwe Nettlenbusch, Fachbereichsleiter Technische Dienste, flach und kurz gespielt: Nettlenbusch plädierte dafür, den Punkt vorerst von der Tagesordnung zu nehmen.

Bevor die Ausschussmitglieder über die Zukunft der beiden Bäume entscheiden, wolle man den Netzbetreiber nochmals in die Pflicht nehmen und klären, ob und inwieweit der Mobilfunkempfang tatsächlich durch zwei Baumkronen nahe des Funkmastens beeinträchtigt wird. Das Thema wird demnach frühestens im nächsten Umweltausschuss im Dezember wieder auf der Tagesordnung stehen.

Bäume spenden Schatten für den Sportplatz

Zwar wandte Frank Niehaus für den Bürgerblock ein, dass die Verbindungsqualität auf den Internetseiten der Netzbetreiber „immer sehr gut seien, weil reine Werbepropaganda“ – dennoch war man sich einig, dass die Auswirkungen im Detail geklärt werden müssten, bevor man über das Fällen zweier Bäume entscheide. Auch wandte Franke Spiekermann (CDU) ein, dass die Bäume wichtiger Schattenspender für die benachbarte Sportanlage des Holzwickeder SC seien.

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