Sie ziehen von Haustür zu Haustür und haben eine Mission: den Menschen Frieden zu bringen. Den Menschen in Holzwickede, in diesem Jahr aber auch denen im Nahen Osten.

Holzwickede

, 05.01.2020, 16:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

In jeder Ecke des Raumes raschelt es. Rund drei Dutzend Kinder schwirren herum. In der Hand hat jedes von ihnen ein großes Stück Stoff. „Passt das so?“, hört man immer wieder, als sie sich gegenseitig Gewänder und Kopfbedeckungen überstreifen.

Es war wieder soweit: Die Sternsinger aus der katholischen Gemeinde in Holzwickede schwärmten am Sonntagmittag aus, um den Menschen Segen in die Häuser zu bringen. Doch bevor die Kinder, vorwiegend Drittklässler, von Haustür zu Haustür zogen, wartete noch viel Arbeit.

Segen für die Haustür: Einen Tag lang im Dienst des Friedens unterwegs

Die meisten, aber nicht alle Menschen, an deren Haustür die Sternsinger klingeln, spenden für einen guten Zweck. In diesem Jahr geht das Geld in den Libanon, wo unter anderem die Flüchtlingsarbeit unterstützt wird. © Carlo Czichowski

Die Zuteilung in die jeweiligen Bezirke, eine kurze Suche nach dem passenden Kostüm und einige Gesangsstunden hatten die Rund 30 Kinder und ihre erwachsenen Helfer am Sonntag hinter sich gebracht, ehe es endlich auf die Straße ging.

Verkleidet durch Holzwickede

Zuvor wurden sie in Kleingruppen eingeteilt. Für die drei Mädchen Nora, Laura und Greta, die gemäß Tradition als Kaspar, Melchior und Balthasar auftraten, ging es gemeinsam mit Judith Kuck-Bösing los. Die vier Holzwickederinnen kämmten den ganzen Nachmittag lang die Umgebung der Carolinenbrücke ab, klingelten an mehr als 70 Haustüren.

Segen für die Haustür: Einen Tag lang im Dienst des Friedens unterwegs

Mit einer Geldkassette, einem Stern und Gottes Segen im Gepäck machten sich die Sternsinger in Holzwickede auf, um Menschen zu besuchen. © Carlo Czichowski

Ihre Mission bestand aus zwei Aspekten: Zum einen wollten sie den Menschen einen Segen fürs kommende Jahr an die Haustür bringen. Zum anderen sammelten sie Geld für den guten Zweck. In diesem Jahr, so erklärt die Gemeindereferentin Silke Klute, die die Sternsingeraktion organisiert, geht das Geld an verschiedene Projekte im Libanon, die das katholische Kindermissionswerk unterstützt.

„Kinder sollen den Menschen Frieden bringen“

„Die Kinder sollen den Menschen Frieden bringen“, sagt sie. An die Haustür, in diesem Jahr eben auch in den Nahen Osten. „Denn heute steht das Miteinander im Mittelpunkt“, betont Klute. Und das ist dieser Tage vielleicht aktueller denn je.

Bürgerkrieg in Syrien, überfüllte Flüchtlingslager vor allem in Europa und im Nahen Osten, hinzu kamen in den vergangenen Tagen immer heftiger werdende Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Eine gehörige Portion friedliches Miteinander könnte die Welt, so findet Klute, momentan vertragen.

Segen für die Haustür: Einen Tag lang im Dienst des Friedens unterwegs

Textsicher ins neue Jahr: An jeder geöffneten Haustür sangen die Mädchen Laura, Nora, Greta und ihre Begleiterin Judith Kuck-Bösing ein Lied. © Carlo Czichowski

Für die Menschen in Holzwickede wünschen sie sich das gleichermaßen. Und so zogen sie am Sonntag von Haus zu Haus. Sangen den Bewohnern, die die Tür öffneten, etwas vor und teilten Aufkleber mit dem Schriftzug CMB 2020, was für „Christus mansionem benedicat“ steht und auf Lateinisch „Christus segne dieses Haus“ bedeutet.

Für das Gemeindemitglied Judith Kuck-Bösing ist es nicht die erste Sternsingeraktion in Holzwickede, bei der sie mitläuft. Sie unterstützt seit Jahren die Gemeindereferentin Silke Klute bei ihrer Arbeit, wenn es auf die Vorbereitung des Dreikönigstages zugeht. Ohne Unterstützung aus der Gemeinde wäre so ein Tag für Klute nur schwer stemmbar.

„Toll zu sehen, wenn Menschen sich freuen“

Kuck-Bösing und ihre drei Mitstreiterinnen waren am Sonntag knapp vier Stunden unterwegs und haben mehrere Hundert Euro eingenommen. Wie Klute erklärt, gibt es aber noch einen dritten, sehr wichtigen Sinn, den das Sternsingen hat: „Für die Kinder ist es toll zu sehen, wenn sich Menschen freuen. In Holzwickede gibt es eine Frau, die jedes Jahr aufs Neue so berührt ist, dass sie anfängt zu weinen.“

Segen für die Haustür: Einen Tag lang im Dienst des Friedens unterwegs

Im Alois-Gemmeke-Haus herrschte für kurze Zeit ein kleines Chaos. Knapp drei dutzend Kinder wurden als die Heiligen drei Könige verkleidet. © Carlo Czichowski

Außerdem gebe es auch zwei Familien, die schwerstbehinderte Kinder haben. Sie empfangen die Sternsinger sehr gerne, teilweise begrüßen sie sie aus dem Rollstuhl heraus. Auch dabei sollen die Kinder etwas mitnehmen: „Sie erkennen, dass es nicht selbst verständlich ist, einfach so von Haustür zur Haustür gehen zu können.“

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